Schweizer Familie: Warum sind Sie ausgerechnet nach Frankreich ausgewandert?
Verena Renzi-Käppeli: Am 1. Mai 1963 kam ich aus der Deutschschweiz nach Genf, um französisch zu lernen. Ein Jahr später lernte ich meinen Mann kennen, und 1965 heirateten wir. Wir lebten 38 Jahre im Kanton Genf und suchten in den 1980er-Jahren Land, um ein eigenes Haus zu bauen. Aber die Preise waren viel zu hoch. Ennet der Grenze, in Orcier oberhalb von Thonon-les-Bains, fanden wir, wonach wir gesucht hatten: eine fantastische Aussicht auf den Genfersee, Berge und Wälder.
Wem sind Sie in Ihrer neuen Heimat zuerst begegnet?
Unseren Nachbarn. Wir mochten sie gleich. Bis heute kann ich sagen, dass wir hier mit allen Leuten gut auskommen.
Wie wohnen Sie?
Wir haben uns ein Chalet gebaut. Das passt wunderbar in die Berge. Es ist umgeben von einem grossen Garten, wie ich es mir immer gewünscht hatte.
Wie ist das Klima in Orcier?
Wir haben öfter Nebel, aber auch viel Sonnenschein und natürlich gute, gesunde Bergluft.
Wie riecht es, wenn Sie das Fenster öffnen?
Nach Wald, Blumen und Tieren. In der Umgebung hat es Kühe, Pferde, Schafe, Esel und Ziegen – und ja, manchmal riecht es auch nach Kuhmist.
Kann man bei Ihnen Wasser aus der Leitung trinken?
Und wie! Wir haben herrlich sauberes Bergwasser.
Wie weit ist es zur nächsten Einkaufsmöglichkeit?
Nur etwa 10 Minuten.
Und zu den nächsten Nachbarn?
Etwa 10 Meter, sie wohnen gleich nebenan.
Ist es in Frankreich gefährlicher als in der Schweiz?
Man begegnet hier öfter einem Wildschwein, Rehen oder Füchsen. Aber die sind harmlos. Der Strassenverkehr hingegen ist schon einiges gefährlicher als in der Schweiz.
Was unterscheidet die Franzosen von den Schweizern?
Sie sind bessere Gastgeber und laden viel öfter ein.
Was sagen Ihre Nachbarn und Freunde über die Schweiz?
Sie finden die Schweiz ein wunderbares Land mit unzähligen Orten, wo man herrliche Ferien erleben kann. Wenn da nur die Preise nicht wären!
Welches landestypische Essen mögen Sie nicht?
Es gibt, glaube ich, nichts, was ich nicht essen würde.
Was kostet ein Brot in Frankreich?
Ungefähr zwischen 85 Cent und 1,50 Euro.
Was kostet ein Coiffeurbesuch in Frankreich?
Je nachdem. Ein einfacher Schnitt kostet um die 35 Euro. Aufwendigere Sachen wie Färben oder Dauerwellen bis zu 100 Euro.
Wie oft kommt die Müllabfuhr?
Jeden Montag.
Was stört Sie in Frankreich?
Vor allem die älteren Menschen: Sie haben harte Köpfe und sind richtige Dickschädel.
Was vermissen Sie von der Schweiz?
Im Grunde nichts. Wir leben hier wie in der Schweiz. Sie ist ja geografisch ganz nah. In 30 Minuten sind wir in Genf.
Sind Sie glücklicher in Frankreich?
Ja, ich habe endlich mein eigenes Haus, meinen Garten und sogar eine Kakteensammlung. Und trotzdem bin ich in der Nähe meiner Kinder und Enkelkinder.
Interessieren sich Ihre Kinder für die Schweiz?
Ja, Serge und Franca, sie arbeiten auch beide in Genf.
Was müssten Besucher aus der Schweiz mitbringen?
Unbedingt eine Berner Rösti!
Haben Sie manchmal Heimweh?
Ja. Je älter ich werde, desto häufiger habe ich manchmal Heimweh nach der Deutschschweiz.
Wovor haben Sie am meisten Angst?
Das ist ganz einfach: Vor der Dunkelheit! Ich brauche Licht, Sonne, Helligkeit.
Möchten Sie in der Schweiz oder in Frankreich begraben werden?
Ich möchte, dass meine Asche in meinem Blumengarten hier in Frankreich verstreut wird.




























