Wir haben ein 4-jähriges Grosskind, welches uns sehr grosse Freude macht. Und trotzdem beschäftigt uns, dass unsere Enkelin drei Wörter nicht sagen kann: «bitte», «danke» und «Grüezi». Wenn sie dann endlich doch noch zum Beispiel «bitte» sagt, weint sie anschliessend herzzerreissend. Mein Mann und ich sind ziemlich ratlos, wie wir uns verhalten sollen. Wir spüren, dass unsere Enkelin leidet. Wenn ihre Mutter darauf beharrt, dass sie uns Danke sagen muss und sie es nicht kann, habe ich auch schon den Vorschlag gemacht, sie solle mir doch in einem Brief danken. Dieser Vorschlag war für unsere Enkelin eine grosse Erleichterung, und den Brief hat sie noch am gleichen Abend kreiert. Können wir, ohne uns in die Erziehung einzumischen, irgendwie helfen?
Rosalie, 65
Liebe Rosalie
Ihre Tochter hat sich offenbar bei diesem Thema mit Ihrer Enkelin in einen Machtkampf verstrickt: Sie versucht das Kind zu bezwingen, bis es das richtige Wort sagt. Das Kind fühlt sich vor den anderen blamiert. Es schämt sich und verweigert sich erst recht, bis die Mutter schimpft und das Kind weint. Mit Ihrer Idee haben Sie Ihrer Enkelin die Möglichkeit geboten, in einer bereits verfahrenen Situation ihr Gesicht zu wahren. Sie könnten Ihrer Tochter vorschlagen, das Thema für ein paar Wochen gänzlich ruhen zu lassen. Grundsätzlich gilt: Wenn wir unseren Kleinen etwas beibringen wollen, müssen wir erst eine wohlwollende Atmosphäre schaffen. Wir sagen also diese kleinen «Zauberwörtchen» diskret und mit einem freundlichen Gesicht, ohne penetrant auf einem Wiederholen zu beharren. Mit der Zeit ahmen uns die Kinder automatisch nach.
Dr. phil. Christine Hefti ist Fachpsychologin für Psychotherapie FSP und Mutter einer schulpflichtigen Tochter. Sie hat eine Praxis für Einzel-, Paar- und Familientherapie in Dietikon ZH.






























