Mitten im lieblichen Hügelland zwischen Bern und Thun wähnt man sich plötzlich in die Hochalpen versetzt; vor lauter Steinen sieht man den Garten kaum mehr. Dabei weist das Grundstück von Barbara und Andres Ramel in Riggisberg die stattliche Grösse von 700 Quadratmetern auf. «Das mit den Hochalpen stimmt», bestätigt Barbara Ramel, «die Natursteine stammen tatsächlich aus den Alpen, genauer, vom Stockhorn bei Thun.» Dass man aber vor lauter Steinen keinen Garten sehe, dementiert die 31-Jährige vehement, man müsse eben nur genauer hinsehen.
Das allerdings ist nicht so leicht zu bewerkstelligen. Liegt doch der Steingarten an einer steilen Hanglage, sodass er nur über Treppchen rauf, Treppchen runter zu erkunden ist. Ausserdem fühlt sich der Besucher erst mal erschlagen von der Lage und der grandiosen Aussicht. Frei und ruhig liegt der Garten an einem Südhang auf 800 Metern. Vor ihm steigen Eiger, Mönch und Jungfrau auf, hinter dem gegenüberliegenden Wald zieht sich die Gantrischkette mit Hohmad, Stockhorn und dem Niesen hin. Unter dem Garten liegt das Dorf mit Weiden, Matten und Schafen. Auf der Westseite grenzt das Grundstück an eine naturgeschützte Wiese, oberhalb des Hauses wieder Freiheit: Wälder, Wanderwege, ein Bauernhof.
«Wissen Sie, wo wir in den Ferien waren?», fragt der 36-jährige Hausherr, nachdem er die Kulisse erläutert hat, und antwortet gleich selbst: «Hier. Hier kann man einfach höckeln und geniessen, man muss gar nicht weg.» Gut, mal hätten sie einen Tagesausflug auf den Brienzersee oder aufs Schilthorn gemacht. Seien aber abends jeweils glücklich wieder heimgekehrt.
Nach einem erfrischenden Minzentee gehts auf botanische Entdeckungsreise. Und tatsächlich, man wird fündig. Zwischen den Natursteinen – 210 stolze Tonnen sind es – wachsen Sedum, Rudbeckien, Gräser, Lavendel, blühende Hosta, Minze für Tee und natürlich der Klassiker des Steingartens, die Hauswurz. Auf einer der drei Ebenen liegt ein Kräutergärtchen, ein Beet mit Mangold, Salat und Rüebli. Auf einer anderen Ebene reifen – wegen der hohen Lage erst ab Mitte August – Wein, Trübeli und Tomaten unter dem schützenden Vordach. Auf einer Ebene legte Barbara Ramel ein Rundbeet mit Begonien an, «ich wollte zwischen den Steinen auch Blühendes». Für Struktur sorgen ein roter japanischer Zierahorn, ein Aprikosenbäumchen, kleine Föhren, ein Hibiskus aus ihrer Zürcher Wohnung und ein junger Ginkgobaum, das sogenannte lebende Fossil aus der Zeit der Dinosaurier.
Der Garten sei halt noch jung, erklären die jungen Besitzer, gerade mal ein Jahr alt, vergangenen Spätsommer war er fertig. «Das war dann im Frühling so spannend zu sehen, was wieder kam von den mehrjährigen Pflanzen», erzählt Barbara Ramel, «oder dass plötzlich unten zur Strasse hin überall gelber Mohn blühte, obwohl wir ihn weder gesät oder gesetzt hatten.» Und ihr Mann fügt an: «Wir bekamen einen Garten und hatten keine Ahnung vom Gärtnern. Nun müssen wir langsam lernen, wann, wo und wieso was kommt oder nicht.» Sei es doch der erste Sommer, in dem sie alleine seien, ohne Unterstützung eines Gärtners. Jäten, das könnten sie schon, aber nun müssten sie beginnen auszuprobieren und sich zu fragen, wo man noch dies oder jenes pflanzen könne. «Das macht riesigen Spass.»
Kaum begehbares Terrain
Wie aber kamen die beiden darauf, ihren Garten mit Natursteinen zu bestücken? Der steilen Hanglage wegen, man hätte das abschüssige Terrain kaum begehen können, erklären sie. Unkundig, wie jeder in ihrer Situation, holten sie sich bei einem Gärtner Rat. Der schlug einen Steingarten vor. Das wäre die beste Lösung. Erstens, gegen die Rutschgefahr, zweitens könne man durch die Befestigung mit Steinen das Gelände maximal nutzen und trotz der Hanglage viel Gartenraum schaffen, indem man verschiedene Ebenen anlege. Eine weitflächige Terrasse oben, darunter über Treppen erreichbar ein Rondell und daneben einen Kiesplatz. Letzten Frühling begann der Gärtner oben am Haus und arbeitete sich sukzessive nach ihren Vorschlägen und Wünschen nach unten. «Es war ungeheuer spannend», erinnert sich das junge Paar, «erst gabs nur Wiese, und mit der Zeit standen darauf Haus und Garten.»
Und warum wollten sich Ramels gerade hier ansiedeln? Die beiden lernten sich vor elf Jahren kennen und lebten damals in Zürich. Doch Barbara, mit Wurzeln in Uebeschi in der Nähe Thuns am Fusse des Stockhorns, fühlte sich in der Stadt gar nicht wohl, sie hatte Heimweh. Und weil auch Andres die Gegend des Längenbergs, westlich des Gürbetals, mag, zogen sie nach Rümligen, einem Nachbardorf von Riggisberg. Ein kleines Erbe ermöglichte ihnen ein Eigenheim. Sie suchten Bauland in der vertrauten Gegend und wurden schliesslich hier fündig. Wegen der Aussicht und der Lage und nicht zuletzt wegen des relativ günstigen Preises; das Land an der Hanglage wollte niemand.
Pläne und Experimente
Zurückgekehrt auf die Terrasse, meint Barbara Ramel: «Am Anfang waren es mir schon etwas zu viele Steine, aber als wir dann einiges setzten, wurde es doch ein wenig grün.» Und Andres Ramel ergänzt: «Ein Steingarten von dieser Fläche macht halt schon etwas weniger Arbeit.» Denn beide sind berufstätig. Barbara ist angestellt bei der Post in Bern, um 3.45 Uhr klingelt der Wecker, um 5 Uhr ist Arbeitsbeginn, und zwischendurch arbeitet sie als Hochzeitsfotografin. Andres arbeitet in einer Informatikfirma als Applikationsbetreuer und kommt erst gegen 19 Uhr heim.
Vom Tal herauf weht ein frisches Windchen. Die reinste Idylle. Und sie erzählen von ihren Plänen. «Wir wollen unseren Garten langsam entwickeln, mit der Zeit werden schon immer mehr Pflanzen zwischen die Steine kommen.» Das nächste Projekt ist ein Rosenbogen auf der mittleren Ebene. «Und wenn wir etwas sehen, was uns gefällt, poschten wir es und probieren es aus.»
Barbara und Andres Ramels Gartentipps
Als begeisterte Gartenanfänger können wir jungen Gartenanfängern nur wenige Tipps geben.
Wir freuen uns am Garten, haben Spass daran, geniessen ihn, höckeln gern darin und kümmern uns auch um ihn.
Wir achten bei den Pflanzen darauf, dass sie für einen Steingarten geeignet sind und damit wenig Wasser brauchen.
Wir legen zwischen den Steinen auch Erde aus und pflanzen, was uns gefällt.
Wir probieren immer Neues aus. Und wer weiss, eines Tages werden wir sogar Gartenkenner.































