Laufgitter: Gut oder schlecht für das Baby?

Laufgitter sind umstritten. Doch wenn sie nur kurzfristig und nicht als Strafe eingesetzt werden, schaden sie den Kindern nicht. Und die Eltern haben bei heiklen Aufgaben im Haushalt beide Hände frei.

  • Solange der Kontakt zur Bezugsperson da ist, fühlen sich die Kinder im Laufgitter meistens wohl.

Beim Thema Laufgitter scheiden sich die Geister. Während die einen Eltern die Nase rümpfen und den pädagogischen Nutzen des «Baby-Gefängnisses» in Frage stellen, sagen die anderen, das Laufgitter sei ihr wichtigster Alltagshelfer, seit das Kind krieche. Ich, selbst Mutter zweier kleiner Kinder und zudem stolze Besitzerin eines «Zwergenknasts», glaube, dass die Wahrheit in der Mitte liegt.

Sobald sich ein Baby aus eigener Kraft fortbewegen kann, ist nichts  mehr vor ihm sicher. Krabbelkinder räumen die Blumenerde aus Zimmerpflanzentöpfen, ziehen an herunterbaumelnden Kabeln und nehmen die WC-Bürste in den Mund. Aus entwicklungspsychologischer Sicht hat all das durchaus Sinn: Das kleine Gehirn muss Erfahrungen sammeln, um heranreifen zu können.

Kleine Entdecker
Es wäre unrealistisch zu glauben, die Eltern könnten jederzeit zur Stelle sein, um die jungen Entdecker zu beaufsichtigen. Und wenn in der Küche gerade das Spaghettiwasser überkocht, braucht Mama nicht noch einen Gehilfen, der ihr zwischen den Beinen herumwuselt. An dieser Stelle kommt das Laufgitter ins Spiel. Mit seiner Hilfe kann man den Erkundungs- und Bewegungsraum der Kinder kurzzeitig einschränken. «Es ist aber mit Sicherheit kein Ganztageshort», sagt Arnold Hächler, Kinderarzt aus St. Gallen.

Keine Strafe
Wer sich wundert, dass der Nachwuchs schon nach wenigen Augenblicken in Einzelhaft protestiert, sollte sich bewusst machen, dass nicht das Laufgitter, sondern vielmehr die Trennung von den anderen Familienmitgliedern das Problem ist. Da helfen auch keine Spielzeugberge, die in manchen Laufgittern aufgetürmt sind. «Die Bezugspersonen sollten deswegen dafür sorgen, dass Blickkontakt zwischen ihnen und dem Kind besteht», rät der Experte. Manchmal hilft es bereits, wenn man mit den kleinen «Häftlingen» plaudert, während man das Hemd bügelt, den Putzmittelschrankaufräumt oder den Kuchen aus dem Ofen holt. Ausserdem sollte der Aufenthalt im Laufgitter jeweils zeitlich begrenzt werden.

«Ob das nun zehn oder zwanzig Minuten sind, spielt keine Rolle», sagt Arnold Hächler. Wenn die Erwachsenen die Reaktionen des Kindes genau beobachten und vor allem respektieren, schadet der kurze Einzelarrest nicht. Wirkt das Baby unglücklich und verunsichert, besteht allerdings Handlungsbedarf. Der Entwicklungsfachmann hat noch einen Tipp: «Eltern sind gut beraten, wenn sie ihr Kind nicht zur Strafe ins Laufgitter setzen.»

Ein Laufgitter kann nicht nur die Eltern, sondern auch Geschwister entlasten. Eine persönliche Anekdote sei an dieser Stelle erlaubt: Meine dreijährige Tochter wurde neulich so von ihrer einjährigen Schwester bedrängt, dass sie nur noch einen Ausweg sah. Sie schnappte sich ihr Lieblingsbilderbuch und kletterte kurzerhand ins Babygefängnis. Während die Kleine laut schimpfend von aussen an den Gittern rüttelte, lehnte sich die Grosse im Inneren entspannt zurück und las «Exilliteratur».

Kaufhilfe: Modelle mit einer quadratischen Grundfläche bieten viel Platz, passen aber nicht durch Zimmertüren, während rechteckige Laufgitter mit feststellbaren Rollen von Zimmer zu Zimmer geschoben werden können. Es gibt Ausführungen, bei denen die Spielebene unterschiedlich hoch eingestellt werden kann. So kann das Gitter in der Anfangszeit den Stubenwagen ersetzen. Ein Laufgitter, bei dem sich nebeneinanderliegende Sprossen ausbauen lassen, kann auch über  die Krabbelzeit hinaus verwendet werden: Stäbe raus, ein Tuch als Überwurf – fertig ist die Räuberhöhle.

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