Erfinder und ihre unglaublichen Geschichten

Büchsenöffner, Glühbirne, Robidog: Redaktor Hans-Martin Bürki-Spycher erzählt wöchentlich in der «Schweizer Familie», wem wir die Dinge des Alltags verdanken. Nun erscheinen seine Zeitreisen als lehrreiches Buch.

  • Unser Redaktor und Autor Hans-Martin Bürki-Spycher.

Die Axt im Haus erspart den Dosenöffner. Zumindest in den Jahren 1810 bis 1858. Denn von der Erfindung der Konserve bis zum Patent für den Dosenöffner verstrichen 48 Jahre. Damit bis dahin nicht erst die Enkelkinder ans Eingemachte ihrer Grosseltern kamen, ersannen die Menschen allerlei Methoden, um die Büchsen zu öffnen. Dabei stand rohe Gewalt im Vordergrund.

Zum Glück ist der Mensch neugierig und probiert ständig neue Dinge aus. Sonst würden wir womöglich noch heute in Höhlen hausen. Manchmal ist es die Not,  welche die Menschen auf ihre Erfindungen bringt. So hatte der Engländer Edwin Beard Budding vom ständigen Senseschwingen die Nase so voll, dass er den Rasenmäher erfand. Der Schweizer Joseph Rosenast war es dagegen leid, ständig in Hundekot zu treten. Ihm verdanken wir den Robidog. Und weil sich der elsässische Chemiker Eugène Schueller im Sommer 1934 einen schrecklichen Sonnenbrand holte, besitzen wir heute die Sonnencrème. Wir nehmen die Dinge des täglichen Lebens so selbstverständlich hin, als hätte es sie schon immer gegeben.

Doch hinter jeder Erfindung steckt eine kleine Geschichte. Die Zuckerwatte verdanken wir ausgerechnet einem Zahnarzt, die Magenspiegelung einem Schwertschlucker. Die genauen Umstände dazu finden sich im Buch «365 Erfinder». Die kleinen Geschichten über Erfindungen und ihre Schöpfer basieren auf der Rubrik «Zeitreise», die wöchentlich in der «Schweizer Familie» (Seite 29) erscheint.

Zurück zur Konservendose: Napoleons Soldaten griffen zum Bajonett, um das Ding zu öffnen.  Hammer und Meissel taten auch gute Dienste. Henriette Davidis riet 1845 in ihrem «Praktischen Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche», den Büchsendeckel mit einem Beil aufzuschlagen oder mit einem glühenden Eisen zu öffnen, wobei aber Zinn ins Essen tropfte. 1858 endlich gaben Robert Yeates und Ezra Warner mit ihrem Dosenöffner der Menschheit die Möglichkeit, ihre Konserven fortan unfallfrei zu öffnen.

Bei vielen Erfindungen half der Zufall nach. Wenn zum Beispiel Frank McNamara nicht sein Portemonnaie zu Hause vergessen hätte, gäbe es heute wohl keine Kreditkarte. Und die Potenzpille Viagra war ursprünglich als Herzmedikament gedacht – bis sich eine hoch erwünschte Nebenwirkung herausstellte. Den Mut und die Opferbereitschaft einiger Erfinder oder deren Versuchskaninchen gilt es zu loben. Katharina Laible opferte ihre Haarpracht der Dauerwelle. Leandro Panizzon testete das Ritalin zuerst an seiner Frau, während Albert Hofmann sein LSD gleich selber schluckte.

Manche Neuerung wurde anfänglich unterschätzt und deren Erfinder ausgelacht. So machten sich die Fachkollegen über das Kästchen lustig, das der Elektroingenieur Douglas Engelbart zum Steuern seines Computers entwickelt hatte. Heute benutzt jeder die Computermaus. Befasst man sich eingehender damit, wem wir all die kleinen Dinge verdanken, die unseren Alltag so viel angenehmer machen, dann stellt man verwundert fest, dass Edison gar nicht die Glühbirne erfunden hat, ebenso wenig wie Alexander Bell das Telefon.

Oft haben sich mehrere kluge Köpfe Gedanken über ein Problem gemacht, und einer hat die Lösung dann ganz für sich allein beansprucht. Nicht immer lässt sich der Erfinder genau eruieren. Für die vorliegenden 365 Kurzgeschichten wurde jeweils der plausibelste Name gewählt. Unter den 365 Erfindern des Buches finden sich auch 50 Schweizer. Nicht umsonst besitzt unser Land weltweit die meisten Patente pro Kopf. Horace-Bénédict De Saussure genügten ein paar Frauenhaare und etwas Kenntnis in Physik, um das Hygrometer zu erfinden, mit dem man die Luftfeuchtigkeit misst. Albert Kaufmann liess sich für seine Stichsäge von der Nähmaschine seiner Frau inspirieren, während Walter Kisslings Rahmbläser ein Verlegenheitsprodukt ist: Der Tüftler suchte nach einer Möglichkeit, recycliertes Aluminium sinnvoll zu verwenden.

Die meisten Erfindungen stammen von Männern.  Selbstverständlich haben sich aber auch Frauen verdient gemacht. Mary Anderson skizzierte auf einer regnerischen Tramfahrt den Scheibenwischer, Mary Quant entwarf den  Minirock und Melitta Bentz den Kaffeefilter. Die meisten von ihnen wurden durch ihre Erfindungen reich. Die Amerikanerin Josephine Cochrane war schon von Haus aus reich, was ihrer Kreativität aber nicht schadete. Die gute Frau war es leid, dass ihre Angestellten beim Abwasch regelmässig teures Porzellan zerschlugen – und baute 1886 den ersten Geschirrspüler.

Die breite Palette an Erfindungen ist alphabetisch geordnet – nach Erfindern: von Robert Adler bis Karl Zysset. Ein Register am Ende des Buches führt alle Erfindungen mit der entsprechenden Seitenzahl auf. Für jeden Tag des Jahres bietet sich eine Kurzgeschichte an. Und noch etwas. Falls Sie bei der Lektüre eine Brille benützen, an einem Glas Bier nippen oder gerade auf der Toilette  sitzen, dann denken Sie daran: Ohne Erfinderund deren Geistesblitze ginge das alles nicht!

DAS BUCH
Als Leserin und Leser der «Schweizer Familie» erhalten Sie das Buch «365 Erfinder» für 30 statt 34 Franken inkl. Porto und Verpackung.
Jetzt bestellen unter: www.echtzeit.ch/schweizerfamilie oder mit einer Postkarte an: Echtzeit Verlag, Murbacherstrasse 34, 4056 Basel

 

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