Sie blickten in die Pappkiste, die ihnen eine grosse Baufirma überlassen hatte. Sie war voll mit alten Mobiltelefonen. Die meisten waren zuvor im Bauschutt gelandet oder von einem Fahrzeug überrollt worden. Nun erfüllten sie keinen Zweck mehr. Niemand wollte sie haben.
Wegwerfen kam nicht in Frage für David Pain, 25, und Patric Glanzmann, 24. Doch was sollten sie sonst mit all diesen Telefonen anfangen? Plötzlich ergab ein Gedanke den nächsten. Etwas Gutes tun: flicken, versteigern, spenden.
Mit der Reparatur von Mobiltelefonen kennen sich die beiden Basler Jungunternehmer aus. Seit vier Jahren erwecken sie alte Smartphones zu neuem Leben. Das ist ihr Beruf. «Es gibt kaum einen Defekt, den wir nicht beheben können», sagt Pain. Das galt auch für die geschenkten Handys im Pappkarton. Pain und Glanzmann flickten die Geräte und versteigerten sie auf der Internetverkaufbörse Ricardo.
Unter www.iSpende.ch kreierten sie eine eigene Homepage und baten ihre Kunden um weitere Alt-Handy-Spenden. 100 Handys sind seit Weihnachten im Basler Büro eingetroffen. 2000 Franken sind bereits in die Spendenkasse geflossen. Das Geld geht an die Aktion «Jeder Rappen zählt» von Schweizer Radio und Fernsehen und der Glückskette. «Eine kreative Idee, die verbindet», findet Glücksketten-Sprecherin Priska Spörri. «Drei Parteien leisten ihren Beitrag für eine gute Sache: die Handyspender, die Jungunternehmer und die Käufer.»
Dass es überhaupt zu dieser Idee kommen konnte, ist nicht selbstverständlich. Die Jungunternehmer hatten dafür einen weiten Weg zurückgelegt. 800 Kilometer, um genau zu sein. Diese Distanz trennte Patric Glanzmann, den Basler Geräteinformatiker, und David Pain, den Ingenieur aus Wien, als sie sich vor gut vier Jahren in einem Internetforum für Apple-Fans kennenlernten und Freunde wurden. Bei ihrem ersten Treffen in Basel kreisten ihre Gespräche vor allem um eine Frage: Warum werden ausgediente Mobiltelefone nicht weiter benützt? «Jeder will heute das neuste Handy besitzen, aber kaum einer kümmert sich um das alte Gerät», sagt David Pain. «Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, und das stört uns.»
Dagegen wollten die beiden Männer etwas tun. Sie begannen in ihrer Freizeit zu basteln und zu tüfteln und machten alte Mobiltelefone wieder heil. Bald wurde daraus ein Geschäft, und die beiden Männer eröffneten je eine Klinik für Smartphones in ihrer Heimat. Vor einem Jahr legten sie ihre Firmen zusammen und gründeten iReparatur, benannt nach dem iPhone. Auf ihrem Schreibtisch landete seither schon manch ein Mobiltelefon mit einer bewegten Vergangenheit. So hatte einmal ein Kunde sein Handy auf dem Autodach vergessen. Er fuhr mehrere 100 Kilometer auf der Autobahn. Erst beim Abbremsen an der italienischen Grenze fiel das Gerät zu Boden. «Heute ist es wieder wie neu», sagt David Pain.
Retten können Pain und Glanzmann auch die meisten gespendeten Telefone. Sie sortieren und flicken sie auf eigene Kosten. Zu viel wird ihnen das nicht. «Wir lieben unsere Arbeit und haben nichts gegen eine 60-Stunden-Woche», sagt David Pain. «Wenn mit dem Erlös am Ende eine Schule gebaut wird, ist es jede Mühe wert.»
DIE iPHONE-REPARATUR-WERKSTATT:
David Pain und Patric Glanzmann führen zwei Unternehmen:
- Bei iReparatur können Sie Ihr defektes iPhone reparieren lassen. www.ireparatur.ch
- Bei iSpende können Sie Ihr altes, defektes Handy abgeben. (Es werden alle Modelle und auch iPads angenommen.) Es wird repariert, versteigert und der Erlös für einen guten Zweck gespendet. www.ispende.ch
- Kontakt: Unique Projects GmbH, Emil Frey-Strasse 167, CH-4142 Münchenstein
E-Mail: info@ireparatur.ch, Telefon: 061 511 98 42
WEITERE INFORMATIONEN:
Hier können Sie Ihr defektes Handy ebenfalls reparieren lassen:
- Die Handy Clinic: www.handyclinic.ch
- Fair Repair: www.fair-repair.ch
- Der iPhone-Doktor: www.iphonedoktor.ch
























