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Die erste Geschichte der Sommerserie: Ein Garten - vier Gärtner
Im zürcherischen Hombrechtikon gärtnern alle Familienmitglieder. Gemeinsam haben die Rickenbachers in ihrem parkähnlichen Garten am Waldrand eine Anlage mit Bioteich und Natursteinen erstellt.
Könnten Steine sprechen, mit der Ruhe am Waldrand über dem Zürichsee wäre es vorbei. Das Rauschen der Tannen, das Murmeln des Bächleins, das Flirren der Libellen über dem Teich würde übertönt vom babylonischen Sprachgewirr der unzähligen Steine, die sich, wie die Erbauer des Turms zu Babel, nicht mal verstünden. Einer spräche korsisch, ein anderer isländisch, einige italienisch, französisch, manche romanisch, andere bündnerdeutsch und viele, viele Innerschweizer Dialekt.
So übergeben wir das Wort der vierköpfigen Familie Rickenbacher im zürcherischen Hombrechtikon. Tochter Sara, 20: «Ich sammelte von klein auf Steine. Überall, auch in den Ferien. Nachdem wir hier eingezogen waren, habe ich alle im Garten verteilt.» Mutter Martina, 48: «Seit wir hier wohnen, tragen wir von unseren Wanderungen kiloweise Steine heim.» Sohn Michael, 24: «Die Rucksäcke sind jeweils megaschwer.» Vater Ferdi, 52: «Als wir den Garten gestalteten, liessen wir die grossen Natursteine um den Teich aus unserer Heimat, der Innerschweiz, kommen.» Und Sara erzählt, einige Einzelstücke, wie der Lavastein aus Island, seien Geschenke ihres Grossvaters. Manche Verwandte aber fänden, sie hätten viel zu viele Steine und viel zu wenig Garten.
Dass man vor lauter Steinen keinen Garten sieht, kann die Besucherin jedoch nicht bestätigen. Iris, Bartnelken, Rosen, Flieder blühen. In einer Kräuterspirale, gebaut von Sara, duften Melisse, Pfefferminze, Basilikum, Thymian, Majoran, Rosmarin. Und auf der grossen Teichanlage, unterteilt in zwei ovale Biotope mit Brückchen, Wegen und Stegen ringsum, schaukeln Seerosen. Ein Bächlein bahnt sich seinen Weg zum Teich. Ausser Steinen lieben die Rickenbachers auch Pflanzen. Und alle ziehen am gleichen Strick, mag der manchmal auch ein wenig angespannt sein. Die Familie kennt Gartenarbeit vom einstigen Schrebergarten, Sohn Michael ist Staudengärtner, und Tochter Sara beginnt im Herbst ein Studium in Landschaftsarchitektur.
Gemeinsam gärtnern
Vier Menschen und ein Garten. Wie geht das zusammen, wenn alle wissen, wie man gärtnert? Tochter Sara lacht, sagt, das gehe etwa so: «Jemand hat eine Idee, meint, dies oder jenes wäre da oder dort schön. Ein anderer meint, darüber hätte man schon vor einem Monat debattiert. Eine andere meint, aber jetzt könnten wir es machen. Ein anderer meint, könnten wir, aber wie?» Doch schliesslich, so Mutter Martina, einige man sich immer.
Gut, dass in der Familie zwei Fachmänner sind. Vater Ferdi, Ingenieur von Beruf, ist für die technischen Dinge wie Bauten von Teich- oder Drainageanlage zuständig. «Ingenieure denken erst, dann reden sie darüber, und dann setzen sie um.» So wurden vor der Anlage Skizzen des Gartens gefertigt, «damit man eine Vorstellung hat und nicht unüberlegt in irgendeiner Ecke beginnt». Michael, der Staudengärtner, hat das grösste Pflanzenwissen. «Trotzdem reden mir die anderen manchmal drein», sagt er, «vor allem, wenn ich Sträucher und Bäume zurückschneide. Sie meinen immer, es sei zu viel, ich aber weiss, das kommt wieder.»
Garten und Haus kauften Rickenbachers vor sechs Jahren. In Stäfa am Zürichsee wohnend, suchten sie dort ein Häuschen mit Garten. Vergeblich. Da entdeckte Mutter Martina ein Inserat: Haus mit Umschwung in Hombrechtikon. Das Angebot kam zu 80 Prozent an ihre Wunschvorstellung heran. Extrem ruhig, abgesehen vom Südanflug. Grosses, durch den angrenzenden Wald parkähnliches Grundstück. Bedauert haben sie ihren Entschluss nie. Auch wenn die Gartenerstellung harte Arbeit war.
Denn was Rickenbachers im Garten nicht selber machten, ist schnell gesagt. Die gröberen Steine aus der Innerschweiz setzte ein Gärtner. Sowie die der grösseren Wege, des Sitzplatzes und der Garageneinfahrt. Den Aushub des Teichvolumens besorgte ein Fachmann mit Bagger. Ebenso wurde im Zuge des Aushubs ein 5000-Liter- Tank in die Erde gesetzt. In den läuft über ein Fallrohr das Regenwasser des Dachs. Durch einen Ziehbrunnen lässt es sich hochpumpen, der Überlauf des Tanks speist den Teich. «Damit sparen wir viel Wasser», erklärt der Hausherr.
Das wars denn auch an Fremdarbeit. Die Eigenarbeit begann. Stufen in das Biotop pickeln. Ein dickes Vlies zum Schutz der Folie ausbringen. Darüber die Folie auslegen, 120 Quadratmeter am Stück und 150 Kilo schwer. Und da der Boden des Grundstücks nass und tonhaltig war, legten Rickenbachers Drainagerohre, damit das Wasser abfliessen kann. Die ganze Familie buddelte: Boden auf, Leitung rein, Boden zu, und das auf 130 Metern!
Das Gröbste ist getan
Heute ist das Gröbste getan, es wartet nur noch Feinarbeit. Zum Beispiel ein Sitzplatz am Wald. Das Wäldchen liegt über einem kleinen Tobel, wie es für die Hügelzüge am Zürichsee typisch ist. Eine willkommene Erweiterung des Gartens; im Waldabstandsgebiet können sie gärtnern. Wegen des Wurzelwerks fühlen sich hier aber wenige Pflanzen wie Farne, Funkien und Storchschnabel wohl. Im Sommer scheint die Sonne erst gegen den späten Vormittag auf den Garten. «Das aber ist ideal», sagt Mutter Martina, «an heissen Tagen ziehen wir uns in die Kühle des Waldes zurück und haben das Gefühl, der Wald gehöre zum Garten.»
Hinter den Hügeln über dem Zürichsee geht die Sonne unter. Mit ihren letzten Stahlen vergoldet sie Wald, Steine und Teich. Die Familie Rickenbacher sitzt in der Abendsonne. Alle sind sich einig: «Hier wollen wir bleiben.»
Familie Rickenbachers Gartentipps
Beim Bau eines Hauses mit Garten unbedingt Stauräume wie Schopf oder Häuschen für Gartengeräte und Gartenmöbel einplanen. Sonst muss man Rasenmäher etc. dauernd aus Keller oder Garage schleppen.
Wird ein Garten von Grund auf neu angelegt, ist es hilfreich, zuerst einen Plan oder Skizzen zu erstellen.
Ein Naturteich braucht Pflege. Da müssen wir dafür sorgen, dass wir der Natur etwas helfen und alles aus dem Teich entfernen, was zur Überdüngung und somit zur Veralgung führt. Hier am Wald ist es zum Beispiel wichtig, im Herbst den Teich mit einem Netz zu bedecken, damit nicht zu viel Laub in den Teich gelangt. Zudem vermeiden wir, im Frühling das Dachwasser in den Teich zu leiten, da es viel Blütenstaub enthält. Auch Froschlaich muss teilweise entfernt werden, damit die Kaulquappen eine Überlebenschance haben und die Wasserqualität erhalten bleibt. Bei der Algenbekämpfung helfen uns zu einem kleinen Teil auch die Wasserschnecken.
































