Orientteppiche – Wahre Bodenschätze

Knoten zählen, einen Faden anzünden – es gibt viele Wege, die Qualität eines Orientteppichs zu überprüfen. Die Hauptsache ist aber, dass er gefällt. Denn ein  Teppichkauf ist auch eine Herzensangelegenheit.

  • Esrafil Samadi arbeitet als «Rufugar», also als Teppichdoktor, das Handwerk hat er in Teheran gelernt..
  • Für die Reparatur eines Teppichs bestellt er die passenden Garne im Herkunftsland und färbt sie selber ein.
  • Esrafil Samadi bei der Arbeit.
  • Die Teppiche können nur mit präziser Handarbeit geflickt werden.
  • Die wichtigsten Werkzeuge für die Teppichreparatur.
  • Teppiche zu knüpfen braucht viel Fingerspitzengefühl.
  • Das berühmte Herati- oder Fischmuster – die dunklen Punkte stellen den Teich dar, rundherum springen die Fische.
  • Rot und Blau sind die typischen Farben eines Afghan.
  • Ein Bidjar ist meist steif und brettartig hart.
  • Das Flammenmuster des Indo Mir kennt man auch als Paisley.
  • Der Isfahan ist ein besonders edler Teppich, oft komplett aus Seide mit detailreichem Muster.
  • Der Nain gehört zu den beliebtesten Klassikern.

Nein, es war keine Liebe auf den ersten Blick. Als Niels Blättler vor bald zwanzig Jahren einen Orientteppich erben sollte, lehnte er dankend ab. «Was soll ich mit so einem Staubfänger?» Das dachte er damals. Heute ist der 40-Jährige als Category Manager für das Teppichsortiment sämtlicher Pfister-Filialen verantwortlich. Er fliegt mehrmals pro Jahr in den Iran, nach Nepal, Indien und Pakistan, um die Händler und Manufakturen vor Ort zu besuchen. Gemeinsam mit seinem Team entscheidet er, welcher Teppich die Reise in die Schweiz antritt. Der Mann, der ursprünglich nichts mit Knoten und Fransen zu tun haben wollte, gesteht: «Hätte ich damals geahnt, wie spannend Orientteppiche sind – ich hätte das Erbstück angenommen.»

Es ist noch gar nicht so lange her, da lagen in vielen Schweizer Stuben Perserteppiche. Doch Mitte der Achtzigerjahre brach die Nachfrage ein. Während die Einrichtung früher langlebig sein musste, waren plötzlich austauschbare Möbel, Teppiche und Textilien gefragt. Neben den Stilmöbeln landeten in jener Zeit auch etliche Orientteppiche in der Mulde. Doch nun ist der Knüpfteppich zurück. Egal, ob traditionell oder modern interpretiert, die handgearbeiteten Meisterwerke sind wieder salonfähig.

«Während man die Perserteppiche früher nur mit klassischen Möbeln kombinierte, ist man heute flexibler», sagt Fabian Hamzian, der das Orientteppich-Sortiment bei Möbel Märki  betreut. Die kunstvoll gestalteten Bodenbeläge haben viele Vorteile: Sie verbessern die Raumakustik, sorgen für gemütliche Atmosphäre und verbinden die Einrichtungsgegenstände  miteinander. In letzter Zeit setzen immer mehr Designer auf moderne Varianten der klassischen Muster. Sie reichen von der Umsetzung fotografierter Motive bis zu barocken Tapetenmustern. Eine gute Alternative für diejenigen, die das Knüpfhandwerk zwar schätzen, den typischen Motiven aber wenig abgewinnen können.

Knotenzählen und Brennprobe
Die Wiege der Knüpfteppiche liegt in Persien, dem heutigen Iran. Traditionell wird die Handwerkskunst aber auf einem Streifen von der Türkei über Aserbeidschan, Iran und Turkmenistan bis nach Afghanistan und Nepal ausgeübt. Indien und Pakistan sind typische Nachknüpfländer. Dort werden traditionelle Orientteppiche in fabrikähnlichen Betrieben hergestellt.

Früher rümpften Teppichkenner die Nase, wenn ein Läufer zwar nach Persien aussah, aber aus Indien stammte. Zu Unrecht, findet Pfister-Fachmann Niels Blättler: «Wenn die Herkunft deklariert ist und die Qualität stimmt, ist es nicht entscheidend, in welchem Land ein Teppich geknüpft wurde.»

Doch wann ist ein Stück hochwertig? Grundsätzlich gilt: Je mehr Knoten pro Quadratmeter Teppich geknüpft wurden, desto feiner ist die Qualität und desto grösser war der Aufwand bei der Herstellung. Je nach Teppichtyp sind über eine Million Knoten pro Quadratmeter denkbar. Mit den Knoten verhält es sich ein bisschen so wie mit den Pixeln beim Fotografieren. Je mehr Einzelpunkte vorhanden sind, desto schärfer ist das Bild beziehungsweise desto eindrucksvoller tritt das Teppichmuster hervor. Seriöse Anbieter vermerken neben der Herkunft des Teppichs und den verwendeten Materialien auch die Knotenanzahl pro Quadratmeter auf dem Preisschild.

Diese Angabe lässt sich mit wenig Aufwand nachprüfen. Dazu dreht man den Teppich auf die Rückseite und zählt die Knoten auf einer Fläche von 2,5 mal 2,5 Zentimetern, was einem Quadrat-Inch entspricht. Multipliziert man den so erhaltenen Wert mit 1600, erhält man die Anzahl der Knoten pro Quadratmeter. Niels Blättler rät, die Probe an mehreren Stellen durchzuführen, um einen aussagekräftigen Wert zu erhalten. Wer Vergleichszahlen und Preisempfehlungen für bestimmte Teppichtypen sucht, findet diese auf der Website der Schweizerischen Orientteppichhändler-Vereinigung SOV.

Normalerweise werden beim Knüpfen Wollgarne verwendet. Wenn der Kunsthandwerker die besonders reissfeste Seide verarbeitet, kann er die Knoten noch fester ziehen. Echte Seidenteppiche sind hochfein und glänzen charakteristisch. Da das Naturprodukt sehr kostbar ist, ist die Gewinnspanne entsprechend klein. Viele vermeintliche Seidenteppiche sind aus synthetischem Rayon oder aus merzerisierter Baumwolle geknüpft.

Der Teppichexperte von Pfister rät potenziellen Käufern, eine Brennprobe durchzuführen. Dazu löst man an der Teppichrückseite einen Knoten und zündet das Fädchen an. Echte Seide riecht beim Verbrennen stark nach Horn. Fehlt der typische Geruch, ist etwas faul. Seriöse Händler überreichen dem Käufer mit dem Teppich immer auch ein Echtheitszertifikat. Darauf sollten nicht nur Herkunft, Knotendichte und die verwendeten Materialien vermerkt sein, sondern auch die Adresse des Händlers.

Sie können mehrere Adresse einfügen, trennen Sie diese mit Kommas.
Empfehlung von (Ihr Name)
(Ihr Name) möchte Sie auf einen Inhalt der Webseite schweizerfamilie.ch aufmerksam machen.
Die E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt

Familienfreundliche Restaurants

Schweizer Familie auf Facebook

Fan werden

Ausflugs-Börse

Für jeden etwas dabei