Die Haltestellen im Postauto von Einsiedeln nach Brunni im Alpthal werden nicht angezeigt, geschweige denn ausgerufen. Irgendwie hat noch jeder gemerkt, wenn es Zeit zum Aussteigen ist. Sobald alle Ski- und Snowboarder aus dem Bus trampeln und der Chauffeur bedächtig ein Paar Ski nach dem andern aus dem Gepäckträger stemmt, ist man im Skigebiet Brunni angekommen.
1100 Meter über Meer, ein Hotel, eine Seilbahn, drei Skilifte, ausgiebig Parkplätze die Strasse entlang, zum Abschluss des Tales ein mächtiger Klotz: der Grosse Mythen. Links davon führt die Luftseilbahn Brunni-Holzegg auf 1400 Meter hinauf, rechts der Skilift Brunni-Haggenegg auf 1500 Meter.
Keine Pistenraser im Alpthal
Der Liftmotor schnarrt, die Bügelklappern – und der Musiklautsprecher bei der Talstation knattert ebenfalls. Die beiden Skilifte Brunni-Haggenegg sind 38 Jahre alt und verströmen einen Hauch von Nostalgie. Die Leute im Alpthal sind konservativ und vorsichtig mit Investitionen. Dafür ist das Skifahren hier günstig wie sonst fast nirgends. Kein Gehetze, keine Massenabfertigung, keine Pistenraser.
Extrahalt am Skilift
Man muss einige Minuten in der Sonne anstehen, bis einem der bärtige Skiliftangestellte den Bügel reicht, dann geht es gemächlich aufwärts. Der untere Teil
führt durch ganzjährig bewirtschaftete Bauernheimetli. Ein Miststock dampft, Kälber machen übermütige Sprünge im Schnee. Die obere Sektion führt durch Alpgebiet mit lockerem Tannenbestand. Zuoberst im sechseckigen Wärterhäuschen sitzt ein weiterer Skiliftangestellter und kontrolliert die Bügelabgabe.
Wenn unterwegs ein Kind aus dem Bügel fällt, wird der Lift angehalten. Wie jetzt gerade, als ein talwärts fahrendes Paar im Begriff ist, das Skilifttrassee
zu durchqueren. «Schau, jetzt halten sie extra für uns», lacht der Fahrer zu seiner Begleiterin.
Die Anlage mag alt sein, doch die Pisten sind bestens präpariert. Ein halbes Dutzend Saisonangestellte und zahlreiche Aushilfen – die meisten sind Bauern aus dem Tal – schieben Nachtschichten mit dem Pistenfahrzeug und befeuern wenn nötig die Schneekanonen, damit die Pisten rassig und sicher sind. Vom Aussichtspunkt der Haggenegg führen zwei rote Pisten ins Brunni hinunter, im unteren Teil gibt es blaue Anfängerpisten.
Doch zuerst die wunderbare Aussicht: Jenseits der Haggenegg fällt der Blick auf den Talkessel von Schwyz und den Vierwaldstättersees. Oft liegt dieser allerdings unter einem Nebelmeer. Der Nebel schwappt jeweils bis fast zur Krete hinauf, doch er dringt nicht ins Alpthal. Der Grosse Mythen wirkt von hier
oben weniger schroff, aber ebenso markant wie der Kleine Mythen und der Haggenspitz daneben. Die ganze Pracht kann auch von der Sonnenterrasse des Restaurants Nätschbergs aus genossen werden. Überhaupt braucht hier niemand Hunger oder Durst zu leiden. Sechs Beizen säumen die Pisten der Haggenegg.
Alpthaler Gastlichkeit
Unten im Brunni und auf der Holzegg gibt es noch weitere Restaurants. Ländlermusik, Kafi Chrüter im Glas, grillierte Würste, hausgemachte Suppen und Wähen, lange Holzbänke und «zuechehocke», wenn es eng wird, das sind die Kennzeichen der Alpthaler Gastlichkeit.
Schwyzer Alpthal SZ
Anreise: Über Biberbrugg nach Einsiedeln und von da 10 km durchs Alpthal bis Brunni.
Abonnemente: Kombi-billett ganze Mythenregion, 14 Anlagen; Tageskarten Erwachsene 43 Fr., Kinder 29 Fr. Kombibillett Brunni-Haggenegg-
Holzegg: 6 Anlagen; Tageskarte 34/25 Fr. Für die Lifte Brunni 1 und 2 können Schnupperabos, Halb- und Ganztageskarten ab 14 Fr. gelöst werden. Ski- und Snowboardkurse gibts täglich ab 26. Dezember ab 10 Uhr (ohne Anmeldung) Telefon 055 412 86 17 www.swiss-snow-schule.ch
Einkehren: Restaurant Holzegg, Alpthal, mit Aussichtsterrasse am Fuss des Mythen Telefon 041 811 12 34; verschiedene urchige Pistenbeizlis
Allgemeine Auskünfte: Pisteninfo Brunni Haggenegg, Telefon 055 412 43 30 www.brunni.com
Skifahren im Schwyzer Alpthal
Kein Gehetze, keine Massenabfertigung, keine Pistenraser: Im Schwyzer Alpthal haben die Skigebiete Brunni-Haggenegg und Brunni-Holzegg allen Modernisierungsbestrebungen widerstanden. Und sind gerade deshalb attraktiv.




























