Nicht nur jung geblieben und schön − auch noch fruchtbar! Diese Dreifaltigkeit leben Hollywood-Diven und Popstars schon länger vor: der Natur ein Schnippchen schlagen und mit über vierzig gebären. Auch in Europa finden sich prominente Beispiele, sei es die Rocksängerin Gianna Nannini oder kürzlich die Schweizer Komikerin Nadeschkin – sie alle zählen zu den sogenannt «Spätgebärenden».
Diese Einzelfälle bestätigen den Trend: War vor dreissig Jahren in der Schweiz nur jede zehnte Frau über 35 schwanger, ist es heute schon jede Dritte. Und ab 35 – so die medizinischen Lehrbücher – beginnt die Risikoschwangerschaft. Hält man sich an die Statistiken, dann ist die Liste der erhöhten Risiken tatsächlich lang: mehr Chromosendefekte und Fehlgeburten, mehr Schwangerschaftsdiabetes und Schwangerschaftsvergiftungen, mehr Mehrlinge und Kaiserschnitte. Kein Wunder, sind viele Ärzte und Ärztinnen wenig begeistert von diesem Trend. Anders als die Spermien beim Mann sind die Eizellen, die in den Eierstöcken heranreifen, so alt wie die Frau selbst. Das heisst, sie altern mit, die Reparaturprozesse in den Zellen lassen nach. Somit steigt die Gefahr von genetischen Defekten wie etwa Trisomie 21 im Alter an. Meistens führen solche Chromosomendefekt zu Fehlgeburten.
Das erlebte auch die heute 47-jährige Sandra C. Zwei Fehlgeburten hatte sie kurz hintereinander erlitten, bevor sie mit 45 Jahren doch noch schwanger wurde – und zwar auf natürlichem Wege. «Als es unerwartet doch klappte, hoffte ich natürlich, dass alles gut kommt», erzählt die heute glückliche Mutter.
Trotz aller Statistik ist der Verlauf einer Schwangerschaft individuell: «Ob die Schwangerschaft risikoreich ist oder nicht, hängt von der Frau ab. Ich sehe 40-Jährige, die fitter sind als 25-Jährige», erklärt die Basler Gynäkologin Sarah Züst.
Kaiserschnitt oder nicht?
Ein Dauerthema bei Frauen über 35 sind häufig hoher Blutdruck oder Diabetes, alles Alterserscheinungen, die sich auf die Versorgung des heranwachsenden
Kindes negativ auswirken können. Oft stehen engmaschige Ultraschalls, Blut- und Urintests, die Hinweise auf Diabetes oder gar eine Schwangerschaftsvergiftung geben, für ältere Schwangere an der Tagesordnung.
Bei Sandra C. verlief die Schwangerschaft ohne grössere Probleme. Auch die begleitende homöopathische Behandlung während der neun Monate empfand
sie als hilfreich. «Erst gegen Ende war ich dann aber doch etwas erschöpft», erinnert sie sich. Steht die Geburt an, stellt sich die Frage – natürlich oder Kaiserschnitt?
Medizinisch gesehen, gibt es zwar keine Notwendigkeit ab 35 Jahren auf eine natürliche Geburt verzichten. Es sei denn, es handelt sich um eine Mehrlingsschwangerschaft oder die Frau hat eine Schwangerschaftsvergiftung. Dennoch ist die Kaiserschnittsrate bei Schwangerschaften über 35 gut eineinhalbmal höher. «Es ist ja in der Regel auch die letzte Schwangerschaft, deshalb wollen die Frau oder der Arzt nichts dem Zufall überlassen», sagt die Gynäkologin Züst. Natürlich gebären, das war der erklärte Wunsch von Sandra C. Trotz anfänglicher Skepsis erklärte sich ihre Frauenärztin damit einverstanden. Als es am errechneten Geburtstermin so aussah, als ob die Niederkunft noch Wochen weit weg wäre, entschieden sie sich dann aber beide für einen Kaiserschnitt.
Eine Woche nach Geburtstermin kam Sandras Sohn auf die Welt. «Alles verlief gut, ausser dass Zeno durch das Übertragen grösser war als erwartet.»
Heute ist Sandra C. Mutter aus vollem Herzen – dieser Umstand kennt kein Verfallsdatum.
Infobox
Im Alter gebären
Die Zahl der Spätgebärenden – vierzig Jahre und älter – hat in der Schweiz zugenommen. Waren es am 1995 noch 1500 Gebärende über 40 Jahren, sind es 2009 bereits 4500 Frauen. Bei den 45-Jährigen hat sich die Zahl sogar verfünffacht. Da die Fruchtbarkeit altersbedingt sinkt, greifen viele Paare zur künstlichen Befruchtung. Ab 43 macht eine künstliche Befruchtung nur Sinn mit einer jungen Eizelle. Dafür gibt es die Möglichkeit einer Eizellenspende. Diese Praxis ist in der Schweiz jedoch verboten. Viele Schweizerinnen reisen dafür ins Ausland.
Mehr zum Thema
«Spätgebärende Mütter» ist das Hauptthema der nächsten «Puls»-Sendung vom Montag, 21. März, 21.05 Uhr auf SF 1.

































