Kakteen - Exotische Gäste

Kakteen fühlen sich auch im Winter in unseren Stuben wohl. Denn die meisten brauchen in ihrer Ruhephase nicht zwingend ein kühles Quartier, sondern vertragen Zimmertemperatur.

Beide stechen. Die geliebte Rose und der lange Zeit ungeliebte, weil als schwierig verschriene Kaktus. Doch der dornige Gast aus der Wüste gewinnt zunehmend an Beliebtheit. Der Grund liegt in seiner Formenvielfalt. Kakteen können kugelig sein, säulenartig, platt, eckig, verzweigt, hängend, manche bleiben winzig, andere werden mehrere Meter hoch. Dazu kommen seine spektakulären Blüten. Und die Dornen. Ja, Dornen. Stacheln tragen Rosen. Durch die Dornen entsteht rund um die Pflanze eine Zone ruhender Luft, diese minimiert die Verdunstung und kann zudem Frassschutz sein.

Diese Genügsamkeit ist ein weiterer Grund für ihre Beliebtheit. Kakteen zählen zu den Wasser speichernden Pflanzen, den Sukkulenten. Doch nicht alle Sukkulenten sind Kakteen. Aber alle Kakteen sind Sukkulenten. Die Kakteen bilden eine eigene Pflanzenfamilie, die Cactacea, mit etwa 130 Gattungen und an die 1900 Arten. Ihre Heimat erstreckt sich vom südlichen Kanada bis nach Patagonien. Zu den «anderen Sukkulenten» gehören Agaven-, Aloe-, Wolfsmilch- und Dickblatt-gewächse. Manche sehen den Kakteen zum Verwechseln ähnlich, ihre Heimat aber liegt in den Trockengebieten Afrikas, Asiens und Australiens.

Pflegeleichte Pflanzen

Entgegen der landläufigen Meinung brauchen Kakteen zum Überwintern nicht zwingend ein kühles, helles Quartier. Die meisten Arten fühlen sich, trotz ihrer Wachstumspause, auch in unseren geheizten Wohnungen wohl – vorausgesetzt, sie stehen an einem Platz mit viel Licht und keinesfalls über einem Heizkörper.

Auch brauchen sie gelegentlich Wasser. Aber wenig, sonst beginnen sie zu früh mit dem Wachstum, was sie schwächt. Blüten kann man bis auf wenige Ausnahmen im Winter keine erwarten. Die meisten Kakteen blühen im Frühling und Sommer.

Der Trendkaktus in modernen Wohnungen ist der Säulen- oder Wachsfackelkaktus aus der artenreichen Gattung Cereus. Der Begriff leitet sich von dem griechischen Wort Cera ab, was so viel heisst wie Wachsfackel oder Wachskerze. Er dient als lebende Skulptur. Sind doch seine hohen Stämme je nach Art mit weissem, meergrünem oder blauem Wachs überzogen. Wohl werden sie nicht wie in ihrer Heimat Brasilien bis zu zehn Meter hoch, aber immerhin gut und gern bis drei Meter. Blüten aber bringt der Säulenkaktus in Gefangenschaft, wenn überhaupt, erst im hohen Alter hervor.

Säulenkakteen gehören zu jenen Pflanzen, die umso besser gedeihen, je weniger man sich um sie kümmert; sie sind besonders widerstandsfähig. Wie alle Kakteen können sie den Sommer im Freien verbringen. Doch wer hievt schon ein solches Schwergewicht in den Garten und wieder zurück? Zum Glück fühlt sich ein Cereus in der Wohnung an einem hellen Platz das ganze Jahr wohl. Steht er zu dunkel, bildet er nur dünne Säulen.

Seit Jahrzehnten beliebt und deshalb als Volkskaktus zu bezeichnen, ist der Bauern- oder Seeigelkaktus, der Echinopsis. Der Gattungsname leitet sich ab von den griechischen Wörtern echinos für Igel und opsis für Aussehen. Um diese beliebte Kaktee zumindest in der Kultur zu erhalten – viele Arten sind in ihrer Heimat Brasilien vom Aussterben bedroht –, wählten ihn die Kakteen-Gesellschaften der Schweiz, Deutschlands und Österreichs zum Kaktus des Jahres 2010.

Auch die Gattung Echinopsis zählt zu den pflegeleichten Pflanzen. Durch besondere Gestalt oder Bedornung fällt er nicht auf, aber durch seine prächtigen, bis zu 25 Zentimeter langen Blüten mit einem Durchmesser bis zu zehn Zentimeter. Weiss, rosa, rot oder violett, je nach Art, öffnen sie sich am späten Nachmittag, blühen in der Nacht und öffnen sich am kommenden Nachmittag erneut. Das kann der Bauernkaktus mehrere Tage wiederholen – von April bis in den späten Sommer hinein.

Grüner Wasserfall

Einem Kaktus nun überhaupt nicht ähnlich ist der Korallenkaktus, der Rhipsalis cassutha. Weder zeigt er Dornen noch eine kugelige oder säulenartige Form. Auch wächst er nicht in Wüsten, sondern als Aufsitzer in Bäumen brasilianischer Wälder. Dennoch gehört er zu den besonders reizvollen Kakteen. Seine zylindrisch herabhängenden, sich stark verästelnden Zweige erinnern an einen grünen Wasserfall. Und wenn er sich schmückt, dann weniger mit seinen kleinen Blüten, sondern mit Früchten, kleinen, runden Perlen in Weiss, Rot oder Violett. Am wirkungsvollsten präsentiert er sich von einem erhöhten Standplatz, als Ampelpflanze beispielsweise, und schaut von oben auf uns herab, wie von den Bäumen seiner Heimat.

Da Rhipsalis keine Winterruhe brauchen, können sie das ganze Jahr im Wohnzimmer verbringen. Der Standort kann hell bis schattig sein, jedoch ohne direkte Mittagssonne, die kann zu Blattverbrennungen führen. Besondere Anforderungen stellt er nicht, wenn er zweimal die Woche gegossen wird und man ihm einmal im Monat Kakteendünger gibt. Damit er sich buschig verzweigt, verpasst man ihm ab und zu einen Formschnitt, indem man der Mähne die längeren Ranken einkürzt. Als Substrat nimmt man keine Kakteen-, sondern Orchideenerde. Und da die Pflanzen als Tropenbewohner hohe Luftfeuchtigkeit lieben, stellt man mit Wasser gefüllte Schalen auf die Heizkörper.

Nackter Blütenkelch

Nun zu der im Winterquartier blühenden Ausnahme, dem Gymnocalycium. Eine artenreiche, in Südamerika beheimatete kugelförmige Gattung mit Durchmesser je nach Art von fünf bis zweiundzwanzig Zentimetern und grossen, oft schön gefärbten Dornen. Einen deutschen Namen scheint er nicht zu kennen, der botanische bedeutet «Nackter Blütenkelch», wegen seiner haarlosen Blütenknospe, und leitet sich ab von den griechischen Wörtern gymnos für nackt und kalyx für Becher. Der Gymnocalycium braucht einen Standort mit viel Licht, verträgt auch direkte Sonnenbestrahlung. Vorsicht mit Giessen, er ist nässeempfindlich, das Wasser darf nicht auf die Pflanze kommen. Im Winter giesst man gerade so viel, dass die Erde nicht austrocknet.

Auffallend sind die um 1940 in Japan gezüchteten Formen. Sie sind vollkommen rot (Gymnocalycium mihanovicchii forma rubra) oder gelb (Gymnocalycium mihanovicchii forma aurea). Diese Züchtungen besitzen kein Chlorophyll und werden auf einen grünen Kaktus gepfropft. Sie blühen aber und bilden Samen.

Der Gymnocalycium ist generell sehr blühwillig und blüht je nach Art hellgelb, fast blutrot, rosafarben oder weiss, allerdings erst, wenn er einen Durchmesser von etwa fünf Zentimetern erreicht hat. Die Blüten auf langen Röhren sind oft grösser als die Pflanze. Da er auch im ausgewachsenen Stadium zu den kleinwüchsigen Kakteen zählt, wirken verschiedene Exemplare auf kleinem Raum zusammengestellt besonders schön.

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