Vorhang auf
Von der Fiescheralp zum Märjelensee. Welch eine Wanderung, welche Kontraste. Alpweiden und Wollgräser, kleine Tümpel und ein polarfrischer Gletschersee, rund geschliffene Felsen und herabfliessende Eisströme. Den würdigen Rahmen bildet das eisgepanzerte 4000er-Panorama der Walliser und der Berner Alpen.
Für den Rückweg wählen wir die Abkürzung durch den Stollen unter dem Tälligrat hindurch. Nach 1000 Metern Dunkelheit geht am anderen Ende des Tunnels der Vorhang auf, und wir wandern hoch über dem Fieschertal zurück nach Kühboden. Drunten im Tal, in Fiesch, bummeln wir durch den Tierpark Aletsch, der mit einem neuen Konzept der Tierhaltung in die Zukunft geht.
Schwindender Gletschersee
Die Luftseilbahn Fiesch-Eggishorn schwebt hinauf zur grossen Walliser Rundumsicht. Wir verlassen die Seilbahn jedoch schon bei der Station Fiescheralp-Kühboden und wandern in Richtung Unners Tälli. Eine aussichtsreiche Rundwanderung erwartet uns, die gegen Ende allemal noch mit einem Abstecher auf das Eggishorn gewürzt werden kann. Doch zunächst schauen wir in die Tiefe. Der Aussichtspunkt am Ausläufer des Tälligrats beschert herrliche Blicke auf den Fieschergletscher.
Der Eisstrom fliesst vom Gross Fiescherhorn herab und wird flankiert von Grün und Wannenhorn sowie vom Finsteraarhorn. Geröll und Steine bedecken
teilweise das Eis, verleihen dem Gletscher ein graues Gesicht. An seiner Gletscherzunge tritt der Gletscherbach Wysswasser zutage, welcher unten im Tal bei Fiesch in die Rhone mündet.
Durch das Tal der Märjela ist schon bald der aufgestaute Vordersee erreicht, der durch einen Erddamm abgeschlossen wird. Rechts ragt das Strahlhorn in die Höhe, links das Eggishorn. Beide geben einen Vorgeschmack auf noch folgende Aussichten. Vorbei an der Gletscherstube, einer bewirtschafteten Berghütte, wandern wir durch eine Landschaft, die geprägt ist von rund geschliffenen Felsen, Wollgräsern und kleinen Tümpeln. Im Märjelensee treiben die Eisschollen. Das Gletscherschliffgelände rund um den auf Mini-Format geschrumpften See gibt einen Eindruck davon, wie gross dieser See einst war.
Die runden Felsen sind bequeme Rastplätze, laden ein zum Schauen und Nachdenken. Ganz nah ist der Eispanzer des Grossen Aletschgletschers. In Zeiten
der Klimaerwärmung zieht auch er sich zurück.
Tunnel oder Gipfel
Mittaghorn, Aletschhorn und Fusshörner sind nur einige von vielen Spitzen, die vis-à-vis des Aletschgletschers in die Höhe ragen. Und auch die Wandermöglichkeiten sind vielfältig. Im Bereich um den Märjelensee und die Gletscherstube sind mehrere Varianten für den Rückweg möglich. Man kann über die Rote Chumme zum Bettmergrat wandern und mit der Gondelbahn zur Bettmeralp hinabschweben. Oder über den Tälligrat steil aufsteigen zum Eggishorn, von dessen Gipfel sich ein umfassender Blick über den Grossen Aletschgletscher bietet : Man blickt ins Rhone- und ins Binntal, in südlicher Richtung zu Weisshorn und Matterhorn, nach Norden zu Jungfrau, Aletsch- und Bietschhorn. Hinab zur Fiescheralp und nach Fiesch geht es dann bequem mit der Gondelbahn.
Spannend für Kinder gestaltet sich der Weg, welcher durch einen Tunnel unter dem Tälligrat hindurch führt. In unmittelbarer Nähe der Gletscherstube befindet sich der Eingang zum begehbaren Stollen. 1000 Meter lang ist der spärlich beleuchtet Gang. Eine Taschenlampe ist von Vorteil. Bei Obers Tälli tritt der Stollen zutage, da blinzeln wir angestrengt ins Gegenlicht, ehe das Auge wieder Ruhepunkte findet : Weiden und Wiesen und einen breiten Wanderweg, der zurück nach Kühboden führt.
Familien willkommen
Direkt bei der Talstation der Luftseilbahn, in leichter Hanglage, befindet sich der Tierpark Aletsch. Er wurde im Jahre 1968 gegründet ; die Gehege wurden damals in privater Initiative erbaut und beherbergten in dieser Zeit eine Hirschkuh, Zwergziegen, Murmeltiere, Mufflons, Gänse und Steinböcke. Später kamen u. a. Murmeltiere, Hirsche, Ponys und Damhirsche hinzu. Im Jahre 1999 wurde der « Wildpark Aletsch » in « Tierpark Aletsch » umbenannt. Denn neben Wildtieren werden im Park auch einheimische und selten gewordene Tierrassen, wie Walliser Landschafe oder Walliser Schwarzhalsziegen, gehalten.
Inzwischen ist ein Ausbau der Anlage im Gange. Grössere Gehege, die eine artgerechte Haltung erlauben, entstehen. Der Tierpark Aletsch beinhaltet auch einen Streichelzoo, schliesslich schmückt sich Fiesch mit dem Gütesiegel « Familien willkommen ». Kindern soll spielerisch Wissen über die Tiere vermittelt werden, und für Familien ist der Park auch Ausgangs- oder Endpunkt für einfache Wanderungen.
So lässt sich der Tierpark ideal mit dem « Gogwärgiweg », dem Zwergenweg von der Fiescheralp nach Fiesch, verbinden. Und vom Tierpark führen schöne Wege am Bach entlang ins Fieschertal und weiter bis zum Fieschergletscher, den wir schon von hoher Warte aus, auf dem Weg zum Märjelensee, bestaunt haben.
Wölfe, Adler, Bären und Dachse
Auf der Riederalp steht die Villa Cassel. Das Naturschutzzentrum von Pro Natura ist das Eingangstor zum Unesco-Welt-naturerbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn. Zahlreiche Angebote wie Kurse und Exkursionen, naturkundliche Ausstellungen, Alpengarten und Naturlehrpfad locken. Auf geführten Wildbeobachtungen ist man frühmorgens Birkhähnen und Hirschen auf der Spur. Sommersaison Mitte Juni bis Mitte Oktober, täglich 9–18 Uhr, www.pronatura.ch/aletsch. Auf der Bettmeralp informiert der Murmeltierlehrpfad über das Leben der Nagetiere, 1–2 Std., www.bettmeralp.ch. Zwischen Eischoll bei Raron und Ergisch gibt es einen Wolfspfad, 2 Std. ; in Ergisch einen Adlerpfad, 4¾ Std. ; zwischen Unter- und Oberems einen Bärenpfad, 2¾ Std. ; in Agarn einen Dachspfad, 3 Std., www.rund-um-visp.ch und www.turtmanntal.ch.
Route: Fiesch/Tierpark Aletsch ( 1049 m ) – Seilbahn bis Fiescheralp ( 2212 m ) – Kreuzung ( 2180 m ) – Unners Tälli ( 2244 m ) – Tälligrat P. 2386 – Märjelewang ( 2346 m ) – Vordersee ( 2364 m ) – Gletscherstube ( 2357 m ) – Märjelensee ( 2300 m ) – Gletscherstube ( 2357 m ) – Tunnel – Obers Tälli ( 2335 m ) – Station Fiescheralp ( 2212 m )
Wanderzeiten: 4 Stunden mit jeweils 202 m Auf- und Abstieg ( Fiescheralp – Unners Tälli – Märjelensee 2¾ Std., Märjelensee – Tunnel – Obers Tälli –
Fiescheralp 1 ¼ Std. )
Tourencharakter /Schwierigkeit: T3. Wenig schwierige Bergwanderung. Für den Tunnel ist eine Taschenlampe empfehlenswert. Weiss-rot-weiss markierte
Bergwege
Hinweise: Der Tierpark Aletsch befindet sich an der Talstation der Luftseilbahn Fiesch-Eggishorn. Geöffnet Juni bis Oktober, Eintritt frei, Tel. 027 970 60 70.
Betriebszeiten Luftseilbahn Fiesch- Eggishorn : Anfang Juni bis Mitte Oktober : Fiesch – Fiescheralp 8.15–18.15 Uhr, alle 30 Min. ; Fiescheralp – Eggishorn
9–16.30 Uhr, alle 30 Min., Mitte Juli bis Ende August morgens und abends jeweils 30 Min. länger ( früher bzw. später ), www.eggishorn.ch
Varianten: Auf dem Unesco-Höhenweg von der Bergstation Bettmerhorn über die Elselücke zur Bergstation Eggishorn. Weiss-blau-weiss markiert, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, 3 Std., T4. Von der Fiescheralp auf das Eggishorn 2 ½ Std., T3, oder zur Riederalp, 2 ½ Std., T2
Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober
Verpflegung /Unterkunft: Bergrestaurant Eggishorn, Horli Hitta oberhalb Bergstation, Berghütte Gletscherstube am Vordersee ; Hotels und Restaurants in
Fiesch und auf Fiescheralp /Kühboden
Karten: Landeskarte der Schweiz 1 :25 000, Blatt 1269 «Aletschgletscher» Anreise /Rückreise Mit der Matterhorn- Gotthard-Bahn ab Visp bzw. Brig nach
Fiesch. Mit der Fiesch-Eggishorn-Bahn zur Station Fiescheralp.
Internetlinks: www.fiesch.ch, www.goms.ch, www.valais.ch, www.welterbe.ch
Die Sommerserie ist in Zusammenarbeit mit dem Werd-Verlag entstanden. Die Inhalte stammen aus dem Buch «Wanderungen zu Tier- und Wildparks» von Jochen Ihle.




























