Nasensprays – Wie sie wirken und wann Vorsicht geboten ist

Die Wirkstoffe lassen die Schleimhäute sofort abschwellen. Nasensprays haben aber einen grossen Nachteil: Sie können abhängig machen.

  • Nasensprays nicht zu oft und nicht zu lang anwenden.

Überall lagen die kleinen Fläschchen griffbereit: auf dem Nachttisch, im Auto, im Spind, im Rucksack und in der Jackentasche. War der Nasenspray einmal gerade nicht zur Hand, wurde André Kuohn unruhig. Angefangen hatte alles im Jugendalter, als er wegen drückender Schmerzen im Gesicht zum Arzt ging. Der stellte eine Kieferhöhlenentzündung fest und verordnete Nasenspray. Damals hätte André Kuohn nicht im Traum daran gedacht, welche fatalen Folgen das haben könnte.

Seine Kieferhöhlenentzündung entwickelte sich zum Dauerproblem, immer wieder gab ihm sein Arzt Antibiotika und Nasenspray mit nach Hause. Irgendwann stellte André Kuohn fest, dass seine Nase verstopfte, wenn er den Spray nicht benutzte. «Nachts schreckte ich aus dem Schlaf, weil ich keine Luft mehr bekam. Dann musste ich sofort zum Spray greifen.» André Kuohn ist kein Einzelfall. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt David Holzmann vom Universitätsspital Zürich behandelt in seiner Sprechstunde fast jede Woche einen Patienten, der ohne Nasenspray nicht mehr aus dem Haus gehen kann.

Bei einer starken Erkältung sind solche Sprays ein Segen. Sie sorgen dafür, dass sich die Blutgefässe in der geschwollenen Nasenschleimhaut zusammenziehen. Nach wenigen Minuten kann der Schnupfengeplagte wieder durch die Nase atmen. Über längere Zeit eingenommen, werden die Mittel aber zum Problem. Die Schleimhaut gewöhnt sich an den Inhaltsstoff. «Die Patienten brauchen ihn öfter und mehr davon», sagt der HNO-Arzt Abel-Jan Tasman vom Kantonsspital St. Gallen. Ist die Wirkung des Sprays vorbei, kommt es zu einem gegenteiligen Effekt: Die Blutgefässe füllen sich umso stärker
mit Blut, die Nase ist verstopfter als zuvor. «Der Patient greift deshalb sofort wieder zum Nasenspray und gerät damit in einen Teufelskreis», erklärt Abel-Jan Tasman.

Viele der Patienten nehmen solche Sprays jahrelang. Auf Dauer reizen die Inhaltsstoffe die Schleimhaut, sie trocknet aus, blutet und verkrustet. Den Menschen den Spray einfach wegzunehmen sei meist keine Lösung, sagt David Holzmann. Denn fast immer liegt die Ursache für das Problem tiefer. Oft handelt es sich um Patienten, die von Natur aus schmale Nasengänge oder eine Nasenscheidewandverkrümmung haben. Manchmal steckt auch eine Allergie dahinter. «Solche Patienten hatten schon immer ein wenig Mühe mit dem Atmen durch die Nase. Bekommen sie einen Schnupfen, geht die Nase komplett zu», sagt HNO-Arzt David Holzmann «Der Nasenspray ist für solche Menschen eine regelrechte Erlösung» In solchen Fällen ist oft eine Operation nötig, um die Ursache zu beheben.

So war es auch bei André Kuohn. Der mittlerweile 34-jährige Narkosemediziner wurde insgesamt zweimal operiert, beim ersten Mal verkleinerten die Ärzte die Nasenmuscheln, was nur kurzfristig Erfolg brachte. Beim zweiten Eingriff begradigte der HNO-Arzt Jan-Abel Tasman zusätzlich dessen gekrümmte Nasescheidewand. Seither kann André Kuohn endlich frei durch die Nase atmen; auch die Schleimhaut hat sich erholt. «Ich bin hochzufrieden, ich fühle mich wie neugeboren » sagt er. «Hoffentlich bleibt das so.» Seine Nasensprays hat er jetzt alle entsorgt.

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