Für einmal ist die prachtvollste Schönheit im sommerlichen Garten ein Er. Keine Sie wie die Rose, Lilie oder Nelke. Selbst männliche Konkurrenten wie Phlox, Eisenhut oder Fingerhut besiegt der Rittersporn mühelos. Trotz oder gar wegen seines martialischen Namens, den er seinen Kelchblättern verdankt; sie tragen nach hinten hin einen Sporn wie ein Ritter an seinen Stiefeln. Botanisch nennt sich der Gespornte Delphinium; seine Knospen gleichen einem Delfin im Miniformat.
Doch wie der stolze Schöne aus der Familie der Hahnenfussgewächse auch heissen mag, mit seinem Blau holt er den Himmel auf die Erde. Ursprünglich war die heutige Prachtstaude ein einjähriges, wildes, blaublumiges Acker- oder Feldritterspörnchen (Consolida regalis), das höchstens als Heilkraut zu mässigen Ehren gelangte. Seine Heimat sind die gemässigten Zonen Nordamerikas und Europas. Es blüht auch in unseren Breitengraden von Mai bis August in Getreidefeldern, an Feldrainen, in Weinbergen. Allerdings nur noch selten. Unkrautvernichtungsmittel und Übernutzung der Felder haben es vertrieben. Doch seine edleren Verwandten eroberten unsere Gärten – ein langer Weg vom Feldblümchen zur Prachtstaude.
Blau in allen Schattierungen
Erst gegen Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam die Delphiniumzüchtung richtig auf. Von den um die 300 bekannten Arten fanden nur wenige Eingang in die Züchtung, aus der Hybriden (Delphinium x cultorum) für die Gartenverwendung hervorgingen. Inzwischen ist das Spektrum enorm. Neben hoch wachsenden Sorten mit grossen Einzelblüten gibt es kompakte und standfeste Züchtungen. Blau in zahlreichen Schattierungen ist nach wie vor die beliebteste Blütenfarbe. Ob Tiefblau, Kobaltblau, Enzianblau, Himmelblau oder Violett.
Nicht nur mehrjährige Stauden, sondern auch der einjährige Rittersporn (Delphinum ajacis, D. consolida) hat Eingang in unser Gärten gefunden. Er ist kleiner und zierlicher als seine mehrjährigen Geschwister, liebt aber wie sie die Sonne. Man sät ihn im März ins Freiland, wo er den ganzen Sommer über blüht.
Die winterharten Delphinium-Hybriden blühen je nach Sorte von Mai bis Juli und werden in drei Gruppen unterteilt: Elatum-Hybriden wie Lanzenträger, Adria,
Sommernachtstraum, Berghimmel haben kompakte Blütenrispen, sind besonders langlebig und werden bis zu zwei Meter hoch. Die Belladonna-Hybriden wie Atlantis, Casa Blanca, Kleine Nachtmusik sind etwas robuster, haben einen lockereren Blütenstand und werden 90 bis 140 Zentimeter hoch. Besonders grossblütig, aber kurzlebig sind die Pacific-Hybriden wie Blue Bird, Astolat, Black Night, sie werden 80 bis 180 Zentimeter hoch.
Tausende von Sorten sind heute registriert, ein Bruchteil ist erhältlich, reicht jedoch für jedes noch so lange Gärtnerleben. Die wichtigsten Züchtungen stammen aus England, den USA und Deutschland. Und dort vor allem vom berühmtesten Ritterspornzüchter des vergangenen Jahrhunderts, Karl Foerster.
Vater des Rittersporns
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg begann er mit der Züchtung, bis heute konnten sich einige Sorten des 1970 mit 96 Jahren verstorbenen «Vater des Rittersporns» behaupten.
Sie tragen poetische Namen wie Jubelruf, Sternennacht und Abgesang, seine letzte Züchtung. Aber auch die Schweiz blieb nicht untätig. Ab Mitte Mai ist die neue Züchtung Jupiter F1 erhältlich, in Blau, Himmelblau, Rosa und Weiss. Sie ist sehr winterhart und hat standfeste Blütenstände, die keinen Stützstab benötigen.
Der Rittersporn, der blaue Narzisst, ist eine dominierende Gartenblume. Er steht gern im Mittelpunkt und mag es gar nicht, wenn ihm jemand die Schau stiehlt. Dennoch will er Gesellschaft, allerdings in gebührendem Abstand. Er akzeptiert Rosen sowie Stauden wie Katzenminze, Astilbe, Margerite, Glockenblume, Phlox, Bartiris. Man vermeide aber gelbe Blumen; sie harmonieren nicht mit dem «blauen Schatz der Gärten», wie Karl Foerster die Rittersporne nennt und wunderschön beschreibt: «Keine Blume kann den Garten so beherrschen, wie die neuen Rittersporne dies tun. Wunderbar hat hier die Farbe, die wir sonst nur aus den gestaltlosen Flächen und Weiten von Himmel und Wasser, Dämmerung und Ferne kennen, die Gebärden gestalteten Lebens selber angenommen und türmt sich in seltsamen gotischen Blütenbauten empor.»
Rittersporns neue Töne
«Blauer Schatz» wird der Rittersporn genannt, denn er taucht unsere Gärten dem Sommerhimmel gleich in prächtige Blautöne. Von der beliebten Staude gibt es immer wieder neue Sorten – auch in Weiss und Rosa.
























