Familie der Woche

Familie Kästli/Gübeli aus Zollikerberg ZH

von Daniel J. Schüz

Es geht wieder einmal zu wie im hölzigen Himmel: Störrisch stochert der kleine Aurel im Herdöpfelstock, während Léon, der älteste, lautstark das Lego-Raumschiff gegen Mateos Attacken verteidigt. Da gibts nur eines: Märchen-CD ins Abspielgerät - und schon sitzt das Trio friedlich vor dem Bildschirm. Mutter Sabine Kästli scheint nichts zu erschüttern. Das, sagt sie, habe auch mit ihrem Beruf zu tun: «Als Lehrerin braucht man starke Nerven.» An zwei Nachmittagen unterrichtet sie an der Zürcher Fachschule Viventa Handarbeit. Oft kommen die Jugendlichen im Berufsvorbereitungsjahr aus schwierigen Verhältnissen. Da ist ihr zweiter Job ein erholsamer Ausgleich: Zu Hause näht sie, im Atelier entwirft sie Mode - und kreiert gelegentlich auch mal ein Brautkleid. Die eigene Hochzeit ist derzeit allerdings kein Thema: Michel Gübeli, der sich im Frühling als Architekt selbständig macht, und Sabine Kästli sind seit sechzehn Jahren ein Paar. «Irgendwie haben wir wohl den richtigen Zeitpunkt zum Heiraten verpasst», lacht Sabine. Und als sie nach neun Jahren mit Léon schwanger wurde, waren sich die Eltern einig: «Niemand sollte denken, dass wir nur wegen des Babys zum Standesamt rennen, andererseits sollte es aber auch nicht bei diesem ersten Kind bleiben.» Mittlerweile bescheren drei quirlige Jungs ihren Eltern emotionale Wechselbäder. «Natürlich bereichern die Kinder eine Beziehung», sagt Sabine Kästli, «aber man muss stets auch darauf achten, dass sie nicht zur Belastung werden.» Deshalb ist ihr wichtig, dass sie sich Freiräume schafft, um etwa mit Freundinnen ins Kino zu gehen. Oder wieder mal ein gutes Buch zu lesen - ein Buch, das Michel ihr zur frühen Morgenstunde behutsam aus der Hand nimmt, bevor er das Licht löscht.

 

 

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 10/06 der Schweizer Familie publiziert.

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