Lichterglanz, Sternenfunkeln, Engelsgesang: Jahr für Jahr lauschen wir gebannt der Weihnachtsgeschichte. Wir möchten hören, wie Josef mit der hochschwangeren Maria in Bethlehem eintrifft und nur mit Not einen Stall als Unterkunft fi ndet. Wie dort das Baby zur Welt kommt und einen Moment die Zeit stillsteht, weil Gott, so sagt es die Bibel, jetzt Mensch geworden ist.
Und wir wissen: Kaum liegt das Jesuskind in der Krippe, stürzen die Hirten herbei. Stets machen sie dabei einen verwirrten Eindruck, ist ihnen doch ein Engel erschienen. «Fürchtet euch nicht», hat der gesagt. «Ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren.» Das Lukas-Evangelium, dem wir die Weihnachtsgeschichte verdanken, verliert aber kein Wort über das Licht, das die heimliche Szene im Stall umfl iesst. Trotzdem haben wir es immer vor Augen. Auf nahezu allen Bildern, die von der Krippenszene gemacht wurden, ist das Jesuskind in ein magisches Licht getaucht. Es verleiht dem Stall eine Wärme ohnegleichen und leuchtet tief in unsere Herzen hinein.
Ungewiss ist, ob das Licht vom Himmel herabstrahlt oder ob es von dem Kind ausgeht. Das würde nicht erstaunen, scheint doch die Person Jesu selbst von einem Leuchten erfüllt zu sein, das über Jahrtausende hinweg nicht nur gläubige Christen in den Bann gezogen hat, sondern auch jene, die der Kirche fernstehen. Ja sogar Menschen, die gar nicht an Gott glauben, zeigen sich von Jesus ergriffen.
Die Zweifel an Jesus
Keine zweite Person der Geschichte hat so viele Menschen fasziniert wie der Mann aus Galiläa. Seine Botschaft der Nächstenliebe, sein Plädoyer für Vergebung und Versöhnung, die grenzenlose Menschenfreundlichkeit: Das lässt keinen kalt. Mögen die Menschen heute den Kirchen weglaufen – Jesus halten sie die Treue. Und doch steht gerade er wie kein Zweiter in Zweifel. Damit ist nicht einmal die Frage gemeint, ob es sich bei Jesus tatsächlich um Christus, also den von Gott gesandten Messias, handelt. Denn das ist, wie sogar Papst Benedikt XVI. in seinem Buch «Jesus von Nazareth» schreibt, ein
«Glaubensentscheid».
Ob Jesus der Sohn Gottes ist – das kann man nicht wissen, nur glauben. Nein, die Zweifel fangen mit seiner menschlichen Existenz an. Die grossen Fragen
lauten: Hat Jesus wirklich gelebt? Und wenn ja: War er nicht vielleicht ganz anders, als ihn die Evangelisten im Neuen Testament dargestellt haben? Es kursieren die abenteuerlichsten Geschichten: Frau und Kind soll er gehabt haben. Ein lebenslustiger Aussteiger könnte er gewesen sein. Oder die, dass er nicht am Kreuz gestorben, sondern heimlich nach Indien ausgewandert sei, um dort ein Yogameister zu werden. Feiern wir an Weihnachten einen Hochstapler?
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Mehr zum Thema im Artikel «Jesus, die Frauen und Spuren des Neuen Testaments»
























