Südlicht, Palmen und das Azurblau des Sees

 
| Text: Thomas Widmer, Foto: Alamy
 

Sinfonie in Tiefblau: Der Himmel über dem Luganersee bei Gandria.

lllustration: tnt-graphics.ch / Atlas der Schweiz

1/
 
Im einstigen Schmugglerdörfchen Gandria geniesst unser Wanderer mitten im Winter den Frühling. Und das fast ohne Touristen.
 

Es gibt diese Wintertage, an denen das Land zweigeteilt ist: Schnee, Kälte, Düsternis im Norden zum einen. Sonne und Wärme und Palmen im Süden zum anderen. An einem solchen Tag fuhr ich ins Tessin, um mir Licht zuzuführen. Der Plan ging, ich nehme es vorweg, zu hundert Prozent auf.

Gar nicht so einfach, nach Gandria zu gelangen, wo ich starten wollte. Je nach Woche und Tag gibt es im Winter einzelne Schiffskurse, die meiste Zeit muss man den Bus nehmen und einmal umsteigen. Nicht gerade üppig dotiert, der Fahrplan, dachte ich am Bahnhof Lugano. Dann blickte ich von meinem iPhone auf und musste lächeln: diese rührend weichen und militant steilen Hügelberge rundum. Auch im Bus hielt das Schwelgen an: makellos das Azur des Luganersees.

Dem Olivenweg entlang
Gandria im Winter ist eine gute Sache. In der warmen Jahreszeit tut man sich schwer, das an den abrupten Hang des Monte Brè gepresste, volltouristische Fischer- und Schmugglerdörfchen zu geniessen: Gedränge, Spaliere mit kitschigen Boccalini, Deutschschweizer Mundart als Umgangssprache. Ich war zwar auch nicht ganz allein, als ich am frösteligen Vormittag oberhalb des Dorfkerns bei der Haltestelle «Gandria, Strada» aus dem Bus stieg. Aber fast allein.

Ich nahm die steile Treppe hinab Richtung See, erstaunlich, wie viele Winkel und Gässchen ich sah, bis ich bei der Kirche San Vigilio war, dem Mittelpunkt des Dorfes. Auf ihrer Rückseite auf einer leicht erhöhten Plattform eine Bank, ich setzte mich, ass Salami und Brot, schaute über den See auf den verschatteten Monte Caprino, liess die Sonne wirken.

Eine Infotafel erregte mein Interesse, ich nahm zur Kenntnis, dass dies die Station neun des Sentiero dell’olivo war, des Olivenweges zwischen Gandria und Lugano-Castagnola. Er würde sich einigermassen mit meiner Wanderroute decken, erkannte ich. Dann ging ich hinab zur Schifflände. Weit vorne erblickte ich im gleissenden Licht den Monte San Salvatore mit der felsigen Flanke zum See und der Antenne als Markenzeichen.

Nun wanderte ich. Von der erwähnten Kirche hielt ich in halber Höhe zwischen See und Kantonsstrasse westwärts aus dem Dorf. Auf einem Treppenpfad ging es bald abwärts zum Ufer, über mir eine Wucht von Felswand. Eine Galerie beseitigte das Steinschlagrisiko, dem ich zuvor kurz ausgesetzt gewesen war.

Den Agavensteig hinauf

Bis San Domenico ging ich mal auf Pflastersteinen, mal auf gestampfter Erde, kam vorbei am Restaurant-Hotel Elvezia del Lago, und stets waren da der tiefblaue See und die bewaldeten Hänge. Schliesslich San Domenico mit dem «experimentellen Olivenpark», den Pro Specie Rara mit angelegt hat. Ein grosser Parkplatz beendete die reine Fussgängerpassage am See. Ich nahm rechter Hand den Viottolo delle Agavi, den Agavensteig. Er führte zwischen Villen aufwärts, die sich mit Efeu und Palmen tarnten, und setzte sich fort in einer Strasse namens Via G. B. Discepoli. Vorbei am alten Municipio von Castagnola, dem einstigen Verwaltungssitz der 1972 in Lugano aufgegangenen Gemeinde, erreichte ich die Bushaltestelle bei der Post Castagnola.

Eine Besprechung mit mir selber, während ich später im Zug wieder Richtung Deutschschweiz fuhr, auf den Winter zu, ergab Folgendes: Dies war bei aller Kürze eine der schönsten Routen, die ich je bewandert habe. Und der neue Neat-Tunnel, also die schnellere Verbindung ins Tessin, macht dieses Frühlingsschnäppchen jetzt noch attraktiver.

Route: Gandria, Strada (Bus)– Gandria, Kirche–Wanderweg am See (Sentiero dell’olivo)–San Domenico, grosser Parkplatz–Viottolo delle Agavi–Castagnola, Municipio–Castagnola, Post (mit dem Bus Nr. 2 direkt nach Lugano, SBB).
Dauer: 1½ Stunden. Dazu braucht man Zeit, um in Gandria zu flanieren.
Wanderkarte: 286 T, Malcantone, 1:50 000.
Einkehr: In Gandria und Castagnola.
Hinkommen: Bus 2 vom Bahnhof bis Cassarate, Monte Brè. Dann Kleinbus bis Gandria, Strada (Fahrplan konsultieren, wenige Fahrten). 

Erschienen in der «Schweizer Familie» 02/2017

 

Karten & Wetter

swisstopo.admin.ch (DER Massstab: 1:25'000)

schweizmobil.ch (thematische Karten)

tagesanzeiger.ch/wetter

Wandersites & Freizeittipps

Nationaler Wandertag

wandern.ch (Schweizer Wanderwege)

mySwitzerland.com

wandersite.ch (Übersicht)

wanderungen.ch (Touren)

schweizmobil.ch (bekannte Routen)

hikr.org (lebhafte Community) 

Thomas Widmers Wanderblog

Topin (Freizeit-Angebote)

Apps

GPS Tracks für iPhone und Android: Online eine Route planen und aufs Handy laden.

Cyclemeter und Walkmeter von Abvio.

SBB Mobile: U.a. mit "Take me Home"-Funktionalität, die dann zum Zug kommt, wenn man am Ende ist.

Fahrpläne & Routenplaner

SBB und zahllreiche regionale Verkehrsunternehmen bieten Onlinefahrpläne.

Routenplaner von search.ch und Google für die Schweiz und das Ausland.