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Schlemmen, Wellness und ein verstaubter Giacometti

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Das Hotel Waldhaus in Flims, ausgezeichnet mit fünf Sternen, bietet zeitlose Eleganz und Luxus. Und sein eigenes Museum mit sieben Ausstellungsräumen ist für Hotelnostalgiker und Kristallfreunde eine wahre Fundgrube.

Dass er einen echten Giacometti finden würde, damit hat Josef Müller ganz sicher nicht gerechnet, als er vor 25 Jahren damit begonnen hatte, sämtlich Hotelestriche, Mitarbeiter- und Mansardenzimmer, Keller und weitere Räume des Hotels Waldhaus zu entrümpeln. «Das dreiteilige Bild lag total verstaubt in irgendeiner Ecke. Es stellte sich heraus, dass es das verschollene ?Flimser Panorama? des weltbekannten Malers Giovanni Giacometti ist», sagt Josef Müller, der damals Hoteldirektor war.


Foto: Gaudenz Danuser

Heute hängt das Gemälde in der Hotellobby und ist für rund 1,7 Millionen Franken versichert. «Dies war mit Abstand der wertvollste Fund, aber ich fand auch eine grosse Menge kulturträchtiger Gegenstände, die viel zu schade sind zum Wegwerfen.» Deshalb hat er 1992 zusammen mit dem Künstler Paul Leber und dem Architekten Rudolf Olgiati sowie weiteren Helfern in wenigen Tagen das Hotelmuseum «Belle Epoque» in den Kellergewölben unterhalb des Pavillons eingerichtet und damit eine Fundgrube für Hotelnostalgiker geschaffen. Vom verspiegelten Schminktisch über den Pastetliausstecher bis zur ledernen Curlingstein-Transporttasche - all die ausgedienten Hotelgegenstände wurden nach Josef Müllers Vorstellungen zu Themen und Installationen arrangiert. Es gibt einen Gästeempfang mit Reisegepäck, das Direktionsbüro mit der Gästebuchhaltung, la grande cuisine und la salle des fêtes, Muligarage und Hausbäckerei, aber auch Skulpturen aus Silberkannen und Thonet-Stühlen sowie eine Nachttopf-Landschaft. «Die mit den Goldrändern standen in den teureren Zimmern, die ohne in den billigeren», erklärt Josef Müller. Feudal wohnten und speisten aber alle Gäste, denn jede Menge Personal kümmerte sich um deren Wohlbefinden.


Foto: Gaudenz Danuser

Auch heute noch bietet das Fünfsternehotel zeitlose Eleganz und Luxus, wie nur wenige andere in der Schweiz. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Parlamentarier während des Umbaus vom Bundeshaus vor drei Jahren das «Waldhaus» für ihre Herbstsession auswählten. Drei Wochen lang residierten sie in den verschnörkelten Belle-Epoque-Gästehäusern, verköstigten sich in einem der vielen Restaurants, wandelten durch den riesigen Park und erholten sich in den modernen Wellness-Anlagen vom Sessionsstress - immerhin haben sie in den drei Wochen 33 geänderte Gesetze zum Finanzausgleich verabschiedet.

Apropos Finanzen: Es ist in der Vergangenheit schon auch mal vorgekommen, dass ein Gast nicht bezahlen konnte. «Unter ihnen auch der eine oder andere Hobby- oder Kunstmaler, der dann seine Rechnung mit Bildern beglichen hat», erzählt Josef Müller. Zu bewundern sind die mehr oder weniger gelungenen Werke in der Dekokammer im Museum. Hier stehen zudem die langen, massiven Holzküchentische von früher, auf welchen einmal pro Monat anlässlich einer kulinarischen Entdeckungsreise der Käsegang des 7-Gang-Menüs serviert wird. Und natürlich fehlen bei diesem «Museums Dinner Event» auch spannende Geschichten und Anekdoten aus der Welt des Grand Hotels nicht - beispielsweise mit welchen Tricks die Köche faulen Kellnern Beine machten.

 

 

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 10/06 der Schweizer Familie publiziert.

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