Im Kinderbuch-Klassiker «Momo» verwaltet Meister Hora die Zeit. Mit der Bühnenversion von Michael Endes Meisterwerk schlug die Geburtsstunde eines Experiments, das längst zur Institution geworden ist: Im Theater «Hora» stehen Menschen mit geistiger Behinderung auf der Bühne. «Menschen», sagt Theaterleiter Giancarlo Marinucci, «die ein besonderes Verhältnis zur Zeit haben. Es dauert, bis sie ein Stück einstudiert haben. Aber sie kommen stets pünktlich zu den Proben, sie kennen weder Stress noch Lampenfieber. Sie spielen nicht eine Rolle; sie verinnerlichen sie, sie leben und leiden mit den Figuren, die sie darstellen.»
Hinter den 16 Darstellern und ihren Betreuern steht ein Förderverein, dessen 500 Mitglieder 100 Franken Jahresbeitrag zahlen. Zusammen mit der öffentlichen Hand und privaten Sponsoren ermöglichen sie ein Stück Kultur, das mehr ist als ein Theater. Die drei Darsteller, die im Zürcher Casino Aussersihl «Die Geschichte vom Baum» interpretieren – Premiere: 8. September, 20 Uhr –, sind Absolventen der vor einem Jahr gegründeten «Hora»-Schauspielschule. «Zwei verlieben sich im Stück», schmunzelt Marinucci. «Und wenn der Vorhang gefallen ist, wird deutlich, dass diese Gefühle nicht nur gespielt sind. Sie werden gelebt.»
























