Sechs Jahre. Sechzigtausend Franken. So viel investierten Yvonne und Roger Tönz, um ein Kind zu bekommen. Doch wie viel Energie und wie viele Tränen es sie kostete, lässt sich nicht in Zahlen bemessen. Genauso wenig wie das Glück, das sie empfanden, als ihr Sohn Diego vor 16 Monaten auf die Welt kam.
Diego ist ein friedlicher Bub mit blauen Kulleraugen. Er zahnt. Die Stube in seinem Daheim - ein Reihenhaus in Malans GR - durchquert er nicht krabbelnd, sondern auf dem Hintern rutschend. Der Kinderarzt sagte, dieses Verhalten sei erblich. In den meisten Fällen seien schon der Vater oder die Mutter als Kleinkinder auf dem Hintern gerutscht. Yvonne Tönz, 33, krabbelte als Baby. Sie geht davon aus, dass Diego seine Fortbewegungsweise vom Vater geerbt hat. Nicht von Papa Roger Tönz. Er hat es von seinem biologischen Vater, einem Samenspender.
Diego ist ein Kind von der Samenbank. Sein Vater Roger Tönz, 35, leidet an einem angeborenen Defekt - seine Hoden produzieren keine Spermien. Yvonne Tönz hingegen kann auf natürlichem Weg schwanger werden. Deshalb entschieden sich die beiden für eine Spenderinsemination. «Dabei werden die Spermien eines Spenders mit einem Katheter in die Gebärmutter der Ehefrau eingeführt», sagt der Fortpflanzungsmediziner Peter Fehr. Er leitet das Zentrum für Reproduktionsmedizin in Schaffhausen und behandelte auch das Ehepaar Tönz. In seiner Klinik befindet sich die grösste Samenbank der Schweiz. Neben Samenspenden bietet er auch andere Behandlungen für kinderlose Paare an, doch «wenn der Mann keine Spermien produziert oder an einer schweren genetischen Krankheit leidet, ist die Samenspende die einfachste Lösung». Pro Jahr werden in der Schweiz denn auch über tausend Spenderinseminationen durchgeführt.
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