Skifahren im Bleniotal

Das kleine Skigebiet Nara ist nichts für Raser. Dafür umso mehr eine Wohltat für ältere Skifahrer, Familien und Freerider, die dem Rummel anderer Wintersportorte entfliehen wollen.

  • Blick über Nara im Bleniotal.

Natürlich kam ich auch wegen des Skifahrens ins Skigebiet Nara. Und natürlich geniesse ich die Tessiner Sonne, während es im Norden schneit. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, so freue ich mich vor allem auf eines: die Polenta und die dicke Scheibe Gorgonzola im Ristorante La Pernice bei der Mittelstation Cancorì. Am Sonntag um halb ein Uhr ist es so weit: Vor mir den dampfenden Teller, sitze ich auf der Sonnenterrasse des «La Pernice », den Rücken an die warme Holzfassade gelehnt, unter mir das Bleniotal, über mir die Pisten von Nara.

Blick bis zum Finsteraarhorn
Allzu viele Pisten sind es nicht, denn Nara ist im Vergleich zu anderen Skigebieten ein Winzling. Alles ist kleiner hier. Die Talstation, die Sessel und sogar die Bügel am Bügellift. Nur die Aussicht ist richtig gross: Wer bei der Bergstation des Skilifts ein paar Schritte hochsteigt bis zum Fuss des Pizzo di Nara, blickt auf der anderen Seite des Bergkamms über die Tessiner Gipfelwelt hinaus bis zum Finsteraarhorn.

Der Winzling im Bleniotal
Als ich nach dem Mittagessen dort oben stehe und in die Weite schaue, steht auf einmal eine Gruppe Tessiner neben mir. «È bello, no?» – ist das nicht schön? –, sagt einer zu mir. «Bellissimo!», antworte ich. Sehr schön! Und auf meine Frage, ob sie aus der Gegend seien, nicken sie und erklären, sie seien alle «Amici del Nara», Freunde von Nara. Eine Vereinigung mit 600 Mitgliedern, die sich seit 2003 für den Winzling im Bleniotal einsetze, wie sie mir erklären.

Wie andere Tessiner Skigebiete ist auch Nara mehr auf Stein als auf Rosen gebettet. Nur dank den Initiativen der Einheimischen summen die Lifte immer noch bergwärts. Sehr zur Freude der Besucherschar. Einer Besucherschar, die bunt gemischt ist: Ältere Skifahrer mit SKA-Mützen und langen, schmalen Ski
gehören ebenso dazu wie Freerider mit weiten Hosen und breiten Latten oder Anfänger, die auf der blauen Piste die ersten zaghaften Kurven fahren. In Nara hat es für alle Platz. Auch auf den Pisten. Nicht zuletzt, weil die Lifte nicht jede Minute Hunderte von Gästen auf die Pisten spucken, sondern nur gemächlich über die Masten ruckeln. So gemächlich, dass Zeit bleibt, um in aller Ruhe die Maiensässe und Tannen zu betrachten, die unter einem vorbeiziehen. Nara ist nichts für Raser. Dafür umso mehr eine Wohltat für alle, die dem Rummel anderer Skigebiete entfliehen wollen.


Nara und die Sonne
Auch ich gehöre dazu und geniesse nebst der Polenta mit Gorgonzola vor allem die Ruhe am Berg und die gemütlichen Schwünge im Schnee. Als glitten sie durch Butter, zeichnen die Kanten meiner Ski weite Linien ins Weiss. Dank der Morgensonne, die früh über Nara schleicht, werden die Hänge hier schon am Vormittag weich. Der Preis dafür sind die Schatten, die sich bereits am Nachmittag über das Skigebiet legen. Um halb drei Uhr kurve ich deshalb ein letztes Mal über die offenen Hänge, durch ein Waldstück und vorbei an den Maiensässen zur Mittelstation. Dass sich das Wochenende im sonnigen Süden schon zu Ende neigt, macht aber nichts. Im Gegenteil: So bleibt Zeit, vor der Heimreise in den grauen Norden noch einmal im «La Pernice» einzukehren. Denn auch der Espresso hier ist ein Genuss …


Blenio TI
Anreise: Mit dem Zug bis Biasca und mit dem Postauto weiter via Acquarossa nach Leontica. www.sbb.ch
Skigebiet Nara: Das kleine Skigebiet Nara liegt im Bleniotal und bietet blaue und rote Pisten entlang zweier Sessellifte und dreier Schlepplifte; Schneeschuhwanderer und Schlittler finden präparierte Wege bzw. eine Schlittelpiste.
Tageskarten: 35 Franken, Kinder 25 Franken, Familienkarte 70 Franken; vergünstigte Preise von Montag bis Freitag. www.nara.ch
Übernachten: Diverse Übernachtungsmöglichkeiten im Bleniotal und in Biasca.
Allgemeine Auskünfte: Blenio Turismo, Olivone TI, Tel. 091 872 14 87, www.blenio.com



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