Akne: Auf die richtige Behandlung kommts an

Sie ist die häufigste Hautkrankheit. Nicht nur Jugendliche leiden unter Akne. Mit mangelnder Hygiene hat sie nichts zu tun. Aber richtig behandelt, lässt sie sich oft heilen.

Mirjam Kurz war elf Jahre alt, als sich ihre Haut zu verändern begann. Auf der Stirn zeigten sich kleine Erhebungen. Das waren die ersten Mitesser. Mit der Zeit wurden aus den hautfarbenen Punkten rote Pickel. Bald füllten sie sich mit Eiter und wuchsen dicht an dicht zu einer rötlichen Fläche. Bei jeder Berührung empfand
die Schülerin einen stechenden Schmerz. Dazu kam die Unsicherheit: «Es fiel mir schwer, auf Leute zuzugehen.»

Die inzwischen 18-jährige Gymnasiastin leidet an einer schweren Form von Akne. Diese Hautkrankheit ist vor allem unter Jugendlichen verbreitet. «Bei neun von zehn zeigen sich im Verlauf der Pubertät kleine Pickel und Mitesser auf der Nase, der Stirn und am Kinn, manchmal auch am oberen Teil des Rückens und der Brust», sagt Severin Läuchli, Leiter der Aknesprechstunde am Universitätsspital Zürich. Betroffen sind Mädchen und Jungen etwa im gleichen Mass.

Bei drei von zehn Jugendlichen wird die Akne schlimmer: Es entstehen mit Eiter gefüllte Bläschen und Knötchen oder wie bei Mirjam Kurz sogar entzündete Flächen mit grossen Pusteln und schmerzhaften Knoten. Normalerweise heilt das am Ende der Pubertät ab.

Doch ab und zu tritt Akne auch im Erwachsenenalter auf. Wie bei Nicole Simmen. Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter wucherten die Pickel im Gesicht der  33-Jährigen noch heftiger als in ihrer Pubertät. «Es war mir peinlich, ich fühlte mich wie ein Teenager, und es gab Tage, da hätte ich dem Pöstler niemals die Tür geöffnet», sagt sie.

Eine Frage der Hormone und der Gene
Die Journalistin kaufte sich medizinische Waschlotionen, Salben und Hautcrèmes. Doch egal, wie viel Mühe sie sich beim Abschminken, Pflegen und Reinigen der Haut gab, die Pickel wollten nicht weichen.

Mangelnde Hygiene ist nicht die Ursache für Mitesser und Pickel. «Auch wenn die Werbung gern den Begriff ‹Hautunreinheiten› gebraucht, hat Akne nichts damit zu tun, dass jemand seine Haut zu wenig pflegt», sagt Dermatologe Severin Läuchli. Auch die weit verbreitete Meinung, zu viel Schokolade und Chips seien für die Pickel verantwortlich, konnten die Wissenschaftler bislang nicht bestätigen. «Man hat noch kein Nahrungsmittel gefunden, das Akne verschlimmert», sagt der Hautarzt.

Einen Zusammenhang mit der Ernährung scheint es dennoch zu geben. Das zeigt das Beispiel der Eskimos. In ihrer Heimat essen sie vor allem eiweissreiche Mahlzeiten mit viel Fisch und Fleisch. Hier findet man kaum jemanden mit Pickeln. Wandern die Eskimos aber nach Amerika aus, wo eine fett- und kohlenhydratreiche Ernährung vorherrscht, kommt häufig die Akne.

Unsere westliche Ernährung scheint einen negativen Einfluss auf die Haut zu haben. «Doch darf man daraus nicht schliessen, dass sich Akne durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung vermeiden lässt», sagt Hautarzt Läuchli. «Schuld an der Hautkrankheit sind vor allem die Hormone und die Gene.» Litt schon der Vater oder die Mutter an Akne, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass auch bei den Kindern Pickel spriessen. Das liegt daran, dass der Körper zu viele Hornzellen bildet. Diese sind für die Erneuerung der Haut nötig. Ist die Verhornung aber gestört, verstopfen sie in den einzelnen Poren die Ausgänge für den fettigen Talg. (siehe Grafik). Zu sehen sind dann kleine weisse Knötchen oder dunkle Pfropfen.


Hilfe des Hautarztes

Ein weiterer Störfaktor sind die Sexualhormone Androgene. Sie kurbeln die Talgproduktion zusätzlich an. Ist der Hormonspiegel etwa in der Pubertät oder in der Zeit der Menstruation nicht im Gleichgewicht, produzieren die Drüsen zu viel Talg. Sind wegen der übermässigen Verhornung die Poren verstopft, kommt es zu einem Rückstau des fettigen Talgs – ein gefundenes Fressen für Bakterien. Sie vermehren sich und verursachen Entzündungen. Die Haut wird rot und beginnt zu schmerzen.

Nach der Pubertät war die Journalistin Nicole Simmen lange von Pickeln verschont geblieben. Antibabypille und Schwangerschaften hatten ihren Hormonhaushalt
im Gleichgewicht gehalten. Als die Akne sie wieder zu plagen begann, ging die 33-Jährige zur Hautärztin. Bei Jugendlichen genügt dem Dermatologen normalerweise ein Blick auf die Haut. Ist die Patientin aber bereits erwachsen, untersucht der Arzt oft auch Blut- und Hormonwerte.

«Auf diese Weise schliessen wir andere Krankheiten aus», sagt Severin Läuchli. Gegen die Pickel kann man etwas tun. Bei einer leichten bis mittelschweren Akne verschreibt der Arzt meist spezielle Crèmes, Gels und Lotionen zur äusseren Anwendung. Vitamin-A-Säure-Präparate, sogenannte Retinoide, sorgen dafür, dass sich die Haut abschuppt. So kann man der übermässigen Verhornung entgegenwirken und verhindern, dass die Poren weiterhin verstopft sind. Dazu verschreibt der Hautarzt meist ein Mittel, das gegen Bakterien und die Entzündung hilft.

All das hat die 18-jährige Mirjam Kurz ausprobiert. Genützt hat es wenig. Das kann vorkommen. «Ist die Akne hartnäckig oder schon zu Beginn besonders stark,  empfehlen wir eine Therapie mit Tabletten», sagt Hautarzt Severin Läuchli. Bei Frauen kann eine Antibabypille helfen, welche die männlichen Hormone und damit die Talgproduktion hemmt. Manchmal wirken auch bestimmte Antibiotika.

Die grösste Chance auf Besserung verspricht der Wirkstoff Isotretinoin. Er hilft sowohl gegen die Verhornungsstörung als auch gegen die übermässige Talgproduktion
und die Entzündungen. Isotretinoin steckt im Aknemedikament Roaccutan. Bei neun von zehn Patienten verschwindet damit die Akne. Doch das Schlucken von Roaccutan ist nicht unbedenklich. Das wusste auch Nicole Simmen. Auf der Suche nach einem passenden Mittel las die Journalistin viele Berichte über das Aknemittel. Roaccutan war vor allem in den USA immer wieder in die Schlagzeilen geraten, weil es Depressionen und sogar Suizidgedanken hervorrufen soll.

Roaccutan hilft
Darum verschreibt Hautarzt Läuchli das Aknemittel nur den Patienten, die keine Neigung zu Depressionen haben. «Die negative Wirkung auf die Psyche konnte zwar in den meisten Studien nicht bestätigt werden, trotzdem sollte Roaccutan nicht leichtfertig verschrieben werden», sagt der Dermatologe. Wenn der Hautarzt die  Patienten aber gut informiere und die Therapie sorgfältig überwache, sei nichts gegen das Medikament einzuwenden. «Dann überwiegt vermutlich sogar die positive Stimmung, weil es der Haut besser geht.»

Nicole Simmen und Mirjam Kurz haben sich vor gut zwei Monaten für eine Therapie mit Roaccutan entschieden. Bei beiden Frauen stellten die Ärzte sicher, dass sie nicht schwanger sind und dass sie zuverlässig verhüten, denn das Medikament könnte dem Fötus schaden. Wenige Tage nach Therapiebeginn zeigte sich bei ihnen eine wenn auch unangenehme so doch normale Reaktion: Die Haut im Gesicht wurde sehr trocken und begann zu schuppen. Auf diese Weise werden die Poren wieder frei, und der Talg entweicht. «Ein bisschen Crème kann gegen das unangenehme Trockengefühl helfen», sagt Severin Läuchli.

Die Therapie dauert noch weitere drei bis vier Monate. Doch die beiden Frauen sind schon jetzt mehr als zufrieden. Bei Mirjam Kurz sind die Pickel nämlich deutlich zurückgegangen und bei Nicole Simmen sogar ganz verschwunden. Auch depressive Gefühle haben sich bislang bei keiner von beiden eingeschlichen. Deshalb sagt Mirjam Kurz: «Ich hätte meine Akne schon viel früher richtig behandeln sollen.»

Was tun bei Pickeln – nicht selber ausdrücken
Wer einmal einen Pickel im Gesicht hat, wird seine Haut besonders intensiv säubern und pflegen wollen. Doch das Reinigen hat auf das Entstehen von Pickeln wenig Einfluss. Der Talg, der tief in den Poren sitzt und für die Akne verantwortlich ist, lässt sich äusserlich nicht entfernen.

Trotzdem gibt es beim Reinigen und Pflegen einige Regeln zu beachten:

  • Zu aggressive Pflegeprodukte und zu häufiges Reinigen können dazu führen, dass die Haut austrocknet und zusätzlich gereizt wird. Es genügt, die Haut einmal täglich mit einer synthetischen Seife aus der Apotheke zu reinigen.
  • Zu fettige und pudrige Produkte verstopfen die Poren zusätzlich. In Apotheken und Drogerien gibt es Pflegeprodukte und Kosmetika, die speziell für Aknepatienten entwickelt wurden.
  • Auch wenn man es sich kaum verkneifen kann: Ärzte empfehlen, Mitesser niemals selber auszudrücken. Das kann zu Infektionen führen und die Akne verschlimmern.
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