Ein teurer Kopfschmuck: Eigenhaarimplantation

Ein Wunder scheint auf Silvio Berlusconis Kopf zu spriessen. Auf Fotos vor dem Jahr 2004 schimmerte deutlich die Kopfhaut durch das schüttere Haar. Danach  geschah Erstaunliches: Dem italienischen Ministerpräsidenten wuchsen nach und nach wieder Haare. Über sein heutiges Aussehen mag man streiten. Fakt ist:  Berlusconi hat wieder eine dunkle Matte, fast wie ein 30-Jähriger. Ein Wunder? Nein: Chirurgie.

Das Prinzip ist einfach: Haare können im Haarkranz am Hinterkopf (siehe Kasten) wie Pflänzchen ausgestochen und auf kahlen Stellen wieder eingepflanzt werden. Mit einem feinen Skalpell schneidet der Arzt Schlitze dort in die Haut, wo er die Haare dann einsetzen wird.

Wenn die Haarwurzeln beim Umsetzen nicht verletzt werden, wachsen sie ohne weiteres am neuen Ort wieder an. Bereits seit Jahrzehnten ist das Prinzip der  Eigenhaartransplantation bekannt. Noch in den Neunzigerjahren sorgte es aber vor allem wegen schlechter Resultate und überrissener Preise für Schlagzeilen.

«Im Vergleich zu vor zehn Jahren sind die Ergebnisse zunehmend besser geworden», sagt Peter Itin, Professor für Dermatologie am Universitätsspital Basel. «Es gibt heute seltener unbefriedigende Resultate.»

Risiken und …
Oft angeboten wird die sogenannte «Streifenmethode»: Dabei wird ein Streifen Kopfhaut am Hinterkopf herausgeschnitten und in einzelne Haare zerteilt. Beim  Patienten hinterlässt dieser Eingriff aber eine lange Narbe.

Schonender ist die Stanzmethode: Dabei stanzt der Arzt jedes Haar einzeln mit einer Hohlnadel direkt am Hinterkopf aus. Dies bedeutet für den operierenden Arzt zwar mehr Arbeit, hinterlässt dafür aber beim Patienten keine sichtbaren Narben.

Das grösste Risiko bleibt, dass die neue Haarpracht unnatürlich aussieht. Etwa weil zu wenig Haare eingesetzt oder weil die Haare vom Operateur in Büscheln oder Linien angeordnet wurden.

Immer wieder kommt es vor, dass die Patienten wegen dieses «Puppenkopf»- oder «Zahnbürsten-Effekts» nach dem Eingriff über ihr Aussehen unglücklicher sind als früher.

Der Arzt müsse sorgfältig ausgewählt werden, warnt Dermatologe Pierre de Viragh vom Inselspital Bern. «Die Operation muss von einem erfahrenen Arzt mit  Künstlerblick gemacht werden. Man sollte sich viele Fotos zeigen lassen und Referenzen einholen.»

Gleicher Meinung ist Andreas Krämer, Berater für  Haartransplantation aus dem thurgauischen Ermatingen. «Es gibt leider viele unseriöse Anbieter», sagt er. «Manche bieten die Haartransplantation etwa in  Kombination mit zwei Wochen Türkei-Badeferien an.» Der behandelnde Arzt sollte sich auf Haartransplantationen wirklich spezialisiert haben und diese Operation nicht nur nebenher vornehmen.

Seriöse und gute Schönheitschirurgen allerdings lassen sich für die Sisyphus-Arbeit, die sie mit Mikroskopen in tagelanger Feinstarbeit verrichten, eine schöne Stange Geld bezahlen.

… Kosten
Pro Haar oder «Graft» – so werden die einzelnen Haarinseln genannt – muss mit durchschnittlich sechs Franken gerechnet werden. Lässt sich jemand zum Beispiel die Geheimratsecken mit 2500 «Grafts» füllen, bezahlt er um die 15 000 Franken. Ganze Glatzen-Aufforstungen wie bei Silvio Berlusconi können schnell 40000 Franken kosten. Zudem gilt es von Beginn weg einzuberechnen, dass die «alten» Haare weiterhin ausfallen werden und die verpflanzten Haare später ein unnatürliches Muster bilden. Weitere Operationen sind deshalb meist schon vorprogrammiert.

Wie die Glatze entsteht
Ursache für erblich bedingten Haarausfall ist das Steroidhormon Dihydrotestosteron (DHT). Es ist wichtig für die Entwicklung des männlichen Embryos und später für die Pubertät. DHT entsteht bei der Umwandlung von Testosteron. Wenn in der Kopfhaut zu viel DHT vorhanden ist, schwächt dies bei den meisten Männern die Haare, die Haarfollikel verkümmern langsam. Meist beginnt dieser Prozess an den Schläfen mit den «Geheimratsecken». Der Haarkranz am Hinterkopf ist gegen DHT unempfindlich.

Mehr zum Thema
«Eigenhaartransplantationen» ist das Hauptthema der nächsten «Puls»-Sendung vom Montag, 17. Januar, 21.05 Uhr auf SF 1.