Wandern mit Kindern

Vom Tierpark Langenberg zum Naturzentrum Sihlwald, wo Braunbäre, Wölfe, Luchsen oder Wisenten gehalten werden.

  • Eine richtige Wasserratte: der Braunbär
  • Tastet sich zurück in seine Heimat : Braunbär
  • Seit 1995 im Langenberg : Wölfe im Wildnispark

Zeit haben und beobachten
Der Sihlwald ist der grösste zusammenhängende Buchenmischwald der Schweiz. Er darf sich zu einem Naturwald ohne menschliche Eingriffe entwickeln
– und das vor den Toren des Ballungsraums Zürich. Welch ein Kontrast. Wildnispark Zürich nennen sich seit 2009 die Naturlandschaft Sihlwald und der Wildpark Langenberg. Im Wildpark werden einheimische und ehemals einheimische Tiere gehalten. Er beherbergt neben grossen Tierarten wie Braunbären, Wölfen, Luchsen oder Wisenten auch Wildschweine, Steinböcke, Feldhasen und Murmeltiere.

Vorbildlich im Langenberg sind die weiträumigen, naturnah gestalteten Anlagen, die den Tieren vielfältige Strukturen und Rückzugsmöglichkeiten anbieten. Hier erleben wir die Tiere fast wie in freier Wildbahn. Manchmal ist auch Geduld gefragt, denn nicht immer sind sie sofort zu erspähen – aber wir haben ja den ganzen Tag Zeit. Verbinden wir also eine Wanderung durch den Wildpark mit einem Besuch im Naturzentrum Sihlwald. Eine herrliche Kombination von Wald und Wildnis, von Tieren und spannenden Themen.


Durchs Amphibienbiotop
Zürichs Betriebsamkeit entfliehen wir mit der S4. Eine halbe Stunde dauert die Fahrt mit der Sihltalbahn vom Hauptbahnhof bis zur Station Wildpark-Höfli. « Langenberg 30 Minuten » steht auf gelbem Wegweiser. Nach wenigen Schritten empfängt uns das Amphibienbiotop. Vom Frühling bis in den Herbst können Besucher Laich und Kaulquappen, manchmal auch ausgewachsene Amphibientiere beobachten. Informationstafeln vermitteln Wissen, regen aber auch zum Nachdenken an. Da lesen wir, dass Frösche und andere Amphibien weltweit vom Aussterben bedroht sind. Oder dass in der Schweiz 20 Amphibienarten
leben – und davon 14 auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen. Doch es wird nicht nur gemahnt, sondern auch zum aktiven Mittun aufgefordert : Wie kann man die Lebensräume der Amphibien erhalten, wie neue Lebensräume schaffen?

Das Heulen der Wölfe
Auf dem Amphibienpfad geht es durch den Wald aufwärts. Die grosse Wolfsanlage ist ein Höhepunkt des Parkbesuchs. Seit 1995 werden im Langenberg Wölfe gehalten, in einer weiträumigen, naturnah gestalteten Anlage. Höhlen und andere Rückzugsmöglichkeiten machen es den Besuchern nicht immer leicht, das Wolfsrudel auszumachen. Ein Feldstecher ist eine wertvolle Hilfe. Warum nicht einmal früh am Morgen oder am Abend in den Langenberg? Oder an einem kalten Wintertag? Dem Heulen der Wölfe lauschen und die Geschehnisse in Ruhe beobachten : das Verhalten der Tiere im Rudel und die  Rangkämpfe während der Paarungszeit im Februar.

Einst war der Wolf weit verbreitet. Er bewohnte ganz Nordamerika und Europa, auch Teile von Asien. Wie Luchs und Braunbär wurde er gegen Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts ausgerottet. Heute erobert er allmählich seine ursprünglichen Lebensräume zurück. Der wissenschaftlich geführte Park klärt auf über die Rückkehr von Wolf und Bär, und er beteiligt sich an nationalen und internationalen Wiederansiedlungsprojekten.

Wilde Tiere – manchmal unsichtbar
In einer volierenartigen Anlage sind die Wildkatzen untergebracht. Von einer Informationstafel erfahren wir, dass Wildkatzen eine ausgeprägte Körpersprache haben : Mit Mimik, Schwanzstellung und Körperhaltung zeigen sie ihre Stimmung. Sie deuten auch den Gesichtsausdruck bei anderen Tieren – und beim Menschen. Deshalb Augen zukneifen, um nicht drohend zu wirken. Doch obwohl wir uns an diesen Ratschlag halten : Von der Wildkatze ist nur ein Rascheln im Gebüsch zu hören.

Auch die Braunbären sind nicht immer zu sehen. Die grossflächige Anlage bietet ihnen viele Verstecke. Die Beschilderung am Gehege und eine «Bär-aktuell »-Tafel informieren über den Lebensraum von Meister Petz und die Situation frei lebender Bären. In der begehbaren Wildschweinanlage gegenüber sind wir dann aber mittendrin im Geschehen.

Auf Sichtweite teilt die Albisstrasse den Wildpark in zwei Teile. Während im Hauptteil mit Restaurant, Grill- und Spielplätzen an Schönwettertagen viel Rummel herrscht, führen Wisente, Elche, Rehe, Füchse und Wildpferde im Westteil ein ruhigeres Dasein. Entdeckungen und Exkursionen Beobachtungsplattformen ermöglichen Einsichten in die grosszügig gestaltete Luchsanlage. Von dort wandern wir an der Kirche vorbei und hinab zum Bahnhof von Langnau. Der Wanderweg führt am Ufer der Sihl entlang bis zum Naturzentrum Sihlwald. Wer mit Kindern unterwegs ist, kann für diese Strecke auch die Sihltalbahn benutzen ; das Naturzentrum befindet sich nur eine Station vom Bahnhof Langnau entfernt. Das Tor zum Sihlwald lädt zu Entdeckungen und Exkursionen ein : Ausstellungen über den Wald und seine Bewohner, eine Fischotter- und Biberanlage, ein Walderlebnispfad. Ein Aufenthalt im und um das Naturzentrum ist schon alleine einen Ausflug wert.


Was fliegt denn da?
In der Voliere am Mythenquai 1 leben über 40 verschiedene, vorwiegend exotische Vogelarten. Sie ist nicht nur Begegnungsstätte mit naturnah gestalteten Innen- und Aussenanlagen, die HelpBird-Vogelpflegestation leistet auch gezielte Hilfe für kranke, verletzte oder aus dem Nest gefallene einheimische Wildvögel. Aussenvolieren ganzjährig durchgehend geöffnet, Besucherhalle Dienstag bis Sonntag 10–12 und 14–16 Uhr, Eintritt frei, www.voliere.ch. « Wer Tiere kennt, wird Tiere schützen » ist das Motto des Zoo Zürich. Der Zoo engagiert sich in internationalen Zuchtprogrammen und  Wiederansiedlungsprojekten. Ganzjährig geöffnet, März bis Oktober 9–18 Uhr, November bis Februar 9–17 Uhr. Eintritt Kinder 6–16 Jahre Fr. 11.–, Jugendliche 16–25 Jahre Fr. 16.–, Erwachsene Fr. 22.–, www.zoo.ch.


Route:
SZU-Station Wildpark-Höfli ( 450 m ) – Langenberg ( 570 m ) – Langnau Kirche ( 544 m ) – Langnau a. A. ( 468 m ) – Naturzentrum Sihlwald ( 481 m )


Wanderzeiten: 2 ½ Std. mit jeweils 120 m Auf- und Abstieg. Wildpark individuell, aber mindestens 2 Std.
Tourencharakter /Schwierigkeit: T1. Halbstündiger Aufstieg von der SZUStation Wildpark-Höfli zum Tierpark Langenberg. Einfache Wald- und Spazierwege.
Von Langnau am Albis entlang der Sihl zum Besucherzentrum in Sihlwald. Gelbe Wegweiser
Hinweise: Der Hauptteil der Tieranlage Langenberg ist ganzjährig geöffnet, frei zugänglich und gratis. Westteil, Wildkatzenanlage und begehbare Wildschweinanlage mit reduzierten Öffnungszeiten. Infos : Stiftung Wildnispark Zürich, Alte Sihltalstrasse 38, 8135 Sihlwald, Tel. 044 722 55 22. Besucherzentrum Sihlwald mit Infos zum Wildnispark, Museum, Shop und Café : März bis November, Di–Sa 12–17.30 Uhr, So und allg. Feiertage 9–17.30 Uhr, Eintritt Museum Erwachsene Fr. 6.–, Kinder Fr. 3.–. Umfangreiches Jahresprogramm mit Sonderausstellungen, Exkursionen und Kursen, Führungen für Schulklassen, Walderlebnispfad u. a., www.wildnispark.ch

Varianten: Aussichtsreiche Wanderung vom Albispass ( Bushaltestelle ) zum Hochwachtturm, weiter zum Albishorn und zum Besucherzentrum in Sihlwald,
ca. 3 Std. Rundwanderung auf dem Walderlebnispfad beim Besucherzentrum Sihlwald, ca. 2 Std.

Beste Jahreszeit: Ganzjährig
Verpflegung /Unterkunft: Restaurant Langenberg, www.restaurant-langenberg.ch, Café beim Besucherzentrum Sihlwald. Hotels und Restaurants in Zürich und Langnau am Albis
Karten: Landeskarte der Schweiz 1 :25 000, Blätter 1091 « Zürich », 1111 « Albis »
Anreise /Rückreise: Mit der Bahn nach Zürich. Mit der SZU ( S-Bahn S4 ) bis Station Wildpark Höfli oder mit diversen Buslinien. Fahrpläne unter www.zvv.ch,
www.szu.ch und www.vbz.ch.

Internetlinks: www.stadt-zuerich.ch www.zuerich.ch www.zuercher-wanderwege.ch

Die Sommerserie ist in Zusammenarbeit mit dem Werd-Verlag entstanden. Die Inhalte stammen aus dem Buch «Wanderungen zu Tier- und Wildparks» von Jochen Ihle.

Werdverlag

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