Reisedatum
11. – 19. Juli 2014
Preis pro Person
2-Bett-Kabine Hauptdeck 4980 Fr.
Reduktion 2-Bett-Kabine Hauptdeck, hintere Kabinen 50 Fr.
Zuschlag 2-Bett-Kabine Oberdeck 200 Fr.
Zuschlag 2-Bett-Kabine zur Alleinbenützung auf Anfrage
Teilnehmerzahl
100 bis 120 Personen
Inbegriffen
- Linienflug in der Economy-Klasse inkl. Flughafentaxen (Stand Januar 2013) Schweiz–Porto
- Kreuzfahrt in der gebuchten Kategorie inkl. Vollpension und Getränke
- 1 Übernachtung in einem Erstklasshotel in Porto mit Frühstück
- Abendessen in Porto am Ankunftstag
- Alle Transfers und Ausflüge
- Begleitung durch unsere Experten Alexander Gschwind, Röbi Koller und Daniel Dunkel
- Lokale Reiseleiter
- Schleusen-und Hafengebühren
Nicht inbegriffen
- Alle nicht erwähnten Mahlzeiten, Getränke
- Versicherungen
- Trinkgelder
- Persönliche Auslagen
Bedingungen
Die Teilnehmer schliessen ihren Vertrag direkt mit Background Tours, Bern, und allenfalls vor Ort zusätzlich selbständig mit weiteren Veranstaltern ab. Es gelten die Vertrags-und Reisebedingungen von Background Tours, einer Marke der Globetrotter Tours AG.
Schifffahrt durch Portugals Seele
Text: Christoph Zurfluh
Das Douro-Tal birgt die Heimat des Portweins. Wer die ganze Pracht zwischen Rebbergen und verträumten Dörfern mit allen Sinnen erleben will, komme mit an Bord des Hotelschiffs Douro Cruiser.
Diese tiefe purpurrote Farbe! Und wie mir das Bouquet intensiv fruchtig die Nase umschmeichelt! Ich gebe dem vielversprechenden Tropfen ein wenig Zeit, sich zu entfalten, bevor ich ihn genüsslich die Kehle runterrieseln lasse, und geniesse die würzigen Aromen, die sich herrlich mit der dezenten Vanillenote vermählen.
Die Seele Portugals stecke da drin, behauptete ein guter Freund, der mir die Flasche vor meiner Abreise ins Douro-Tal schenkte. Was für eine gute Idee. Und was für eine gute Seele! Schon beim zweiten Schluck fühle ich förmlich die Wärme des Schieferbodens, den die Sonne tagsüber aufheizt, damit er den Reben am Douro auch in kühlen Nächten angenehme Temperaturen beschert.
Alles im Fluss
Vor meinem inneren Auge schlängelt sich der Fluss bereits träge zwischen steilen Hängen dahin. In seinem Wasser spiegeln sich die terrassierten Weinberge und die malerischen Dörfer des Unesco-Welterbes. Und das Weingut Quinta de la Rosa, das mich mit seinem herrlichen Reserva bereits ins Douro-Tal verführt, bevor ich überhaupt die Koffer gepackt habe.
«Du lächelst so selig. Freust du dich auf Portugal?», fragt meine Frau Christine und prostet mir augenzwinkernd zu. «Ich bin schon da», sage ich.
«Senhor, haben Sie schon gewählt?» António Lopes, mein Kellner auf dem Hotelschiff Douro Cruiser, schaut mich auffordernd an. «Den Wein, meine ich.» Ich schüttle den Kopf.
Richtig: der Wein. Ich nehme mir die Karte erneut vor und merke, dass ich ganz unbewusst nach einem Wein aus dem Hause Quinta de la Rosa Ausschau halte. Doch wozu eigentlich? Will ich die Seele Portugals erleben, brauche ich jetzt keinen Quinta de la Rosa mehr zu trinken. Ich brauche mich nur umzusehen. Denn vor zwei Tagen habe ich zusammen mit knapp 130 weiteren Passagieren in Vila Nova de Gaia bei Porto auf dem «Douro Cruiser» eingecheckt.
Seither ist alles im Fluss. Das 78 Meter lange, komfortable Hotelschiff pflügt sich mit seinen zweimal 800 PS stoisch stampfend flussaufwärts. Am Ruder Kapitän Tomás Maia, der ungefähr so gesprächig ist wie die Karpfen, die unter seiner Barke durchziehen. Aber schliesslich ist er auch nicht als Unterhalter an Bord; dafür ist Pianist Arsénio Tavares zuständig. Kapitän Maia ist nur dafür verantwortlich, dass seine Passagiere sicher nach Barca d’Alva an der spanischen Grenze kommen. Und wieder zurück.
Durch und durch Reserva
Zweimal 200 Kilometer in sieben Tagen, fünf Schleusen bis 34 Meter Höhe inklusive. Sie sorgen für ein wenig Spektakel auf der ansonsten eher meditativen Reise. Ebenso wie die Brücken, die oft so niedrig sind, dass die Matrosen Fahnenmast und Radar einholen und die Passagiere auf dem Sonnendeck zum Absitzen auffordern müssen. Das sorgt dann rundherum für Heiterkeit. Auch auf den Brücken selber, wo Schaulustige die wenigen Kreuzfahrtschiffe durchwinken und ihnen verträumt nachschauen, bis sie hinter der nächsten Flussbiegung verschwunden sind. «Boa viagem!», rufen sie hinterher. «Gute Reise!»
«Gute Wahl!», höre ich derweil und merke, dass ich mit meinem Finger auf einen Roten unter der Rubrik «Special Reserve» zeige. António Lopes lächelt zufrieden und notiert Quinta de Ventozelo auf seinen kleinen blauen Bestellblock und eine Zahl, die einem «Reserva» alle Ehre erweist. «Und die Quinta de Ventozelo», frage ich zur Sicherheit, «die liegt auch hier im Douro-Tal?» António Lopes schaut mich gespielt empört an: «Aber natürlich. Ich würde Ihnen doch keinen spanischen Wein empfehlen …»
Um Himmels willen, nein! Das wäre ja fast, als ob man als Einwohner von Porto Fan des Fussballklubs Benfica Lissabon wäre. Als ob man den typischen schwermütigen Fado mit dem feurigen spanischen Flamenco gleichsetzen würde. Oder noch schlimmer: einen wunderbar in die Jahre gekommenen «Vintage Port» (Jahrgangs-Portwein) achtlos mit dem Korkenzieher öffnen würde – den köpft man, im wahrsten Sinn des Wortes, auf dass kein Krümelchen des alten Zapfens reinfalle. Danach dekantiert man ihn vorsichtig. Dafür trinkt man ihn umso schneller: Länger als 48 Stunden sollte der Jahrgangs-Portwein nicht rumstehen. Diesbezüglich besteht bei echten Portwein-Liebhabern, die auch bereit sind, ein paar hundert Franken für eine Flasche liegen zu lassen, allerdings kaum Anlass zur Sorge.
Sicher ist: Auch in Sachen Portwein versteht man im Douro-Tal, das sich in diesem Moment grad in den zauberhaftesten Abendrottönen vor den Panoramafenstern des Schiffes in Szene setzt, keinen Spass. Hier kommt er nämlich her. Und nur von hier. Wo Portwein draufsteht, steckt Douro drin. Alles andere ist zum Beispiel Sherry aus Spanien oder Madeira von der portugiesischen Insel.
Auf den Spuren der Sandemans & Co.
Allerdings waren es die trinkfreudigen Engländer, die dem Portwein zu Weltformat verhalfen. In schierer Not – aufgrund von Zollstreitigkeiten mit der französischen Krone – sicherten sie sich Ende des 17. Jahrhunderts die süssen, schweren Gewächse aus dem Douro-Tal, bauten die nötige Infrastruktur auf und kontrollierten den Portwein-Handel, der über die Hafenstadt Vila Nova de Gaia bei Porto lief. Bis heute heissen die grossen Marken denn auch Sandeman, Taylor’s, Graham’s oder Offley. Kontrolliert werden sie mittlerweile aber meist von einheimischen Gesellschaften wie Sogrape Vinhos, dem grössten Weinproduzenten des Landes, dessen erstes Massenprodukt die auch bei uns bekannten Mateus-Roséweine in der bauchigen Flasche waren.
«Wie hat Ihnen Mateus gefallen?», unterbricht António Lopes meine kleine Gedankenreise durch die Welt des Portweins. Dieser Mann ist ein Medium, denke ich, auch wenn die Frage naheliegt: Der Besuch von Mateus stand auf dem Nachmittagsprogramm der «Douro Cruiser». «Ich war schon mal da», sage ich. «Vor Jahren. Aber es hat mir auch beim zweiten Mal gefallen. Vor allem die Skulptur der Badenixe im Schlossteich.»
Tatsächlich ist Mateus – das übrigens nur insofern etwas mit dem Massenwein zu tun hat, als der Palast seine Etikette ziert – eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Nordportugals. Der Ausflug zum prunkvollen Herrenhaus mit seinem verspielten Park ist ein fakultativer Programmteil der einwöchigen Schiffsreise, auf der man weit mehr sieht als das Ufer des Douro-Flusses. Wer will, lernt ohne jeden Stress ein ursprüngliches Stück Nordportugal und als kleine Zugabe eine Ecke Spaniens kennen.
Im siebten Pilgerhimmel
Guimarães beispielsweise, die europäische Kulturhauptstadt 2012 mit ihrem mächtigen Schloss, den engen Gässchen und seiner herausgeputzten Altstadt. Oder Lamego, dessen berühmte Wallfahrtskirche Nossa Senhora dos Remédios hoch über der Stadt thront und von ihren Besuchern einiges abverlangt: 686 Stufen und 14 fliesengeschmückte Stationskapellen führen in den siebten Pilgerhimmel auf dem Monte Estévao. Am Wendepunkt der Reise wartet die spanische Studentenstadt Salamanca, wo man als Kontrast zur Fado-Produktion auf dem Schiff eine Flamenco-Aufführung zum Mittagessen serviert bekommt. Und natürlich immer wieder die Welt des Portweins, die in der Quinta do Seixo in der Nähe des Städtchens Régua hoch über dem Douro gipfelt. Hier hat Sandeman ein modernes Besucherzentrum eingerichtet, wo nicht nur informiert, sondern auch stilvoll degustiert wird.
Zu Hause an Bord
«Probieren?», fragt jetzt António Lopes und lässt einen schönen Schluck Reserva der Quinta de Ventozelo in mein Glas schwappen. Ich lasse den Roten ein wenig kreisen und schaue in die traute Runde. Meine Tischnachbarn – auf der einen Seite ein unterhaltsames Paar aus dem Kanton Aargau, auf der andern eine Zwei-Nationen-Tafel aus erprobten deutschen und Schweizer Flusskreuzfahrern – heben ihre Gläser und prosten mir freundlich zu. Man kennt sich nach ein paar Tagen auf dem Fluss und verschiedenen Ausflügen an Land und fühlt sich schon fast ein bisschen zu Hause – wenn das Zimmermädchen am Morgen so freundlich grüsst, als ob wir alte Bekannte wären, der Hoteldirektor Cesário Santos wortreich über den bevorstehenden Ausflug informiert, Küchenchef Richard Stuiver höchstpersönlich frische Omeletten zum Frühstück brät und sich dabei mit den Wartenden über Gott und die Welt unterhält, oder der Chef de Bar, João Monteiro, das Portwein-Glas zum Abendausklang ein bisschen mehr füllt als vorgesehen.
Ich proste zurück und nehme einen ersten Schluck. «Und, wie schmeckt er?», fragt António Lopes in seinem wunderbar gebrochenen Deutsch erwartungsvoll. «Tiefgründig wie die Seele Portugals», möchte ich ihm sagen, aber ich nicke nur anerkennend, während Erinnerungen wach werden an den edlen Tropfen aus dem Hause Quinta de la Rosa, den ich vor einigen Tagen zur Einstimmung auf meine Douro-Kreuzfahrt getrunken habe. Vielleicht reicht morgen die Zeit, ein Fläschchen oder zwei als Souvenir zu besorgen, wenn das Schiff in Pinhão vor Anker liegt. Denn dort befindet sie sich, die Quinta de la Rosa. Man sagt, sie sei einen Besuch wert. Woran ich keinen Augenblick zweifle.