In Karl Neuhaus' Eispalästen in Schwarzsee

Weit hinten im Freiburgerland wartet eine verwunschene Welt: Die Eispaläste von Karl Neuhaus. Seine vergänglichen Bauten sind längst über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Kunst und Kitsch verschmelzen in der Kälte zu einem herzerwärmenden Traum.

  • Im Eispalast: Im farbigen Monumentalwerk begegnen einem auch leuchtende Seepferde.
  • Der Tüftler Karl Neuhaus schafft seine eisigen Bauten auf Gerüsten aus Metall.

Was glitzert und funkelt hier so schön im Tannenwald? Es sind Karl Neuhaus’ Wunderwerke aus Eis und Licht. Eltern müssen gute Argumente haben, wenn sie nach einem Skitag in Schwarzsee keinen Stopp machen, um die Eispaläste zu besuchen. Was der 75-jährige Freiburger jeden Winter von neuem schafft, ist Märchenwelt, Chilbi, Robinsonspielplatz, Disneyland und chaotischer Werkplatz zugleich.

Unmittelbar beim Eingang hat sich eine Pinguinkolonie niedergelassen: Die Tierchen sitzen auf einem Schneehügel, der mit keck in die Höhe ragenden Eiszapfen gespickt ist. Ein Farbtupfer in der antarktischen Idylle ist der Papagei aus Plüsch. Man tut gut daran, Kitsch gegenüber offen zu sein, die Papageien und Pinguine sind erst der Anfang: Auf dem Rundgang durch die Eiswunderwelt begegnet man dem Jesuskind, Rehlein, Füchslein, Affen, Tigern, Hunden, Seeräubern, Fischen und Fabelwesen aus Plüsch, Holz und Plastik.


Leuchtende Tintenfische
In einer besonderen Ecke des Parks leuchten bei Dunkelheit gespensterhafte, fliegende Wesen. Es sind mit fluoreszierender Farbe bemalte aufblasbare Plastiktiere. Noch mehr zauberhafte Erlebnisse gibt es im «Reich des Neptuns». In diesem Iglu hat Neuhaus aus Pet-Flaschen leuchtende Tintenfische und weitere Meerestiere hingezaubert. Doch all diese Tierchen und Figuren sind eigentlich bloss bunte Staffage, die wahren Stars sind seine Paläste aus Eis.

Internationale Beachtung
Das Experimentieren mit Wasser und verschiedenen Materialien reizte den ehemaligen Schuhmacher Neuhaus schon früh. Mit Moos und Tannzapfen baute er als Kind Landschaften. Bei einem Ausflug in den Wald faszinierte ihn ein gefrorener Bach so sehr, dass er daheim mit Wasser und gelöcherten Schläuchen zu forschen begann. Etliche Jahre später, Anfang der 1980er-Jahre, liess der Freiburger seinen ersten Eisturm erstehen und sorgte damit gleich für Schlagzeilen in der lokalen Presse. Heute sind seine gefrorenen Kunstwerke auch ausländischen Zeitungen einen Artikel wert.

Unter den bizarr bis verspielten Eisgebilden verbergen sich massive Gerüste aus Metall, aber auch umgekehrte Sonnenschirme, die mit Wasser besprenkelt und der Kälte ausgesetzt zu riesigen Eisblumen werden. Die begehbaren Iglus sind mit Eis überzogene Treibhäuser, und die romantischen von innen heraus leuchtenden eisigen Wunderkerzen hat Karl Neuhaus aus Wäscheständern aus dem Altmetall konstruiert.

Dass Neuhaus ein Bastler und Tüftler ist, zeigt auch die Ecke mit allerlei Werkzeug und Material, gleich neben der kleinen Buvette. Besonders stolz ist der Künstler auf den grössten Eispalast, der je nach Witterung zwölf bis 15 Meter in die Höhe ragt. Er ist sowohl unten durch einen Tunnel als auch oben über einen Weg begehbar; die imposanten Spitzen und der beleuchtete Torbogen sind schon von der Strasse aus sichtbar. Als sein eigentliches Meisterstück bezeichnet Neuhaus den Eistunnel, der aus insgesamt 15 Bögen besteht. Einige der dicken von der Decke wachsenden Eiszapfen hat Karl Neuhaus weggeschlagen, andernfalls gäbe es kein Durchkommen.

Drinnen in der eisigen Höhle realisiert man, dass Moonboots das richtige Schuhwerk gewesen wären. In der Buvette gibt es zum Glück Tee, Kaffee – und für winterfeste Besucher auch ein kaltes Bier. Zudem kann man Cervelats kaufen und diese an einer der zwei Feuerstellen auf dem Areal selber braten. Ein bisschen Wärme tut jetzt gut.


Schwarzsee FR
Anreise: Mit dem Zug bis Freiburg. Von dort weiter mit dem Bus bis Schwarzsee Station Lichtena. Es empfiehlt sich jedoch, mit dem Auto hinzufahren, da die Eispaläste bei Dunkelheit am schönsten sind und die letzte Busverbindung zurück nach Freiburg am frühen Abend ist. Alternativ könnte man in Schwarzsee übernachten. Am Ende des Tals gelegen ist der kleine Skiort mit gefrorenem See ein idealer Familienferienort.
Eispaläste: Auf einem Rundgang wird man durch den Park mit den verschiedenen Palästen und Objekten aus Eis geführt. Gutes, warmes Schuhwerk nicht vergessen. Die Wege sind mit Splitt gesichert, jedoch nicht sehr gut beleuchtet. Nicht geeignet für Kinderwagen.
Auf dem Gelände Spielmöglichkeiten für Kinder wie Schaukel, Rutschbahn und kleine Velos.
Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag, Freitag, 14 bis 21 Uhr; Samstag, Sonntag, 12 bis 21 Uhr.
Über die Feiertage: 24. Dezember, 14 bis 19 Uhr (Buvette bleibt geschlossen.), 25. Dezember und 1. Januar, 12 bis 21 Uhr. 26./27. Dezember sowie 2./3. Januar, 14 bis 21 Uhr.
Die Öffnungszeiten sind witterungsabhängig: Auskunft gibt das Tourismusbüro Schwarzsee.
Kosten: Kinder ab 5 Jahren 5 Fr., Erwachsene 10 Fr.
Kinder unter 16 Jahren haben nur in Begleitung eines Erwachsenen Zutritt.
Auskünfte: www.eispalaeste.ch Tourismusbüro Schwarzsee, 026 412 13 13 www.schwarzsee.ch

Eispaläste

Schwarzsee

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