Sie ziehen sich das karierte Hemd über, stürzen sich in die kurze Hose, schnallen den Gürtel an. Drei Brüder im Sägemehl. Der Jüngste kniet auf den weichen Boden, stützt die Arme vorne ab. Der Älteste stellt sich breitbeinig über ihn und lädt den Mittleren mit seinen 111 Kilogramm auf den Rücken. So posieren sie im Schwingkeller von Schwyz und lächeln in die Kamera. Sie geben ein perfektes Bild ab, als wären sie eine Einheit. «Wir sind ein verschworenes Team», sagt der Älteste. «Das Trio Grande.»
Sie sind die Brüder Laimbacher aus dem Kanton Schwyz. Und die sind eine Marke. Seit Jahren schon steht ihr Name im Schwingsport für Erfolg. Adi, 29, Philipp, 27, und Ivo, 25. Zusammen sind sie 329 Kilogramm schwer, und sie haben nicht nur deswegen Gewicht. Sie haben insgesamt nicht weniger als 148 Kränze gewonnen. Und am Eidgenössischen Schwingfest, das vom 20. bis zum 22. August in Frauenfeld über die Bühne geht, sollen noch einmal drei dazukommen.
Alle drei Brüder haben sich für den Grossanlass qualifi ziert. Sie freuen sich auf die Wettkämpfe und auf die Arena mit über 47 000 Zuschauern, die sie schon
beim Betreten erschaudern lässt. «Das Eidgenössische Schwingfest ist unsere Weltmeisterschaft», sagt Adi Laimbacher. «Ein phänomenaler Anlass», schwärmt sein Bruder Philipp, «abartig schön.» «Ich fühle mich dort wie ein Gladiator», sagt Ivo, der Jüngste. «Wie ein König.» König werden möchten sie alle. «Jeder Schwinger träumt davon», sagt Philipp Laimbacher. Ihm trauen die Experten den Titel am ehesten zu. Er ist momentan der Stärkste in der Familie. Er wurde 2004 am Eidgenössischen in Luzern schon Zweiter und 2007 in Aarau Dritter. Nach vier gewonnenen Kranzfesten in dieser Saison gehört er zu den Topfavoriten.
Aber auch Adi, der in der Familie jahrelang dominiert hat, wird zum erweiterten Kreis der Titelanwärter gezählt. Er, der an Eidgenössischen Schwingfesten bisher nicht über einen sechsten Rang hinauskam, möchte endlich «den grossen Coup» landen. Ivo, der Jüngste im Bunde, steht dagegen noch im Schatten seiner älteren Brüder. «Dieser Schatten ist gross», sagt er. Daran hat er sich gewöhnt. Doch in den letzten Jahren hat er aufgeholt, «kam ans Licht», wie er schmunzelnd sagt. Und so möchte er heuer endlich seinen ersten Eidgenössischen Kranz holen, nachdem ihm dazu in Aarau bloss ein Viertelpunkt fehlte. «Für den Kranz gebe ich alles», sagt er. Und wenn seine Brüder gleichziehen, könnte sich der grosse Traum des Trios erfüllen: Alle drei würden gleichzeitig Träger eidgenössischer Kränze. «Das wäre ein Riesenerfolg», sagt Adi Laimbacher. «Der ginge in die Geschichte ein.»
Die Brüder Laimbacher leben fürs Schwingen. «Dieser Sport ist eine gute Lebensschule», sagen sie. Sie hätten gelernt, zu verlieren und zu siegen. Auf die Zähne zu beissen. Nach Niederlagen wieder aufzustehen. Mit Menschen umzugehen. Die Laimbachers schwingen am liebsten aus dem Stand. Und ziehen gerne kurz. «Wir sind Angreifer», sagt Adi Laimbacher. «Und wir schwingen fair», sagt Philipp.
Sie schwingen ähnlich und sind als Menschen doch unterschiedlich. Adi, der dreifache Familienvater aus Steinerberg SZ, ist der Ehrgeizigste. «Er ist auch der
Ernsteste», sagt der ehemalige Spitzenschwinger Eugen Hasler, der die Laimbachers seit Jahren kennt.
Adi sei willensstark und zielstrebig. Manchmal stur und verbissen. «Er geht zuweilen mit dem Kopf durch die Wand», sagen die Brüder. Der gelernte Zimmermann, der heute als Logistikassistent in einer Taschenmesserfabrik arbeitet, ist aber auch Vorbild und Antreiber in der Schwingerfamilie. «Er hat uns immer wieder mitgezogen», sagt Bruder Philipp.
Er, der Mittlere, ist ein lockerer Typ. Der Rohrnetzmonteur hat immer einen Spruch auf Lager oder einen Streich im Kopf. Er lacht viel. «Er macht alles spielerisch», sagt sein älterer Bruder. Ruhig und überlegt sei er. Nervenstark und konstant. Einer, der im Wettkampf über sich hinauswachsen kann. Ein Lausbub auch. «Und ein Schlitzohr», sagt Mutter Margrit Laimbacher.
Ivo, der Jüngste, beschreibt sich als «Draufgänger». Er liebt das Risiko. Sprünge an einem Seil in die Tiefe, Motorrad fahren mit Vollgas. Er sei aber auch
sehr sensibel, sagt sein ältester Bruder. Der Schreiner aus Brunnen SZ war der junge Wilde der Familie, der mit dem Motorhome und mit dem Auto zusammen mit zwei Kollegen zwei Monate durch Kanada und die USA reiste. «Er ist ein lustiger Typ», sagt Eugen Hasler. «Eine Gmüetsmore.»
- Seite 1 | 2
- Nächste Seite ›
































