Wie junge Pferdenärrinnen den richtigen Reitstall finden

Viele Mädchen begeistern sich für Pferde. Beim Reiten, Pflegen und Hegen ihrer Lieblinge lernen sie viel fürs Leben. Wir zeigen, auf was es bei der Wahl des Reitstalls ankommt.

  • Sarah Presslauer, 12, mit Falcon. «Ich habe alle Tiere gern, aber Pferde sind für mich etwas ganz Besonderes.
  • Luana Nyirö, 19, mit Colino. «Mit der Zeit hat sich meine Faszination für diese Tiere verändert.»
  • Merlin geniesst es offensichtlich, von den Mädchen verwöhnt zu werden.
  • Eine Gruppe von Reitschülerinnen begibt sich zum Unterricht ins Viereck.
  • Beatrice Burkart, 16, mit Moustache. «Natürlich habe ich den Traum vom eigenen Pferd.»
  • Moustache trabt mit Beatrice über Stangen, das schult das Gleichgewicht von Pferd und Reiter.
  • Patrick Rüegg ist Präsident der Organisation der Arbeitswelt Pferdeberufe OdA.

Reiten macht einfach Spass.» Die Augen von Julia Schaufelberger, 11, funkeln. Soeben hat sie Elise, die grosse, schwere Stute, durchs Viereck pilotiert, und zwar in allen drei Gangarten - Schritt, Trab, Galopp, linksherum und rechtsherum. Jeden Mittwochnachmittag verbringt Julia im Reitzentrum Letzi in Zug. Und nun diese seltsame
Frage. Warum sie gerne reitet? «Weil es Spass macht und cool ist.» So einfach ist das.

Wirklich? Immerhin ist die Begeisterung von Mädchen für Pferde ein jahrzehntealtes Phänomen. Schon in den 1970er-Jahren schwärmten Mädchen für Pferde, verbrachten jede freie Minute in einem Stall, bürsteten Mähnen und misteten Boxen, sahen sich im Fernsehen die Serie «Die Follyfoot-Farm» an oder lasen Bücher wie «Die Pferde vom Gröllhof». Die Titel der Bücher und Serien mögen geändert haben, das Phänomen aber bleibt: Im Alter zwischen 8 und 16 Jahren verwandeln sich Zigtausende von Mädchen in Pferdenärrinnen. Das hat Folgen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Bestand der Pferde drastisch zurück. Sie hatten als fleissige Helfer in Landwirtschaft und Armee ausgedient, Traktoren übernahmen ihre Arbeit. Seit einigen Jahren jedoch steigt ihre Zahl wieder an. Heute leben rund 90 000 Pferde in der Schweiz – die meisten von ihnen sind Sport- und Freizeitpferde. Der grösste Teil wird von Mädchen und Frauen gepflegt und geritten. Denn Buben sind in Pferdeställen fast so rar wie Fische in der Wüste. «Ich habe gegen hundert Reitschüler», sagt Gaby Bösch, die das Reitzentrum Letzi in Zug betreibt. «Darunter hat es nur zwei Buben und fünf Männer.» Die Mädchen kommen nicht nur in den Stall, um zu reiten. «Das Pflegen und Putzen gehört für mich dazu», sagt Bianca Sperduto. Die Elfjährige reitet seit einem Jahr. Und seither ist der Mittwoch ihr Glückstag: «Schon am Morgen, wenn ich aufwache, freue ich mich darauf, in den Stall zu gehen.»


Früher waren Pferde Männersache

Einer, der sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt hat, warum Mädchen Pferde lieben, ist der deutsche Psychologe Harald Euler. Er glaubt, dass Mädchen das Pferd als Partner erleben, der Sicherheit, Geborgenheit und Trost vermittelt. Das Pferd sei das letzte Kuscheltier vor dem Erwachsenwerden, ein Übergangsobjekt,
das hilft, sich von der Herkunftsfamilie zu lösen und aufzubrechen, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.

Dabei war das Pferd stets Männersache. Auf dem Rücken von Pferden haben Könige und Fürsten die Welt erobert. Allerdings, das behaupten die beiden Autorinnen
des Buches «Von Frauen und Pferden», waren es die Frauen, die vor über 7000 Jahren die Pferde zähmten. Für diese Theorie sprechen die Höhlenmalereien in Frankreich, die häufig Frauen und Pferde zeigen, aber auch die Mythen der alten Griechen: Fast jede griechische Göttin besass ein Pferd – oder war gar selber eines.
Vor allem aber vermitteln Pferde ein Gefühl, das im heutigen Alltag zwischen Computer und Kühlschrank immer mehr verloren geht: Im Zusammensein mit Pferden fühlen sich Mädchen – und Frauen – tief mit der Natur verbunden. Gleichzeitig machen Pferde stark. Physisch und psychisch: Wer reitet, braucht Bauch- und Rückenmuskeln, also genau jene, die wichtig sind, um aufrecht durchs Leben zu gehen.

Pferde vermitteln Selbstvertrauen. Denn Reiten hat stets auch etwas Abenteuerliches an sich. Wer es wagt, sich auf ein 1,60 Meter grosses Geschöpf zu setzen, und sich zutraut, dieses zu lenken, muss mutig sein. «Das Reiten gibt meiner Tochter Sarah Kraft und Energie», ist beispielsweise Doris Presslauer überzeugt. «Durch das Reiten wurde sie selbstständiger und selbstbewusster.» Deshalb unterstützt sie die Zwölfjährige und fährt sie bei miesem Wetter auch mal zum Stall.

Als Sarah alt genug war, Reitstunden zu nehmen, tat Doris Presslauer, was wohl viele Mütter tun: Sie suchte nach Reitbetrieben in der Nähe ihres Wohnortes. «Mir war wichtig, dass Sarah den Stall mit dem Velo erreichen kann, dass es eine Halle hat, damit sie auch im Winter reiten kann, und dass die Reitstunden bezahlbar sind.» Immer mal wieder nimmt sie sich die Zeit, einer Reitstunde ihrer Tochter zuzuschauen. Und geht jeweils mit einem guten Gefühl nach Hause: «Gaby Bösch hat eine sehr positive Art, auf die Kinder einzugehen. Sie motiviert sie, über sich selber hinauszuwachsen.»

Eine gut geführte Reitschule zu finden ist gar nicht so einfach. In der Schweiz gibt es kein Qualitätslabel für Reitbetriebe. Ebenso darf jeder, der will, Reitunterricht geben. Um sicher zu sein, dass die Tochter in der Reitschule gut aufgehoben ist, bleibt nur eins: hingehen und selber Stallluft schnuppern. Gaby Bösch begrüsst es, wenn Eltern öfters zu Besuch kommen. «So sehen sie, wie der Betrieb geführt wird, und können erleben, welcher Umgangston im Stall herrscht – nicht nur mit den Schülerinnen und Schülern, sondern auch mit den Pferden.»

Pferde. Doch wer will schon sein Glück auf dem Rücken einer Kreatur suchen, die selber kreuzunglücklich ist? Pferde können eine Fliege auf der Haut spüren. Ein Schulpferd, das gut ausgebildet ist und Freude an der Arbeit mit Menschen dass ihre vierbeinigen Mitarbeiter immer wieder Neues erleben, reitet mit ihnen regelmässig
aus und führt sie auch an den nahen See. «Viele Pferde lieben es zu schwimmen.» Denn: Ausgeglichene Pferde sind gelassene Pferde – und ergreifen nicht, wie es eigentlich in ihrer Natur liegt, bei jedem Schreck gleich die Flucht.

Knapp die Hälfte der Mädchen, schätzt Gaby Bösch, gibt das Reiten wieder auf. Manchmal aus Zeitmangel, weil die Schule oder die Lehre ihren Tribut fordert. Oft, weil der erste Freund in ihrem Leben aufgetaucht ist. Ob das Reiten ein Teenagerhobby war oder zur Leidenschaft wird – in einem sind sich alle Pferdeliebhaber einig: Das Zusammensein mit Pferden ist eine einzigartige Lehre fürs Leben.hat, muss man nicht knuffen und treten, damit es vorwärtsläuft. Gaby Bösch weiss, was ihre sieben Schulpferde leisten. «Ich versuche, Abwechslung in ihre Arbeit und ihren Alltag zu bringen», erzählt sie. Wer arbeitet, muss auch entspannen.

«Pferde sind Herdentiere», sagt Gaby Bösch. «Sie brauchen Kontakt mit Artgenossen und regelmässigen Weidegang. Für sie ist es ebenso wichtig, den Kopf auszulüften, wie für uns.» Zugleich sorgt die junge Pferdefachfrau dafür, dass ihre vierbeinigen Mitarbeiter immer wieder Neues erleben, reitet mit ihnen regelmässig
aus und führt sie auch an den nahen See. «Viele Pferde lieben es zu schwimmen.» Denn: Ausgeglichene Pferde sind gelassene Pferde – und ergreifen nicht, wie es eigentlich in ihrer Natur liegt, bei jedem Schreck gleich die Flucht.

Knapp die Hälfte der Mädchen, schätzt Gaby Bösch, gibt das Reiten wieder auf. Manchmal aus Zeitmangel, weil die Schule oder die Lehre ihren Tribut fordert. Oft, weil der erste Freund in ihrem Leben aufgetaucht ist. Ob das Reiten ein Teenagerhobby war oder zur Leidenschaft wird – in einem sind sich alle Pferdeliebhaber einig: Das Zusammensein mit Pferden ist eine einzigartige Lehre fürs Leben.


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I rite au im Reitstall Jud,

I rite au im Reitstall Jud, de Amaretto esh mis Lieblingsross (Pony)

Ich reite im Reitzentrum

Ich reite im Reitzentrum Letzi und seitdem ich dort reite ich noch mehr fasziniert von Pferden. Sie sind so lieb und strahlen so viel stolz aus.

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