Lebensberatung: Eine Geliebte

Mein Mann hat sich in eine zehn Jahre jüngere Frau verliebt, die wir schon lange kennen. Auf Druck hin hat er es mir gebeichtet. Sie soll im Bett unschlagbar sein. Er hat mir versprochen, dass sie sich nicht mehr sehen, doch ich weiss, dass dem nicht so ist, denn ich habe heimlich seine SMS gelesen. Er sagt, dass er eben zwei Frauen liebe, er könne sie nicht sofort verlassen. Er wolle sich aber nicht von mir trennen, ich müsse nur Geduld haben. Kürzlich war unser 35. Hochzeitstag, da hat er mir eine goldene Kette mit einem Herz geschenkt. Kann ein Geschenk unehrlicher sein? Will er nur aus Pflichtgefühl bei mir bleiben? Ich bin verzweifelt und schlafe kaum. Der erste Gedanke morgens und der letzte abends ist SIE. Ich habe Angst, dass er mich verlassen könnte, umso mehr, als meine Lust auf Sex in den letzten Jahren erkaltet ist. Aber wie kann ich mit dem Wissen leben, dass er eine andere hat?
Doris, 62

 

Liebe Doris
Wenn sich herausstellt, dass der Ehemann eine Geliebte hat, ist das ein gefühlsmässiger Tsunami. Alles kommt ins Wanken, droht zu zerbrechen. Doch gerade jetzt ist es wichtig, ruhig zu bleiben! Ihr Mann ist noch da. Er will Sie nicht verlassen. Und klar, er liebt auch Sie. Aber wie in vielen langjährigen Ehen sind vielleicht auch Sie beide von einem Fernsehabend zum nächsten gedümpelt. Sie hatten sich womöglich nicht mehr viel zu sagen, und wenn, dann gings um den Einkauf oder die Haare im Spülbecken. Mit der bevorstehenden Pensionierung ist ein wichtiger Lebenssinn in Frage gestellt und eine Neuorientierung gefragt. Nun ist da eine Frau, die zu ihrem Mann aufblickt, die ihm zuhört, die ihn begehrt. Ist es da nicht verständlich, dass Ihr Mann aufblüht? Also, anstatt in Selbstzweifeln zu versinken, nehmen Sie den Konkurrenzkampf auf! Was sie kann, das können Sie besser! Die Chancen stehen gut, denn Sie haben Heimvorteil. 1. Kaufen Sie eine neue Wimperntusche und üben Sie gegenüber Ihrem Mann den gekonnten Augenaufschlag! 2. Machen Sie Ihrem Mann jeden Tag ein Kompliment. 3. Es ist unter Ihrer Würde, die «Andere» nur mit einem Wort zu erwähnen.

 

Dr. phil. Christine Hefti ist Fachpsychologin für Psychotherapie FSP und Mutter einer schulpflichtigen Tochter. Sie hat eine Praxis für Einzel-, Paar- und Familientherapie in Dietikon ZH.

 

 

Praxis von Dr. phil. Ch. Hefti

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Guten Tag Frau Hefti Gerne

Guten Tag Frau Hefti Gerne lese ich Ihre jeweiligen Antworten auf Fragen, welche an Sie gerichtet werden. Nun, diesmal musste ich Ihren Rat, wie besagte Ehefrau ihren Mann u.U. für sich wiederum einnehmen könnte, zweimal lesen! Glauben sie tatsächlich, dass etwas neue Wimperntusche (wie anders soll sie denn aussehen als die alte?), ein Augenaufschlag (!), ein tägliches Kompliment das Verlangen, das in diesem Mann entfacht wurde, aufheben könnte? Nr 3 finde ich total daneben. Sorry. Da braucht es Geduld, das Einsehen, dass körperliche Treue kein verbrieftes Recht ist, das zugegebenermassen schwere Unterfangen, sich selbst viel Gutes tun. Und - wenn möglich - das Gespräch auf freundschaftlicher Basis. In 35 Ehejahren ist doch wohl auch Freundschaft gewachsen?! Wenn ja, sehe ich keine grosse Gefahr, dass die Frau definitiv verlassen wird, wenn nicht, dann könnte es schwierig werden. Ich weiss, wovon ich spreche. Die Einstellung: mein Mann gehört mir nicht, aber ich bin sein bester Freund..........diese kann der Boden für noch viele erfüllte Jahre sein. Liebe Grüsse maria-luise pittner

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