Brigitte Blöchlinger, 47, ist Redaktorin von unipublic.uzh.ch und Autorin des Buchs «Lob des Einzelkindes. Das Ende aller Vorurteile». Krüger Verlag, 25 Fr.
Einzelkinder scheuen sich nicht vor engen Bindungen, sie sind offener als Kinder mit Geschwistern, da sie ihr «Gschpänli» ja nicht frei Haus geliefert bekommen.
Eigentlich seltsam: Jeder kann aus dem Stegreif beschreiben, wie Einzelkinder so seien, selbst wenn er persönlich keines näher kennt. Die Vorurteile sind in den Köpfen der Leute. Sie heissen: altklug, selbstsüchtig und eigenbrötlerisch, überbehütet, können nicht streiten und können nicht teilen. Manche gehen so weit, zu behaupten: Einzelkinder könnten ihr Leben nicht mit anderen teilen und seien unfähig, jemanden wirklich zu lieben.
Manche dieser Vorurteile wirken schon etwas angegraut. Das hat seinen Grund. Die meisten sind mindestens 110 Jahre alt - das erste Mal schriftlich festgehalten und untersucht wurden sie 1898 von zwei amerikanischen Psychologen, G. Stanley Hall und E. W. Bohannon. Die gängigen Vorurteile gegenüber Einzelkindern stammen also aus einer Zeit, als die Norm sieben bis acht Kinder waren (von denen sechs im Durchschnitt überlebten). Damals waren Einzelkinder wirklich etwas Aussergewöhnliches. Und sie wurden in einem Umfeld gross, das überhaupt nicht auf sie eingestellt war: keine Krabbelgruppen, keine Krippen, keine Horte und kaum andere Freunde ohne Geschwister.
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