Magersucht – Was Angehörige tun können

Bettina Isenschmid, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Magersucht.

  • Angehörige sollten den Betroffenen immer wieder das Gespräch anbieten.

SCHWEIZER FAMILIE: Wie reagiere ich, wenn ich glaube, jemand leide an einer Essstörung?
Bettina Isenschmid*:Das Wichtigste ist, überhaupt zu reagieren und nicht zu denken, dass es von alleine wieder vorbeigeht. Auch wenn man unsicher ist, ob jemand tatsächlich krank ist. Schlimmer kann man es nicht machen; man kann niemandem eine Essstörung einreden.
Wie spricht man es denn an?
Man sollte nie anklagend sein und keine Schuldzuweisungen machen. Am besten geht man vom eigenen Gefühl aus und teilt der Person mit, dass man sich Sorgen macht. Man sollte nicht sagen: «Du bist doch gar nicht dick», sondern: «Ich nehme dich nicht so wahr.»
Wie kann ich helfen?
Man kann einer Betroffenen immer wieder anbieten, darüber zu reden. Sie können ihr eine Beratungsstelle vermitteln oder gemeinsam eine Fachperson
aufsuchen. Wichtig ist, dass die Patientin merkt, dass man ihr helfen will und sie nicht verurteilt.
Was kann man tun, wenn jemand nicht darauf eingeht?
Dann können Sie selbst eine Beratungsstelle aufsuchen und sich Unterstützung holen. Davon sollten Sie der betroffenen Person erzählen, denn oft
will diese dann auch mitkommen, oder sie meldet sich selbst bei einer Beratungsstelle.  Wichtig ist, der Patientin zu sagen, dass Sie sich noch immer
Sorgen machen, auch wenn die Patientin keine Hilfe annehmen will.
Wie verhindere ich, dass es gar nicht so weit kommt?
Eltern sollten dem Kind einen normalen Umgang mit dem Essen vorleben und ihm vermitteln, dass der Wert und die Würde eines Menschen nicht von seiner Figur oder seinem Gewicht abhängen. Auch dürfen Leistungen nicht überbewertet werden. Zeigen Sie dem Kind, dass Sie es lieben, so wie es ist.


*Bettina Isenschmid ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie am Spital Zofingen AG.

 

 

 

 

 

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"Angehörige sollten den

"Angehörige sollten den Betroffenen immer wieder das Gespräch anbieten". Das finde ich auch sehr wichtig -und schwer und frustrierend! Sehr wichtig ist aber auch das Gespräch mit anderen betroffenen Eltern. So kann man sich gemeinsam dabei unterstützen, diese schwierigen Zeit des Gesundwerdens der magersüchtigen Tochter oder des Sohnes zu bewältigen. Wir können unsere Kinder unterstützen und sie werden auch Fortschritte machen, wenn wir selbst offen und ehrlich sind und uns von denen Hilfe und Unterstützung holen, die Erfahrung mit Magersucht haben. Ich möchte alle Mütter und Väter ermutigen, sich von einer Beratungsstelle Unterstützung zu holen. Alle, die gern mit anderen Eltern reden wollen, möchte ich darauf hinweisen, dass betroffene Eltern im Selbsthilfezentrum Zürich gerade dabei sind eine Gesprächsgruppe für Eltern von magersüchtigen und bulimischen Kindern und Jugendlichen zu gründen. (www.selbsthilfecenter.ch)

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