Geld
Der Charakter verdirbt das Geld
Ausserdem
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Welcher Geld-Typ sind Sie?
Grundsätzlich kann man zwischen vier Geld-Typen unterscheiden, wobei es jede Menge Mischformen gibt. Ausserdem können äussere Umstände einen dazu zwingen, dass man sein Geldverhalten und damit seinen Geld-Typ anpasst.
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«Geld verdirbt den Charakter», sagt der Volksmund. Doch es ist oft umgekehrt. Der Umgang mit Geld spiegelt die Persönlichkeit und verrät etwas über die Person.
von Marianne Siegenthaler
Er ist der reichste Mann der Schweiz, fährt einen alten Volvo und wäscht angeblich Einweggeschirr eigenhändig aus, um es nochmals zu verwenden. Die Sparsamkeit des Ikea-Gründers Ingvar Kamprad grenzt schon an Geiz, wenn all die Anekdoten stimmen, die diesbezüglich über den Schweden kursieren. Er selber erklärt seinen sparsamen Lebensstil mit seinem bescheidenen Naturell. «Tatsächlich widerspiegelt der Umgang mit Geld einiges unserer Persönlichkeit», sagt Dr. Josef Lang, Psychologe aus Wettingen AG. «So kann man beobachten, dass sich eine bestimmte Haltung in Sachen Finanzen auch in anderen Lebensbereichen zeigt.» Konkret: Wer grosszügig mit seinem Geld umgeht, der hat oft auch ein offenes Haus, bewirtet gerne Gäste oder leiht sein Auto ohne Weiteres an Bekannte aus. Umgekehrt sind sparsame Menschen anderen gegenüber oft recht zurückhaltend und beispielsweise in Beziehungen ziemlich besitzergreifend. Und wer eher zum Verschwender neigt und häufig mehr ausgibt, als er einnimmt, übertreibt es vielleicht auch in anderen Bereichen - arbeitet zu viel oder gönnt sich zu wenig Schlaf.
Elternhaus und äussere Umstände
Was prägt denn unser Verhältnis zum Geld? Eine grosse Rolle spielen die äusseren Umstände. Wer kaum genug Geld verdient, um die laufenden Ausgaben zu decken, der kommt ums sparsame Haushalten nicht herum, wenn er nicht in die roten Zahlen rutschen will - und das unabhängig davon, ob das seiner Wesensart entspricht oder ob er das Geld lieber mit beiden Händen ausgeben würde. Umgekehrt machen in den Medien immer mal wieder Lottomillionäre Schlagzeilen, die vor dem Gewinn keine Geldprobleme hatten, zwei Jahre später aber komplett verarmt waren.
Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss des Elternhauses: «Ist das Geld häufig Anlass für Diskussionen zwischen den Eltern, kann das schon prägen und den Eindruck hinterlassen, dass Geld zu Konflikten führen kann», sagt Josef Lang. Oder wenn ein ständiger Mangel herrscht und jeder Rappen zweimal umgedreht werden muss, auch das geht das nicht spurlos an einem Kind vorbei. Gut möglich, dass es dann als Erwachsener sehr umsichtig mit seinen Einnahmen umgeht - selbst wenn dies seine finanziellen Verhältnisse gar nicht erfordern.
Es gibt aber ebenso den umgekehrten Fall, nämlich dass man sich bewusst vom Geldverhalten der Eltern distanziert. Waren die Eltern beispielsweise so verschwenderisch, dass es nie bis Ende Monat reichte und man darunter zu leiden hatte, wird man dieses Verhalten um jeden Preis vermeiden wollen.
In der Regel sind aber Sprichwörter wie «Geld verdirbt den Charakter» oder «Spare in der Not, dann hast du in der Zeit» Botschaften, die wir bereits als Kind verinnerlicht bekommen und unser Geldverhalten - bewusst oder unbewusst - nachhaltig beeinflussen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Taschengeld. Es ist unser erster Umgang mit Geld, und so hat die Höhe, damit verbundene Auflagen oder Reaktionen auf unsere ersten eigenen Einkäufe einen prägenden Einfluss. Wurde der Kauf von Süssigkeiten oder Comic-Heften verboten oder zumindest ständig kritisiert, dann wird man möglicherweise später nicht mit leichter Hand Geld für «sinnloses Zeug» ausgeben.
Angst spielt mit
Eigentlich ist es ja nur ein Tauschmittel, trotzdem ist die Einstellung zu Geld meistens von starken Gefühlen geprägt. Geld steht nicht nur für Macht, Erfolg, sozialen Status, Sicherheit und Luxus. Es gibt uns zudem die Freiheit und Unabhängigkeit, unser Leben mehr oder weniger nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Eine der grössten Bedrohungen überhaupt ist der Verlust oder der Mangel an Geld. Ohne harte Währung kann man in unserer Gesellschaft nicht existieren. Und selbst wenn dank der Sozialhilfe niemand verhungern muss, so ist man doch vom sozialen und kulturellen Leben ausgeschlossen. «Ängste haben einen starken Einfluss auf den Umgang mit Geld», sagt Josef Lang. «Mit Horten von Geld glaubt manch einer, seine Ängste kontrollieren zu können.» Wenn jedoch die Angst vor Armut so gross beziehungsweise das Sicherheitsbedürfnis so stark wird, dass die Sparsamkeit in Geiz ausartet, wird man zum Sklaven.
«Zum vollen Leben gehören beide Pole: Lebendigkeit und Sicherheit. Wer leben will, kann nicht nur absichern, er wird auch Risiken eingehen.»
Mehr Gelassenheit
Wie aber findet man zu einem gelasseneren Umgang mit seinen Finanzen? Als Erstes sollte man zur Einsicht kommen, dass Geld immer nur Mittel zum Zweck und nicht das Ziel ist. «Geld ist wichtig fürs Leben, genügt aber nicht für erfülltes Erleben», bringt es der Psychologe auf den Punkt. Für Letzteres sind die feineren Töne des Lebens wie Liebe, Freundschaft, Intuition oder Kreativität entscheidend. Sie sind es, die für Erfüllung und Lebensfreude sorgen. Und da hilft einem viel Geld nicht weiter. Hält man sich das vor Augen, kann man einer weiteren Geldweisheit nur zupflichten: «Geld macht nicht glücklich.»
Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 10/05 der Schweizer Familie publiziert.
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