Dekorative Zitrusbäumchen

Sie gehören bei uns zu den beliebtesten sommerlichen Topfpflanzen. Wir haben die Südländerinnen in ihrer Heimat in Sizilien besucht und eine leuchtende, duftende Vielfalt entdeckt.

  • Die Zitruspflanzen sind besonders dekorativ, wenn sie Früchte und Blüten gleichzeitig tragen.
  • Das leuchtende Orange erinnert an einen Sonnenuntergang am Mittelmeer.
  • Jeder Topf wird mit genauen Produktinformationen versehen.
  • Marc Müller von Jumbo (rechts) besucht regelmässig die Plantage von Vito Giambo.
  • Von ebensolchen Mutterpflanzen stammen viele der Setzlinge ab.
  • Im Gewächshaus der Plantage duftet es überwältigend nach Orangen und Zitronen.
  • Die Zitrone «Buddhas Hand» ist etwa doppelt so gross wie eine menschliche Hand.
  • Die Zierfrüchte gibts in den verschiedensten Formen und Farben.
  • Die Früchte laden zum Reinbeissen ein, aber dann ist die Pflanze ihres Schmucks beraubt.
  • Die Zitruspflanzen hält man im Topf, denn im Herbst gehören sie ins Haus.

Kein Weg führt daran vorbei, Zitronen und Orangen sind nördlich der Alpen nicht heimisch. Dennoch oder gerade deshalb lieben wir die südländischen Gewächse. Seit einigen Jahren erleben sie einen regelrechten Boom. Auch wenn wir die frostempfindlichen Pflanzen im Haus überwintern müssen. Woher aber stammen die Südländerinnen, die uns der Handel im Frühsommer anbietet? Wer produziert sie?

Heutige Konsumenten wollen ihre Herkunft ebenso wissen wie die von Mango oder Papaya im Supermarkt. Bei Zitruspflanzen aber ist das manchmal schwer feststellbar. Erkannt hat die Zeichen der Zeit, die Nachhaltigkeit und Information fordert, die Jumbo-Markt AG und lädt ein zum Augenschein einer Plantage, zum Besuch der «Giambo Piante» in Furnari auf Sizilien in der Provinz Messina. Dorther kommen seit sieben Jahren ihre Zitronen-, Orangen-, Calamondin- und Kumquatpflanzen.

Regelmässig wird die Plantage von Produktmanager Marc Müller besucht. «Ich berücksichtige nur Lieferanten, die ich persönlich kenne und somit deren Produktionsweise», erklärt er. Eine solche Kontrolle, obwohl er sie so nicht nennt, findet der gelernte Landschaftsgärtner unabdingbar, denn «erlebe ich in einem Betrieb ein riesiges Puff, fehlt auch die Homogenität der Pflanzen. Ist es aber sauber, sind auch die Pflanzen gut.»  «Giambo Piante» hätte sehr gute Ware, arbeite ständig weiter an deren Qualität, und es sähe picobello sauber aus.

Nun, auf die Picobello-Sauberkeit achtet ein Laie erst mal nicht. Kann gar nicht darauf achten, so überwältigt ist er vom Duft in den Gewächshäusern. Riecht es nach Zitronenblüten, nach Jasmin, nach Orangen, fragt er sich betäubt und schnuppert an Blüten, Früchten, an duftenden Blättern. Eine rote Zitrone verströmt Orangenduft. Sie schmecke auch danach, sagt der Plantagenbesitzer Vito Giambo, sei aber nicht vornehmlich zum Essen gedacht, sondern
für Augen und Nase, wie die meisten hier gezogenen Zier-Zitrusfrüchte.

Zitronen, Orangen, Kumquats

Manche Pflanzen sind als Bäumchen gezogen, andere als Pyramide, als Spalier, einige als zwei Meter hohe Solitäre. Diese allerdings, wie auch die Spaliere, erklärt Marc Mülle, würden, weil zu gross, nur in kleinen Mengen in die Schweiz eingeführt. Um zu zeigen, was mit Zitruspflanzen alles möglich sei oder auch mal für Kunden mit grossem Wintergarten. Sonst seien Zitronen (Limonen), Kumquats (Zwergorangen) und Calamondinen, eine mandarinenartige Zitrusfrucht, am beliebtesten, besonders wenn sie Blüten und Früchte gleichzeitig trügen.

Die Pflanzen stecken in Tontöpfen und gelben oder orangefarbenen Töpfen, passend zur Frucht: rote, gelbe Limonen, Mandarinen, Kumquats, über faustgrosse Zitronen. Der Duft macht trunken, sodass man glaubt, eine gelbe Frucht, gemahnend an eine riesige, mehrfingrige Hand sei Halluzination. Ist es nicht. Die Frucht heisse «Mano di budda», erklärt Vito Giambo, «Buddhas Hand», und ist eine Zitrone. Die Mutterpflanze stammt aus einem Exemplar des Botanischen Gartens in Palermo. Man braucht sie vor allem zum Kochen von Fischgerichten, auch Zitronat wird aus ihr hergestellt.

Alles von Hand

Vito Giambo veredelt und zieht seine Pflanzen aus eigenen Mutterpflanzen und Stecklingen. Alles wird von seinen rund dreissig Angestellten von Hand gemacht und sei sehr kompliziert, «doch das Komplizierte ist das Schöne daran», meint er. Mit an die zwölf Hektar Produktionsfläche für um die 800 000 Zitruspflanzen im Jahr gehört sein Betrieb zu den grössten Siziliens. Entstammend einer Familie, die sich seit Generationen mit Produktion und Verkauf südländischer Pflanzen befasst, stellte er vor zwanzig Jahren auf reine Zierpflanzen um und exportiert nach ganz Europa. Das Unternehmen mit eigenem Grundwasserzugriff ist MPS-zertifiziert. MPS, das Kürzel für Milieu Programma Sierteelt, ist eine internationale Organisation zur Garantie von Nachhaltigkeit.
Die Zertifikate werden an Ziergärtnereien mit geringem Verbrauch von Energie, Dünger und Pflanzenschutzmitteln verliehen. Die zertifizierten Betriebe werden jährlich kontrolliert.

Herkunft und auch Nachhaltigkeit sind also geklärt. Doch wie und auf welchem Weg kommen die duftenden Sizilianerinnen in die Schweiz? Mit Lastwagen. Fahren diese, beladen mit Zier-Zitruspflanzen in 17er- bis 30er-Töpfen, am Samstag früh in Furnari ab, werden sie in den vierzig Filialen von Jumbo Garden Dienstag früh entladen. Und hoffen auf weitere ihnen entsprechende Pflege.

 

 

Nicht nur fürs Auge

Zier-Zitruspflanzen werden – wie der Name sagt – vor allem zur Zierde gezogen. Pflückt man die Früchte, beraubt man die Pflanzen ihres Schmuckes. Doch ungeniessbar oder gar giftig sind die Früchte nicht. Manche, wie die Calamondin, sind besonders sauer, andere wenig aromatisch. Es gibt jedoch auch solche, die sehr gut in der Küche verwendet werden können. Zum Beispiel die Limone, bei uns Zitrone genannt, oder die Kumquat. Diese kann reif mit Schale gegessen oder für Desserts verwendet werden. Auch Mandarine, Clementine und Orange kommen bei uns zur Reife und können gegessen werden.

 

 

So mag es die Südländerin – Was es zu beachten gilt

Zitruspflanzen sollte man kaufen, nicht selbst aus Samen ziehen. Aus einem Samen kann zwar bereits nach einigen Wochen ein Pflänzchen werden, das sogar heranwächst, aber nicht blüht und somit auch keine Früchte bildet. Der Grund: Die Pflanze ist ein Wildling, eine unveredelte Pflanze, und solche blühen erst nach Jahren. Bei käuflichen Pflanzen dagegen werden Edelreiser auf eine geeignete Unterlage gepfropft. Diese Pflanzen blühen bald und setzen Früchte an. Idealerweise hält man Zitruspflanzen im Topf, auch wenn man sie in den Garten stellt. Denn die nicht winterharten Pflanzen müssen im Herbst ins Haus.

Standort
Ab Mitte Mai nach den letzten Frösten an warmem, sonnigem, zugarmem Platz. Zu starke Sonneneinstrahlung vermeiden. Bei Hagel und Gewitter die Pflanzen unterstellen.

Giessen
Beste Zeit am Morgen mit möglichst kalkarmem, nicht zu kaltem Wasser. Ideal ist Regenwasser. Leitungswasser vor dem Giessen abstehen lassen oder abkochen. Ton- oder Terrakottatöpfe brauchen wegen der Verdunstung mehr Wasser als Kunststofftöpfe. Wasser nicht im Übertopf stehen lassen, sonst könnten die feinen Haarwurzeln absterben.

Düngung
Während der Wachstumsphase von Ende Mai bis August dem Giesswasser wöchentlich oder zweiwöchentlich Dünger beigeben. Das kann Grünpflanzen-
oder spezieller Zitrusdünger sein. Oder man verwende Depot- oder Langzeitdünger.

Überwinterung
Ab Ende September, je nach Witterung, je später, je besser, doch vor dem ersten Frost, kommt die Pflanze ins Winterquartier. Das kann ein heller Keller, ein ungeheiztes Treppenhaus mit Fenster, ein Wintergarten sein. Faustregel: Je wärmer der Raum ist, desto heller muss die Pflanze stehen. Je kälter, desto dunkler. Wenig giessen, aber darauf achten, dass sie nicht austrocknet. Bei Überwinterung in der warmen Stube wachsen Zitruspflanzen ohne Pause weiter, brauchen also weiter Wasser, aber keinen oder sehr wenig Dünger. Auf genügend Licht achten, doch direkte Sonneneinstrahlung vermeiden.

Rückschnitt
Will man eine Zitruspflanze über Jahre erhalten, muss man sie zurückschneiden, damit nicht ein riesiger, unansehnlicher Baum daraus wird. Ende Januar oder im Februar die Triebe des Vorjahres um einen Drittel bis zur Hälfte kürzen. Schräg und nicht gerade über eine nach aussen wachsende Knospe schneiden. Störende, in die Krone wachsende Triebe entfernen. Schneidet man im Sommer, wird die Wuchskraft gehemmt.

Der wichtigste Tipp von Marc Müller, Produktmanager von Jumbo und gelernter Landschaftsgärtner:
«Der grösste Fehler bei der Pflege einer Zitruspflanze: sie zu nass halten. Dann verliert sie ihre Blätter, man glaubt, die Arme habe zu wenig Wasser, und gibt ihr noch mehr, ihre Wurzeln faulen, und sie geht ein. Deshalb warte man, bis die Erde drei Zentimeter tief trocken ist, bevor man giesst. Sollte sie doch einmal zu trocken stehen, zeigt sie das, indem sie beginnt ihre Blätter einzurollen. Dann kann man reagieren. Ertränkt man sie aber, kommt jede Reaktion zu spät.» Weitere Infos: www.jumbo.ch

 

 

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