Am kommenden Montag wird Max Hubacher im 2000-plätzigen Berlinale-Palast an den Film- Festspielen wie ein Weltstar über den roten Teppich gehen. Der 18-jährige Berner ist eines von zehn jungen europäischen Talenten, die von einer Jury ausgewählt wurden und in Berlin der internationalen Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die glücklichen zehn – so ist es vorgesehen – werden vom englischen Schauspieler John Hurt eine Statue überreicht bekommen. Max Hubacher hat den Berlin-Besuch seiner schauspielerischen Leistung als Verdingbub Max im Film «Der Verdingbub» zu verdanken. Er wird vor allem die Möglichkeit haben, Kontakte zu knüpfen – so wie die Schweizer Schauspieler Nils Althaus, Carlos Leal, Mona Petri oder Joel Basman vor ihm.
Der blonde junge Mann mit den markanten hellblauen Augen freut sich auf Berlin und ist gleichzeitig «extrem nervös ». So wie damals, als er mit sieben Jahren im Kindertheater im Berner Quartier Breitenrain, wo er aufwuchs, zum ersten Mal auftrat. Als Hofnarr, der einen Witz erzählen musste. Vor Aufregung rang er auf der Bühne die Hände. Max Hubacher ist der Sohn einer Radiojournalistin und eines Soziologen. Er lebt noch im Elternhaus, zusammen mit seiner 14-jährigen Schwester Hanna. Einmal im Jahr verbringt die Familie Ferien zusammen. Max schätzt das, denn allzu lange wird es nicht mehr dauern, bis er auszieht.
Schon fast ein alter Hase
Max war nie ein Stubenhocker-Kind. Lieber spielte er mit seinen Freunden Streiche – oder eben Theater. Mittlerweile kann er sich fast schon als alter Hase in seinem Metier bezeichnen. Seit seinem 14. Lebensjahr ist er Mitglied des Jugend-Theaterclubs 14+ des Schlachthaus-Theaters Bern. Mit 13 gab er im Schauspielhaus Zürich den Paul in Robert Walsers «Liebestraum». Die erste Filmrolle war ein krebskranker Junge in «Stationspiraten» von Michael Schaerer. Zum Liebling des Publikums und der Filmkritiker machte ihn aber die Hauptrolle im Film «Der Verdingbub».
Regisseur Markus Imboden hat keine Sekunde bereut, den jungen Berner ausgewählt zu haben. Er erinnert sich: «Ich hatte grosse Freude an Max. Er ist offen, denkt klar und bringt sich selbstverständlich ein. Ich konnte mich hundertprozentig auf ihn verlassen. Er war immer perfekt vorbereitet.» 220 000 Menschen haben den Film bis jetzt gesehen; er ist der erfolgreichste Schweizer Film des letzten Jahres. Verschiedene Darsteller aus dem «Verdingbub », so auch Max Hubacher, sind als beste Schauspieler für den Schweizer Filmpreis nominiert, der am 17. März vergeben wird. Doch der bescheidene Jungschauspieler geht nicht davon aus, dass er gewinnen wird. Max Hubacher ist der Erfolg kein bisschen zu Kopf gestiegen. Im Gegenteil: «Das war keine riesengrosse Sache, die ich da geleistet habe. Jeder hat etwas, was er gut macht und kann. Ich unterscheide mich nicht von anderen.» Und überdies sei er doch kein Promi, fügt er mit strengem Blick hinzu.
Auswirkungen auf seinen Alltag habe seine Bekanntheit kaum, erzählt er. «Ausser dass ich mich unter Druck setze. Ich habe das Gefühl, bei andern einen guten Eindruck hinterlassen zu müssen.» Wird er auf der Strasse erkannt, ist ihm das eher peinlich, und als Ausnahmetalent sieht er sich keineswegs. Gefreut haben ihn jedoch die Komplimente ehemaliger Verdingkinder. Max Hubacher hatte befürchtet, er würde den Menschen, die so viel Schreckliches erlebt haben, nicht gerecht werden, sie gar enttäuschen. Obwohl die Traurigkeit des Themas den Darsteller während der Dreharbeiten gelegentlich belastete, ist der Verdingbub Hubachers liebste Rolle bis anhin. «Weil sie Tiefe hat», sagt Max: «Ich musste nicht sehr viel sagen, sondern mich vor allem über die Körpersprache ausdrücken.»
Dies hätte Woody ebenfalls tun sollen. Sowohl Max Hubacher wie Stefan Kurt – in der Rolle des Bauern – lachen heute noch gerne über die unzähligen Proben mit dem Schwein Woody. Stefan Kurt: «Wir sollten das Tier einen Hang hinauftreiben, ohne ihm zuzureden. Doch es klappte nicht. Wir riefen Woody dann mit zugekniffenem Mund, denn man durfte es im fertigen Film nicht hören.» Max hatte noch mit ganz anderen Schwierigkeiten fertig zu werden: Die vielen Ohrfeigen, die ihm der Bauer verabreichte, waren der Glaubwürdigkeit halber wenn auch nicht heftig, so doch echt und sollten ihm helfen, realistisch zu spielen. In bleibender Erinnerung ist Max Hubacher eine Szene, die oft wiederholt werden musste. «Der Bauer schlug im Stall kräftig auf den Verdingbuben ein. Obwohl ich wusste, dass wir eine Filmszene drehten, wurde ich wütend und hätte am liebsten zurückgeschlagen, tat es aber natürlich nicht.»
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