Eine Tasse voller Genuss

 
| Text: Nicole Tabanyi, Fotos: Lea Meienberg
 

Extraröstungen, frische Triebe und Jahrgangstees: Die 10 Favoriten der Expertin sind etwas Besonderes.

Die Taiwanerin Meng-Lin Chou bereitet in ihrem Laden in Zürich einen Tee zu.

Eine Arbeiterin röstet auf einer chinesischen Farm Teeblätter.

Diese Teeblätter trocknen in Holzgefässen.

Saitama-Teepflanzen aus Japan.

Pflückerinnen arbeiten auf einer Farm in der Teeregion Hangzhou in China.

Grünteefelder prägen die Landschaft in der japanischen Region Chubu.

Eine Teezeremonie in Japan, um 1910.

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Eine Sorte kommt von uralten Bäumen, eine andere wächst am Ufer eines Bergsees: Guter Tee ist rar und teuer. Expertin Meng-Lin Chou führt durch die fremde Welt von Silbernadeln, Extraröstungen und Teegeistern.
 

WELCHE FARBE DARF ES SEIN?
Schwarztee: Der Klassiker. Drei Schritte sind nötig, um ihn herzustellen: Blätter werden zum Welken ausgelegt. Dann die Fermentation respektive Oxidation. Das heisst: Die Blätter werden durch Rollen leicht gequetscht. Saft tritt aus dem Blatt, der mit dem Sauerstoff reagiert (oxidiert) – dadurch bilden sich bestimmte Aromen, und der Tee wird schwarz. Dann das Trocknen. Zum Teil auch das Schneiden der Blätter. Edler Schwarztee ist immer ganzblättrig. Die berühmtesten Teeanbaugebiete: Darjeeling und Assam (Indien) sowie Ceylon (Sri Lanka).
Grüntee: Nicht fermentierter Tee. Die Blätter werden direkt nach der Ernte geröstet oder gedämpft, danach zu Kügelchen gerollt (Gunpowder), gepresst (Sencha) oder pulverisiert (Matcha, siehe Bild) und dann getrocknet. Grüntee stammt vor allem aus China und Japan.
Weisser Tee: Oft wird nur die vom weisslichen Flaum überzogene Blattspitze geerntet, die durch das Trocknen eine silbergraue Farbe erhält. Dies ist der unverarbeitetste Tee von allen, mit mildem Aroma. Wird vor allem in China hergestellt.
Gelber Tee: Dieser Tee kommt aus China und gleicht dem grünen Tee. Die Blätter ruhen bis zu mehreren Tagen im Dunkeln und erreichen so den ersten Grad der Fermentation. Danach werden sie geformt und getrocknet.

1 MENGKU YESHENG HONG CHA
Typ: Schwarzer Tee aus der Provinz Yunnan, China.
Aroma: Zitrusartig, harzig, nach Honig schmeckend, blumig.
Besonderheit: Von wilden Teebäumen aus der Bergregion Mengku (2000 m ü. M.) geerntet.
Preis: 50 g, 25 Franken.

2 LAO BAN ZHANG GU SHU PU ERH 2016
Typ: Pu-Erh-Tee aus dem Dorf Lao Ban Zhang in der Provinz Yunnan, China.
Aroma: Herb, jedoch nicht bitter, mit einem nachsüssenden Caramel-Geschmack.
Besonderheit: Von Teebäumen gewonnen, die 100 bis 600 Jahre alt sind. Dieser Pu-Erh-Tee wird oft gefälscht. Seine Nachahmungen erkennt man daran, dass sie bitter schmecken.
Preis: 50 g, 80 Franken.

3 TAIPING HOUKUI
Typ: Grüner Tee aus der Provinz Anhui, China.
Aroma: Zitrusartig, sehr erfrischend.
Besonderheit: Die grossen Teeblätter werden von Teesträuchern gewonnen, die um den Hochgebirgssee Tai Ping – grosser Frieden – wachsen. Nach dem Pflücken werden die Blätter gewalzt, auf Bambus gelegt und über dem Holzfeuer geröstet.
Preis: 50 g, 30 Franken.

4 YINZHEN BAIHAO
Typ: Weisser Tee aus der Provinz Fujian, China.
Aroma: Heuig und leicht herb.
Besonderheit: Der Silbernadel- Tee wird von weissen, frischen Trieben (Blattsprossen) gewonnen. Die in der Kanne gerade stehenden Nadeln sind ein besonderer Anblick.
Preis: 50 g, 175 Franken.

5 ANJI BAICHA
Typ: Grüner Tee aus Anji, China.
Aroma: Feine Limettennote, zarter Neroli-Duft.
Besonderheit: Nur die Blätter der frühen Frühlingsernte dürfen Anji Baicha – friedlicher und Glück bringender Tee – genannt werden. Nachher werden die hellen Blätter mit feinem Aroma immer dunkler und herber.
Preis: 50 g, 25 Franken 

6 DIAN HONG PREMIUM
Typ: Schwarzer Tee aus der Provinz Yunnan, China.
Aroma: Honig, schokoladenartig. Schmeckt auch gut mit Milch.
Besonderheit: Wenn der Schwarztee sofort getrunken wird, spricht man auch von einem sogenannt roten Tee. Dieser Tee kann dank Extraröstung über Jahre reifen. So lässt sich miterleben, wie sein Aroma intensiver wird.
Preis: 50 g, 12 Franken.

7 BUDDHAS HAND
Typ: Oolong-Tee aus Alishan, Taiwan.
Aroma: Frisch, zitronig, schmeckt leicht nach Kamille, Kastanie und frischem Laub.
Besonderheit: Ein in den kühlen Bergen Alishans langsam und schonend fermentierter Tee. Man nennt ihn auch Felsentee. Wird nur leicht geröstet. Kann gelagert werden.
Preis: 50 g, 25 Franken.

8 JUNSHAN YINZHEN
Typ: Gelber Tee von der Insel Junshan, China.
Aroma: Blumig, fruchtig, lieblich, süss.
Besonderheit: Der Tee kommt von der Insel Junshan, die im grössten Süsswassersee Chinas liegt. Seine Herstellung erfolgt durch acht verschiedene Prozesse, die mindestens drei Tage und drei Nächte dauern.
Preis: 50 g, 20 Franken.

9 FENGHUANG DANCONG SHUIXIAN PREMIUM
Typ: Oolong-Tee aus der Provinz Guangdong, China.
Aroma: Mineralische Note, herb, zugleich honigsüss und südländisch blumig.
Besonderheit: Der Tee vom Berg Phönix stammt traditionellerweise aus einer einzigen Teepflanze. Darum der Name Dancong – der einzige Busch.
Preis: 50 g, 40 Franken.

10 GRENZTEE GUSHU 1990
Typ: Pu-Erh-Tee mit Jahrgang 1990 aus der Provinz Yunnan, China.
Aroma: Sehr würzig, schmeckt nach Kampfer und Kiefern.
Besonderheit: Wurde vor 25 Jahren im Mischwald geerntet, an der Sonne getrocknet und ohne Maschinen zu Fladen gepresst.
Preis: 50 g, 40 Franken.

Dieses Rezept ist eine Zugabe zur Geschichte, die in der Ausgabe 07/2017 der «Schweizer Familie» erschienen ist.