Kinder.Jugendliche@facebook.com - Das Interview zu den sozialen Netzwerken

Facebook – das kennt heute jedes Kind. Was ist mit Blogs und Foren? Wir haben mit Silvie Spiess, Dozentin für Medienbildung der Pädagogischen Hochschule Zürich, über die sozialen Netzwerke gesprochen.

Schweizer Familie:Laut der James-Studie, die von Forschern der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der Uni Genf und der Uni der italienischen Schweiz durchgeführt wurde, surfen Schweizer Mädchen und Jungs zwischen 12 und 19 Jahren zwei Stunden im Internet und sind auf Facebook registriert. Finden Sie das beunruhigend?
Silvie Spiess: Nein, ich finde es per se nicht beunruhigend. Es kommt natürlich darauf an, was die Jugendlichen im Netz machen. Neben den Aktivitäten in sozialen Netzwerken wie Facebook und dem Anschauen von Videos auf YouTube sind sie zum Teil auch für schulische Zwecke im Internet. Sie erhalten von ihren Lehrpersonen Aufgaben, für die den Computer benötigen, oder sie recherchieren im Netz. Es ist aber vor allem wichtig, was die Kinder und Jugendlichen neben ihrer Aktivitiät im Netz sonst noch machen. Wenn sie nebenher auch Sport treiben oder ein Instrument spielen und ein intaktes soziales Umfeld haben, dann ist das nicht beunruhigend. Gemäss der James-Studie ist die Beschäftigung mit dem Computer die erste Wahl, wenn die Jugendlichen allein sind. Sind sie mit Freunden zusammen, gehen sie am liebsten in den Ausgang, plaudern, shoppen, treffen sich. Grundsätzlich steht bei den neuen Medien die Kommunikation im Zentrum: das Handy zum Telefonieren und zum Smslen und der Computer zum Pflegen der sozialen Kontakte in Facebook und anderen sozialen Netzwerken. Dort chatten sie, senden sich Mails, schauen Fotos an ... Es geht hauptsächlich um den Austausch von Gefühlen und Informationen mit Freundinnen und Freunden.
Als Primarlehrerin führen Sie Kinder in Medien-Ateliers an die Medien heran. Was beobachten Sie?
Ich beobachte, dass die Kinder mit extrem viel Freude, Interesse und Begeisterung an die Sache herangehen. Sie sind neugierig und lernen sehr schnell. Ich lasse sie möglichst alles selber machen: Sie nehmen nach einer kurzen Einführung selber Töne auf, übertragen die Fotos von der Digitalkamera auf den Computer, kreieren kleine Trickfilme ... Es gibt auch technische Arbeiten, die etwas komplexer sind und mehr Vorwissen erfordern. Dies kommuniziere ich den Kindern und führe diese Schritte selber aus. Dabei kommentiere ich alles, was ich gerade mache, und lasse die Kinder dabei zuschauen und nachfragen. Das nächste oder übernächste Mal, wenn dieser Arbeitsschritt ansteht, können ihn einige Kinder schon selber übernehmen. Sie bewegen sich relativ selbstsicher, ohne Angst, Fehler zu machen.

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