Der Esel – Des Menschen treuer Helfer

Was wäre der Samichlaus ohne den Esel? Was wäre die Menschheit ohne den langohrigen Dulder? Seit Jahrtausenden trägt er unsere Lasten für wenig Dank. Höchste Zeit, dem Esel tief in die Augen zu schauen und seine Weisheit zu entdecken.

  • Esel sind, entgegen der landläufigen Meinung, sehr klug.
  • Der Schrei eines Esels kann im Umkreis von drei Kilometern gehört werden.
  • Der vom Aussterben bedrohte somalische Wildesel, den man im Zoo Basel besuchen kann, gelten als Vorfahren der Hausesel.

Warnung: Der Blick in die Mandelaugen eines Esels birgt Risiken. Esel können Ihr Herz brechen, Ihr Leben auf den Kopf stellen, Sie zu einem neuen Menschen machen. Wer sich mit Eseln auseinandersetzt, ihren Charakter studiert, begibt sich auf einen Weg, der in ungeahnte Gefilde führt – und auf dem es oft kein Zurück gibt.

So erging es Margrit Ellena und ihrem Mann Guido. Tiere gehörten schon immer zum Leben des Ehepaars. Vor etwas mehr als zwei Jahren begannen sich die beiden auch für Esel zu interessieren. Sie beschlossen, sich zwei Langohren anzuschaffen. Der Stall mitsamt Sandplatz vor dem Einfamilienhaus im schaffhausischen Schleitheim war schnell gebaut, nur die Bewohner fehlten noch. Zwei sollten es sein, eine Stute mit Fohlen, gepflegt, gesund und gut erzogen.

Obwohl zwischen 5000 und 7000 Esel in der Schweiz leben, gestaltete sich die Suche schwierig. In der Deutschschweiz werden die meisten Esel als Hobby oder Liebhaberei gehalten. Eine geordnete Zucht gibt es nicht. Auch nicht im Tessin, dem einzigen Kanton, in dem Bauern für Esel Subventionen erhalten. Dort landen jedes Jahr viele Eselfohlen in der Metzgerei.

Letztlich fanden nicht die Ellenas ihren Esel; der Esel – genauer die Eselin – fand sie. «Ein Tessiner Händler bot uns eine hübsche Stute samt Fohlen an», erzählt Margrit Ellena. «Doch als wir auf seiner Weide standen, stupste mich von hinten eine struppige, hustende, hochträchtige Eselin an.» Sie hatte keinen Namen, bloss eine Nummer: 17. «Man spürte, dass sie den Kontakt mit Menschen nicht gewohnt war. Trotzdem wich sie mir nicht von der Seite.» Die Hartnäckigkeit von Nummer 17 wühlte Margrit und Guido Ellena auf. Nach einer schlaflosen Nacht beschlossen sie, das kranke Tier entgegen jeder Vernunft zu kaufen. Nummer 17 trat die Reise in den Norden an und erhielt den Namen Mona.

Wenn zwei Seelen sich finden
Genau einen Monat nach der Ankunft im neuen Zuhause, als sie sich sicher genug fühlte, gebar Mona ein gesundes Hengstfohlen: Kimi ist ihr fünftes Junges – und das erste, das nicht im Schlachthof enden wird. Eselstuten können den Termin der Geburt bestimmen und ihn bis zu drei Wochen hinauszögern. «Unsere Angst, Mona könnte ihr Fohlen während der Fahrt bekommen, war völlig unbegründet.»

Die Begegnung mit Mona, das Vertrauen, das ihr dieses Tier seither entgegenbringt, berührt Margrit Ellena tief. «Ich hatte Hunde und liebte sie. Auch unsere beiden Katzen stehen mir nah. Aber was ich täglich in der Beziehung zu Mona und Kimi erleben darf, ist einzigartig. Ich hätte nie gedacht, dass ein Tier derart feinfühlig sein kann.» Deshalb griff die Schulleiterin zum Bleistift und brachte ihre «Seelenverwandtschaft mit einem Esel» zu Papier. Ihr Mann liess das Manuskript drucken. «Ohne Esel hätte ich nie ein Buch geschrieben», sagt Margrit Ellena, und ihr Blick wandert zum Stubenfenster, durch das der Stall zu sehen ist: Mutter und Sohn zupfen ebenso einträchtig wie bedächtig Halme aus ihrem Heunetz.

Zurück zum Dossier Tier-Reportagen

Sie können mehrere Adresse einfügen, trennen Sie diese mit Kommas.
Empfehlung von (Ihr Name)
(Ihr Name) möchte Sie auf einen Inhalt der Webseite schweizerfamilie.ch aufmerksam machen.
Die E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt

Familienfreundliche Restaurants

Schweizer Familie auf Facebook

Fan werden

Ausflugs-Börse

Für jeden etwas dabei