Die Schlittelpiste vom Kronberg

 
| Text: Bruno Bötschi, Fotos: Christof Sonderegger
 

Die Schlittelpiste vom Kronberggipfel auf 1663 Metern Höhe hinab zur Talstation Jakobsbad ist sieben Kilometer lang.

Der Rodel «Kronberg-Flizzer».

Mit der Luftseilbahn gehts auf den Kronberggipfel.

Die Schlittelpiste wird täglich präpariert.

Auch Winterwanderern gefällts auf dem Kronberg.

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Der Kronberg im Appenzellerland ist ein Paradies für Schlittelfreunde und Winterwanderer. Bei guter Sicht sind der Säntis und der Bodensee zu bewundern.
 

Prächtig», denke ich, als ich die letzten Meter durch den Schnee zum Startgelände der Schlittelbahn hochstapfe. Die Luftseilbahn hat mich auf den 1663 Meter hohen Kronberg getragen. Über mir der strahlend blaue Winterhimmel. Unter mir eine graue Nebeldecke. Und vor mir der Abhang. Ich klemme den Holzschlitten namens «Kronberg-Flizzer» zwischen die Beine. Los gehts! Zweimal kräftig abstossen mit den Füssen, schon nimmt der Schlitten Fahrt auf.

Am Morgen bin ich mit der Eisenbahn vor der grauen Nebelsuppe geflüchtet. Die Appenzellerbahn hält in Jakobsbad AI direkt neben der Talstation der Seilbahn. Der Gipfel muss warten, zuerst gibt es im Talrestaurant Stärkung für Körper und Geist. Kaffee, Gipfeli und etwas Bergbahn-Geschichte. «Lange war der Kronberg das einzige Skigebiet im Appenzellerland», erzählt Geschäftsführer Andreas Wyss. Bis sich der Betrieb der beiden Lifte Lauftegg und Studen finanziell nicht mehr lohnte. Das Ende war ein Neuanfang. Anstatt auf Bretterfahrer konzentriert man sich im kleinen Wintersportgebiet Kronberg seit der Saison 2011/12 auf Kinder, Schneeschuh- und Winterwanderer.

Entstanden ist, laut Eigenwerbung der Bergbahn, die längste Schlittelpiste der Ostschweiz: Vom Kronberggipfel auf 1663 Metern hinab zur Talstation Jakobsbad auf 880 Metern. Ein sieben Kilometer langer Sausespass, der mit wenigen Kurven, dafür einigen Steilhängen gespickt ist. Wie eine Skipiste wird er täglich mit einem Pistenfahrzeug präpariert. Die Länge ist aber nur ein Prädikat, das prächtige Panorama ein weiteres: Es reicht vom Säntis im Süden über den ganzen Thurgau bis zum Bodensee.

Wie der Schnee stiebt!
Mutig stürze ich mich ins Schlittelabenteuer. Gleich nach dem Start geht es ein erstes Mal richtig steil den Abhang hinunter. Wie laut das holpert! Wie der Schnee stiebt! Bremsen ist schwierig, trotz Einsatz von Füssen und Beinen.

Aber die Piste ist gut unterhalten und mehrere Meter breit. So kann mir, auch wenn einmal ein Steuermanöver misslingt, nichts passieren. Nun folgt ein relativ flacher Abschnitt, was Familien und Kinder schätzen, um sich nach der rasanten Schussfahrt etwas zu erholen.

Und schon geht es weiter: Je länger die Abfahrt dauert, desto dicker wird der Nebel. Zum Glück bekomme ich meinen Schlitten immer besser in den Griff. Ein Schlitten, der in der Fachsprache Rodel heisst. Seine Kufen sind abgeschrägt und in der Längsrichtung leicht gebogen. Anders als bei einem «Davoser»-Schlitten ist zudem die Sitzfläche beim «Kronberg-Flizzer» mit Nylon bespannt. Mein Füdli dankt es, der Rücken auch.

Siedwurst mit Chäshörnli
Ich werde mutiger, fahre immer halsbrecherischer auf dem mittleren Teilstück. Ich jauchze vor Glück, doch plötzlich stellt sich mein Schlitten quer und kippt. Ich liege im Schnee und – lache! Als ich nach dreiviertel Stunden unten an der Talstation ankomme, weiss ich längst: Ich will nochmals hoch. Ich will nochmals hinunterjagen. Nebel hin oder her.

Wieder oben auf dem Gipfel: Im Berggasthaus verdrücke ich eine Appenzeller Siedwurst mit Chäshörnli und geniesse die Aussicht. Die Säntisnordwand scheint über dem Hochnebel zum Greifen nah. Nach dem Essen fällt es etwas schwer, wieder aufzustehen und in den Schnee hinauszugehen. Aber der Nebel steigt und steigt, und darum ist Eile angesagt, wenn ich wenigstens das erste Drittel der Schlittelpiste noch bei halbwegs guter Sicht hinter mich bringen will. Minuten später stehe ich wieder neben dem Gipfelkreuz, klemme den «Flizzer» zwischen die Beine und juble: «Juhui, los gehts.»

Kronberg AI
ANREISE: Mit dem Zug nach Jakobsbad AI. Für Autos ist ein Parkplatz direkt bei der Talstation vorhanden. Schlittelbahn Kronberg: Vom Gipfel bis Talstation Jakobsbad. 7 Kilometer lang.

PREISE: Erwachsene 33 Fr., Kinder 16 Fr., Schlittenmiete ab 10 Fr.; Pauschalangebot: Kronberg-Zmorge am Sonntag mit zwei Bergfahrten und Schlittenplausch 44 Fr., Kinder 22 Fr.

KINDERPARADIES: Das «Snow-Land» (Talstation) bietet viel Spass im Schnee, etwa mit Ponylift und Snowtubing.

EINKEHREN: Restaurant Talstadion, offen täglich 9 bis 17 Uhr, Tel. 071 794 12 89, Berggasthaus, offen Mo bis Sa von 9 Uhr bis 17 Uhr, So von 8 bis 17 Uhr, Tel. 071 794 12 89

AUSKÜNFTE: LuftseilbahnJakobsbad-Kronberg, Jakobsbad, Tel. 071 794 12 89, www.kronberg.ch; Appenzellerland Tourismus, Appenzell, Tel. 071 788 96 41, www.appenzell.info

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit «Schweiz Tourismus» entstanden und in der «Schweizer Familie» 51/52/2013 erschienen.

 

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