Lebensberatung: Affäre oder Ehe

Ich führe eigentlich eine gute Ehe mit zwei kleinen Kindern. Es war am Anfang eine starke Liebe zwischen uns, und wir fühlten uns füreinander bestimmt. Ich liebe meinen Mann immer noch, aber bei uns läuft sexuell kaum noch etwas. Entweder mag er oder ich gerade nicht. Als Eltern können wir aber gut funktionieren. Wir teilen uns Job und Kinderbetreuung. Nun ist bei uns im Geschäft ein Mitarbeiter, mit dem ich viel und gut zusammenarbeite. Ich glaube, ich habe mich etwas in ihn verliebt. Wir hatten immer gute Gespräche, und an einem Fest haben wir auch zusammen getanzt. Beim Abschied haben wir uns dann geküsst. Seitdem stehe ich jedes Mal unter einer enormen erotischen Anspannung, wenn ich ihn nur schon sehe. Einmal mussten wir beide nach Feierabend länger arbeiten, und da ist «es» passiert. Und zwar mit einer solchen Leidenschaft, dass ich erschrocken bin! Danach ging es mir richtig schlecht. Mein Mann bemerkte dies, daher habe ich es ihm gebeichtet. Er war zuerst schockiert, aber nun will er mir Zeit geben und gibt sich sehr Mühe. Wir hatten die Idee, dass wir uns mehr Zeit für uns nehmen sollten. Aber der Mitarbeiter ist täglich da, und ich schaffe es einfach nicht, mich zu distanzieren.
Karina, 37

 

Liebe Karina
Die Idee, sich in Ihrer Ehe mehr Zeit und Abwechslung füreinander zu schaffen, ist genau richtig. Denn wie für viele Paare ist auch für Sie die Routine des Alltags mit Kindern zum «Fallstrick» geworden. Beim Spagat zwischen dem Beruf, den täglichen Haushaltsverrichtungen und den Bedürfnissen der Kinder verliert man oft sich selbst und den Partner aus dem Auge. Der charmante Mitarbeiter in Ihrem Büro gab Ihnen kurzfristig das, was Sie anfänglich mit Ihrem Mann teilten: das Gefühl, attraktiv, witzig und sexy zu sein. Sie fühlten sich wieder lebendig. Doch: Es war ein Spiel mit dem Feuer. Wenn Sie Glück haben, kann Ihr Mann Ihnen den Ausrutscher verzeihen. Wenn Sie die Affäre weiterziehen, steuern Sie auf eine Scheidung zu. Wenn Sie das nicht wollen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als sich zu entscheiden, den Zug zu stoppen. Jetzt. Egal, ob Sie dem Mitarbeiter begegnen oder nicht.

 

 

Dr. phil. Christine Hefti ist Fachpsychologin für Psychotherapie FSP und Mutter einer schulpflichtigen Tochter. Sie hat eine Praxis für Einzel-, Paar- und Familientherapie in Dietikon ZH.

Praxis von Dr. phil. Ch. Hefti

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