Das gleiche Elend jedes Jahr: Zuerst kitzelt es in der Nase, dann fängt die Nieserei an, und der Schnupfen ist da. Das Resultat sind Berge von durchschnäuzten Taschentüchern. Besonders lästig wird es, wenn die Nase dichtmacht, der Kopf dröhnt und wir nachts nicht in den Schlaf finden. Dann merken wir erst, wie wunderbar es ist, frei atmen zu können. Schuld an der Misere sind Schnupfenviren, die sich besonders im Winter auf der Nasenschleimhaut einnisten und sich dort millionenfach vermehren. Unser Körper reagiert auf die Eindringlinge mit einem ausgeklügelten Schlachtplan: Abwehrzellen sorgen dafür, dass die Schleimhaut anschwillt, sodass sich die Blutgefässe weiten und stärker durchblutet werden.
Über das Blut gelangen weitere Abwehrzellen zu ihrem Einsatzort, um die Angreifer zu bekämpfen. Die Schleimhäute beginnen verstärkt Schleim herzustellen, der die Viren nach draussen befördert. Das ständige Schnäuzen und die verstopften Nasengänge sind also ein Zeichen, dass unser Immunsystem auf Hochtouren arbeitet. Bis es mit den Eindringlingen fertig geworden ist, braucht es aber seine Zeit. «Leider gibt es bis heute noch kein Medikament, das die Schnupfenviren beseitigt», sagt der Arzt für Hals- Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) Abel-Jan Tasman vom Kantonsspital St. Gallen.
Wie aber sollen wir die rund sieben Tage überstehen, in denen die Schleimhaut anschwillt, die Nase läuft und wir nach Luft ringen? Die gute Nachricht ist:
Die lästigen Beschwerden lassen sich lindern:
1. Nasensprays
«Am meisten zu schaffen macht den Patienten die blockierte Nasenatmung», sagt Abel-Jan Tasman. Abhilfe schafft ein Nasenspray, der die Schleimhäute abschwellen lässt. In den Apotheken sind solche Sprays rezeptfrei erhältlich. Sie tragen verschiedene Namen, enthalten aber alle ähnliche Inhaltsstoffe. Sie bewirken, dass sich die Blutgefässe in der Schleimhaut verengen. Dadurch schrumpft diese etwas, und die Nasengänge werden frei. Abschwellende Schnupfenmittel gibt es auch als Saft oder Tabletten zu kaufen. «Sie sind weniger sinnvoll, weil die Wirkstoffe nicht direkt auf der Schleimhaut wirken, sondern einen Umweg über Magen und Darm und die Blutbahn machen müssen», erklärt Abel-Jan Tasman. Er verschreibt seinen schnupfengeplagten Patienten lieber Sprays: «Sie wirken stärker, schneller und sind erst noch besser verträglich.»
Auch der HNO-Arzt David Holzmann vom Universitätsspital Zürich findet solche Sprays sinnvoll, um eine blockierte Nase frei zu bekommen. «Eine behinderte Nasenatmung stört den Schlaf, Sprays leisten hier gute Dienste.» Er empfiehlt, sie erst kurz vor dem Einschlafen anzuwenden. Denn Sprays wirken nur vier bis acht Stunden – die längste Wirkdauer haben Produkte mit dem Inhaltsstoff Xylometazolin. Wichtig sei, dass man den Spray nicht länger als zwei Wochen verwende, sagt David Holzmann. Ansonsten kann es passieren, dass man vom Spray abhängig wird, ausserdem reizen die Mittel auf Dauer die Schleimhaut (siehe Box auf der gegenüberliegenden Seite).
2. Salzwasser-Anwendungen
Eine sanfte Alternative sind Spülungen und Sprays mit Salzwasser. «Sie werden von vielen Patienten sehr geschätzt», sagt HNO-Arzt David Holzmann. «Die beruhigende Wirkung auf die Schleimhäute hält allerdings nur kurz an.» Ob man einen fixfertigen Spray verwendet oder eine Nasendusche benutzt, die man mit einer selbst angerührten Salzlösung befüllt, spielt für den Effekt keine Rolle – die zweite Methode ist aber deutlich günstiger. Um die trockene, gereizte Schleimhaut in der Nase zu befeuchten, gibt es auch spezielle Salben für die Nase, die sich wie ein Schutzfilm auf die wunde Fläche legen.
3. Inhalationen
Viele Leute schwören auf Inhalationen mit Kräutern oder ätherischen Ölen wie Eukalyptus, Salbei, Rosmarin und Thymian. Praktisch sind fertige Inhalationstabletten, die einen Mix aus ätherischen Ölen enthalten und im heissen Wasser aufgelöst werden. «Gegen solche Mittel gibt es nichts einzuwenden. Aber auch hier ist der wohltuende Effekt nur kurzfristig spürbar», sagt David Holzmann. Zum Inhalieren reicht ein gewöhnlicher Topf, man
sollte dabei ein Handtuch über den Kopf legen. Nach zehn Atemzügen im heissen Dampf wird eine kurze Pause gemacht, insgesamt wird fünf bis zehn Minuten inhaliert. Danach ist es ratsam, sich Ruhe zu gönnen und den Körper warm zu halten. Die Prozedur kann alle fünf Stunden wiederholt werden. Achtung: Für Asthmapatienten, Säuglinge und Kleinkinder sind ätherische Öle nicht geeignet.
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