Es gab Zeiten, da genügte ein auf dem Boden ausgerollter Schlafsack für eine Übernachtung am fremden Ort, ein Futon, und selbst auf dem zu kurzen Sofa der Freundin schlief man unverkrampft tief und fest bis in den späten Morgen hinein. Heute fühlt man sich in anderen Betten wie die Prinzessin auf der Erbse: Es drückt jede kleine Delle in der Matratze, man wälzt und wendet sich. Gerädert und mit steifem Rücken schält man sich am nächsten Morgen aus den feucht geschwitzten Laken und ist froh, dass die Nacht ein Ende hat.
Wieso ist das so anders als früher? «Ein junger Körper weist einen höheren Gewebetonus auf», erklärt Urs Schneider, Spezialarzt für orthopädische Chirurgie aus Zürich. «Er bewirkt, dass junge Leute gewissermassen auf dem eigenen Fett- Muskel-Wasserbett liegen. Das gleicht Unebenheiten aus, was zu weniger Druckstellen führt. Mit zunehmendem Alter nimmt der Tonus ab, und die Knochen sind weniger von straffem Gewebe umgeben. Nach dem 40. Altersjahr verringert sich auch der Muskelanteil des Körpers ständig. Es wird geschätzt, dass bis zu vier Prozent der Muskelmasse pro Jahr abgebaut respektive nicht regeneriert werden.» Einen weiteren Grund, dass junge Menschen auch auf ungeeigneter Unterlage gut schlafen, sieht der Mediziner in der Tatsache, dass der Schlaf in der Jugend tiefer ist. Junge leiden zudem weniger unter einer degenerativen Veränderung des Skeletts und besonders der Wirbelsäule, die den Schlaf auch bei geeigneter Unterlage stören kann.
Das perfekte Bett
«Ein optimales Bett passt sich dem Körper an», sagt Heinz Roth, der in Niederbipp ein Fachgeschäft für Liegen und Schlafen führt. Für beste Resultate müssen Einlegerahmen, Unterfederung, Matratze und Auflage(n) aufeinander abgestimmt sein. «Obermatratze und Einlegerahmen sind ein Team», so Heinz Roth. Ausgeklügelte flexible Matratzenunterfederungen, Bälle unter den Latten oder Federelemente balancieren die Bewegungen des Schläfers aus und entlasten so den Körper. Die Wirbelsäule liegt anatomisch korrekt, damit sie sich während des Schlafs entspannen und erholen kann. «Die Matratze sollte möglichst druckfrei sein. Der Einlegerahmen muss dafür die richtige Stütze am richtigen Ort gewährleisten. Deswegen sind Verstellmöglichkeiten in Schulter- und Lendenbereich wichtig», so der Fachmann. Wichtig ist es auch, die eigenen Schlafgewohnheiten und -bedürfnisse zu kennen, «Jeder Mensch ist anders. Auf die individuelle Körperkontur, die Grösse und das Gewicht sowie auf Krankheitsbilder muss Rücksicht genommen werden», erklärt der Experte Heinz Roth. Im Dienst für einen erholsamen Schlaf greift man daher sowohl auf modernste Technologien und Errungenschaften aus der Raumfahrtforschung wie auch auf die Schätze aus der Natur zurück.
Hightech fürs Bett
- Das Carbon Bed Luxe von riposa verfügt über eine Doppelfederung und lässt sich per Funk steuern. Preis ab 5980 Franken. www.riposa.ch
- Tempur ist ein viskoeelastisches Material, das ursprünglich von der Nasa für die Raumfahrt entwickelt wurde. Es reagiert auf Körperwärme und passt sich den Formen des Schlafenden an. Preis ab 1850 Franken. www.tempur-shop.de
- Beim Airbed 2000 kann innert Sekunden Luft ein- oder herausgelassen werden. Preis für ein Doppelbett 5000 Franken. www.magicschlaf.ch
- Das Wasserbett gilt als das anpassungsfähigste Bett. Neu gibt es Matratzen, die sich wie herkömmliche auch verstellen lassen. Zum Preis von 2600 bis 6000 Franken für ein Doppelbett kommen Stromkosten von 40 bis 50 Franken pro Jahr dazu. www.magicschlaf.ch
- Beim Ballbed ruhen die Latten auf Tennisbällen und passen sich der Bewegung des Schläfers an. Preis ab 950 Franken. www.ballbed.com
Allergien
- Auch bei bester Pflege lässt sich nicht vermeiden, dass sich nicht nur Menschen, sondern auch Hausstaubmilben im Bett wohlfühlen. Für Gesunde sind diese Winzlinge kein Problem, Allergiker und Asthmatiker leiden jedoch darunter. In den Stoff der AirPulse Matratze der Schweizer Firma Bico sind Mikroorganismen integriert. Sie schaffen eine nährstoffarme, unwirtliche Umgebung für Allergie verursachende Organismen. Preis ab 2300 Franken. www.bico.ch
- Auch aus dem Hause Roviva gibt es bezüglich Milben, Bakterien und Schimmelpilz ein neues Produkt: Silverskin nutzt die antimikrobiellen Hygieneeigenschaften von Silber und wird in den Matratzenstoff eingestrickt. Preis für Matratze Air space ab 1690 Franken. www.roviva.ch
Tipps für den Matratzenkauf
Für die Auswahl der richtigen Matratze sollte man sich genügend Zeit nehmen und sich von Fachpersonen beraten lassen. Schliesslich verbringen wir durchschnittlich einen Drittel unseres Lebens, rund 220 000 Stunden, im Bett.
Im Schlaf verändert der Mensch seine Haltung bis zu 60-mal. Dafür braucht es eine Matratze, die sich den Konturen des Körpers anpasst und die verschiedenen Körperzonen in jeder Schlafposition ohne Druckstellen unterstützt.
Bei vielen Anbietern können Matratzen zum Probeschlafen mit nach Hause genommen werden. Nutzen Sie dieses Angebot. Denn oft merkt man erst nach ein paar Tagen, wie gut man darauf wirklich schläft.
Allgemeine Regeln für Härtegrade aufzustellen ist schwierig. Was der eine als hart empfindet, kann für die andere immer noch zu weich sein. Ein Test des Konsumentenmagazins «K-Tipp» hat zwar gezeigt, dass die meistverkauften, mittelharten Matratzen sich für Schläfer von 45 bis 95 Kilo Gewicht gut eignen, doch letztlich entscheiden Ihr Körper, Ihr Druckempfinden, Ihre Schlafgewohnheiten und Ihre Vorlieben, welches Modell zu Ihnen passt.
Für Paare gibt es Doppelmatratzen mit zwei unterschiedlichen Kernen. So hat jeder seine passende Unterlage. Neben dem entsprechenden Härtegrad und der Stützfunktion je nach Schlafgewohnheit ist die Feuchtigkeitsregulation einer Matratze entscheidend. Pro Nacht schwitzen wir 3 bis 7 Deziliter. Die Matratze muss diese Flüssigkeit aufnehmen und abtransportieren können, sonst liegt man schnell im feuchten Schlafanzug. Ein Schaumstoffkern, der von mehreren feuchtigkeitsregulierenden Naturfaserlagen umgeben ist, eignet sich dafür besonders gut.
Die richtige Pflege
Unter der Matratze muss die Luft zirkulieren können, daher gehört sie nicht direkt auf den Boden. Saugen oder bürsten Sie die Matratze alle paar Monate. Wenden Sie sie alle zwei Monate. Stellen Sie die Matratze nicht an die Sonne, UV-Strahlung beschleunigt die Alterung von Schaumstoffmatratzen. Ein Molton schützt vor Schweiss und Flecken. Nach zehn Jahren sollte eine Matratze ersetzt werden.
Tipps und Adressen
Liege- und Schlafberatung
www.roth-wohnen.ch
Matratzentest 1/2010
www.ktipp.ch
























