Die Eltern in die Pflicht nehmen

Verpasste Erziehung kommt die Gesellschaft teuer zu stehen. Familientherapeut Peter Angst schlägt deshalb ein ungewöhnliches Modellvor: Eltern, die Erziehungskurse besuchen, sollen vom Staat finanziell belohnt werden.

Erziehen ist schwieriger geworden. Eltern müssen in einer unruhigen Zeit eine konstante Erziehungswelt schaffen, was ihnen sehr viel abverlangt. Denn Kinder sind heute einer Vielzahl von Konsumreizen, digitalen Scheinwelten und kulturellen Konflikten ausgesetzt. Gleichzeitig wird von den Eltern erwartet, dass sie ihre Kinder optimal für die Arbeitswelt von morgen vorbereiten. Leistungsfähig sollen sie sein, flexibel und kreativ. Das sind sehr hohe Anforderungen! Voraussetzung ist eine umsichtige und kontinuierliche Erziehung über viele Jahre.

In unserem Land sind wir stolz auf eine gute Ausbildung. Aber für die Förderung und Unterstützung einer guten Erziehung tun wir wenig. Ja verantwortungslos wenig. Darum finde ich, dass wir erstens mehr in die Familien investieren müssen. Und zweitens die Eltern mehr in die Pflicht nehmen sollten.

Wie wäre es, wenn wir jene Eltern belohnen würden, die sich in Erziehungsfragen schulen lassen? Die während der wichtigen Entwicklungsjahre ihrer Kinder zusammenbleiben, die ihre eigenen Bedürfnisse für diese Zeit hinter das Kindswohl stellen? Wie wäre es, wenn wir diese elterliche Spitzenleistung entlöhnen würden? Und wie wäre es, wenn wir nachlässige, gleichgültige Eltern zukünftig mehr in die Pflicht nehmen würden? Wenn jene, die sich nicht um die Erziehung kümmern, die ihre Kinder verwahrlosen lassen oder zu lebensuntüchtigen Menschen verwöhnen, später für die Folgeschäden zur Verantwortung ziehen? Schon aus der Erkenntnis heraus, dass wir verpasste Erziehung später nicht nachholen können?

Gegenwärtig leisten wir uns eine gefährliche Erziehungsfreiheit. Alles ist machbar, alles ist möglich: «Schwatzt uns nur nicht drein. Ist doch unsere Sache!» Diese Freiheit wird von vielen Eltern und Jugendlichen missverstanden. Die Eltern dürfen draufloswursteln, und wenn dann egoistische «Monsterchen» heranwachsen, ja dann soll gefälligst der Staat den Scherbenhaufen aufräumen.

Es lohnt sich, wenn junge Eltern ein paar Dinge über die sensible Institution Partnerschaft und Familie lernen, um besser für eine konstante Erziehungszeit vorbereitet zu sein. Partnerschafts- und Eltern-bildungsangebote sind genügend vorhanden. Sie werden aber nur von einer kleinen, elitären Minderheit genutzt.

Wie aber können wir möglichst viele Eltern für die Nutzung dieser Bildungsangebote motivieren? Dazu bräuchte es ein kräftiges Anreizsystem: Es müsste sich für junge Mütter und Väter lohnen, aktiv etwas für ihre Partnerschaft zu tun und sich auf die anspruchsvolle Erziehungsarbeit gewissenhaft vorzubereiten, damit sie später weniger Schiffbruch erleiden.

Auch sollten wir unsere kinderreichen Ausländerfamilien in die Erziehungskultur einbinden. Viele Väter und Mütter aus anderen Kulturen sind hoffnungslos überfordert. Sie versuchen, in der Schweiz wirtschaftlich zu überleben oder möglichst viel Geld für die Rückkehr auf die Seite zu bringen, und vernachlässigen dadurch ihre Kinder sträflich. Es ist aber unabdingbar, dass wir zukünftig auch ihre Kinder gut ausbilden können.

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