Umweltfreundliche Heizungen

Sie können es heute mit Ölkesseln aufnehmen. Ein Wechsel lohnt sich. Wir zeigen die verschiedenen Systeme mit ihren Vor- und Nachteilen.

Die böse Überraschung ereilt viele Hausbesitzer jeweils im Oktober. Die Tage werden kälter, man will den Ölbrenner hochfahren – und es tut sich nichts. 30 Jahre lang hat die Heizung einwandfrei funktioniert. Doch jetzt ist sie kollabiert. Eine neue Heizung muss her; und zwar schnell. «In einer solchen Zwangslage bleibt keine Zeit, das passende Heizsystem zu evaluieren», sagt Thomas Ammann vom Hauseigentümerverband Schweiz. «Also greift man zur einfachsten Lösung – und lässt wieder eine Ölheizung installieren.» Geht es darum, die Heizung auszuwechseln, lautet deshalb sein wichtigster Tipp: «Kümmern Sie sich früh genug um den Ersatz.»

Nach wie vor steht heute in über 50 Prozent der Häuser ein Ölkessel. Obwohl es mittlerweile umweltfreundliche Heizsysteme gibt, die es preislich mit einer Ölheizung aufnehmen können. Wer jedoch die richtige Heizlösung für das eigene Haus finden möchte, braucht nicht nur den Überblick über Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme, sondern sollte sich generell Gedanken über den Zustand des Hauses machen. «Die Häuser, die vor der Erdölkrise in den Siebzigerjahren gebaut wurden, sind kaum gedämmt», sagt Thomas Ammann. «Mit einer guten Dämmung kann man den Energiebedarf fürs Heizen massiv senken.»

Um den Zustand seiner Liegenschaft zu prüfen, zieht man am besten einen Haustechniker oder einen Energieberater bei. Dafür gibt es kantonale Energiefachstellen, die weiterhelfen können. Oder man besucht die Webseite zum Gebäudeenergieausweis der Kantone. Dort sind über 1300 Energieberater und Haustechniker aufgelistet.

Der Sinn eines solchen Checks ist es, herauszufinden, wo die Schwachstellen des Gebäudes sind, was verbessert werden kann, wie teuer die Renovationen werden, wie viel Energie eingespart wird und welche Heizung am Schluss am besten passt. «Eine solche Expertise für ein Einfamilienhaus kostet um die 1500 Franken», sagt Thomas Ammann, «aber sie lohnt sich: Damit lässt sich bei der Erneuerung eines Hauses Geld sparen.» Die Kantone unterstützen Hausbesitzer, welche Massnahmen zum Energiesparen ergreifen. Durch ein geplantes Vorgehen kann man diese Fördergelder aus dem Gebäudeprogramm besser nutzen und die Ausgaben steuerlich optimieren.

Vorhandene Wärme nutzen

Wärme im Boden oder in der Luft. DieGrundsätzlich wird heute mit zwei Methoden geheizt: Entweder man verbrennt einen Energieträger wie Öl, Gas oder Holz, oder man nutzt die vorhandene fossilen Brennstoffe Öl und Gas sind im Gegensatz zu Holz nicht erneuerbar und nicht CO₂-neutral. Wer umweltfreundlich heizen will, setzt auf Holz oder auf eine Wärmepumpe.

Diese Wärmepumpen kommen vor allem bei Neubau-Einfamilienhäusern zum Zug. Ihr Einsatz hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Mittlerweile verkaufen sich in der Schweiz im Jahr mehr Wärmepumpen als Öl- und Gaskessel. Acht Prozent der Häuser werden bereits mit Wärmepumpen geheizt. Hierzulande haben sich vor allem zwei Systeme bewährt: die Sole-Wasser-Wärmepumpe und die Luft-Wasser-Wärmepumpe.

Für die Sole-Wasser-Wärmepumpe muss eine Erdsonde gebohrt werden. Das ist auf jeden Fall bewilligungspflichtig. 100 Meter unter der Oberfläche beträgt die Bodentemperatur zwischen 8 und 12 Grad. Für ein Einfamilienhaus bohrt man in der Regel 100 bis 180 Meter tief. Die Wärmepumpe nutzt die Bodenwärme und erhöht sie auf die Temperaturen, die man zum Heizen braucht. Sie funktioniert wie ein Kühlschrank, einfach umgekehrt. Statt der Kälte wird die erzeugte Wärme genutzt. Dazu ist Strom nötig. «Je besser das Haus gedämmt ist, desto weniger muss geheizt werden, und desto geringer ist der Stromverbrauch», sagt Thomas Ammann und präzisiert: «Um die Radiatoren eines alten Gebäudes heiss werden zu lassen, braucht man eine Vorlauftemperatur von 45 bis 55 Grad. Um ein gut gedämmtes Haus mit Bodenheizung gemütlich warm zu halten, genügt eine Vorlauftemperatur von knapp 30 Grad.»

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe funktioniert nach demselben Prinzip. Statt Bodenwärme nutzt sie jedoch die Umgebungsluft, deshalb braucht es für sie keine
besondere Bewilligung. Auch fallen die Kosten für die Erdsonde weg. Allerdings, schränkt Thomas Ammann ein, «ist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe weniger effizient als die Sole-Wasser-Wärmepumpe. Weil sie genau dann am meisten leisten müssen, wenn es draussen kalt ist.»

Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten nicht geräuschlos. «Wer ruhig schlafen möchte und auch keinen Streit mit Nachbarn will, sollte die Aussengeräte nicht
unters Schlafzimmerfenster stellen.»

Da Wärmepumpen mit Elektrizität angetrieben werden, arbeiten sie nur mit Ökostrom CO₂-neutral. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, deshalb stellt sich
dieses Problem bei Holzfeuerungen nicht. Dafür entsteht beim Verbrennen von Holz Feinstaub. Allerdings sind moderne Anlagen mit Filter ausgerüstet. 12 Prozent der Heizungen in der Schweiz sind Holzfeuerungen.

Für Einfamilienhäuser sind Pelletsowie Stückholzheizungen auf dem Markt. Holzschnitzelfeuerungen lohnen sich erst für grössere Bauten wie Schulhäuser oder Verwaltungsgebäude – oder für das Heizen ganzer Quartiere.

Pellets werden aus Sägespänen zusammengepresst, die in Sägereien und Zimmereien anfallen. Pelletheizungen können wie Ölbrenner aufgestellt und direkt an die bestehende Heizverteilung angeschlossen werden. Der Öltank lässt sich zum Pelletlager umfunktionieren. Pelletfeuerungen arbeiten automatisch – im Gegensatz zu Stückholzöfen, die von Hand beschickt werden müssen. «Das mag anfangs romantisch sein, doch es bedeutet Arbeit, dessen
muss man sich bewusst sein», sagt Thomas Ammann und fügt hinzu: «Zudem ist das Brennholz relativ teuer, wenn man keinen eigenen Wald hat.»

Energie von der Sonne

Früher wärmte eine Heizanlage nicht nur das Haus, sondern auch das Wasser. Heute sollte man dafür Sonnenkollektoren einsetzen. Übers Jahr betrachtet, können mit Hilfe von Sonnenenergie rund 70 Prozent des gesamten Warmwasserbedarfs eines durchschnittlichen Haushalts abgedeckt werden. Das entspricht 530 Liter Öl oder einer Tonne Pellets. «Es lohnt sich, fürs Warmwasser Sonnenkollektoren zu installieren – egal, für welches Heizungssystem man sich letztlich entscheidet», meint Thomas Ammann.

Nicht jedes Haus braucht eine eigene Heizung. In städtischen Gebieten sind auch Fernwärmenetze verbreitet. Meistens stammt die Wärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage. «Basel beispielsweise hat sich das Ziel gesetzt, das ganze Stadtgebiet an ein Fernwärmenetz anzuschliessen», weiss Thomas Ammann.

Neben Fernwärmenetze gibt es auch kleinere Wärmeverbunde. Sie nutzen die Abwärme von Gewerbebetrieben, betreiben zusammen eine Holzschnitzelanlage oder haben sich einer Biogasanlage angeschlossen. Zum Check, welche Heizung sich fürs Haus am besten eignet, gehört eine Anfrage bei der Gemeinde, ob die Möglichkeit besteht, sich einem Wärmeverbund anzuschliessen.

Ein Gespräch über den Gartenzaun könnte sich auch sonst lohnen. In vielen Quartieren wurden alle Häuser gleichzeitig hochgezogen. Folglich müssen die alten Ölkessel zur gleichen Zeit ausgewechselt werden. «Wenn sich in einem Quartier alle Einfamilienhausbesitzer zusammentun und gemeinsam eine umweltfreundliche Heizlösung suchen würden, könnten sie unter Umständen viel Geld sparen.»

 

 

GASHEIZUNG

Bedingung für eine Gasheizung ist, dass sich ein Haus ohne grossen Aufwand an ein Gasnetz anschliessen lässt. Gasheizungen sind kostengünstig und umweltfreundlicher als Ölheizungen. Modelle auf dem neusten Stand der Technik brauchen deutlich weniger Brennstoff. Eine Kombination mit einer Solaranlage ist sehr sinnvoll. www.erdgas.ch

 

 

KOMPONENTE GASHEIZUNG
1 Heizkessel 2 Boiler 3 Solaranlage

 

 

 

 

 

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