Kapitän Buddel taucht auf

Die Gute-Nacht-Geschichte über eine Schwimmstunde, die für Anna und Lea ganz lustig ausfällt.

  • Was man bei einer Schwimmstunde so alles erleben kann!

Jeden Freitag Nachmittag findet dieser Schwimmkurs statt. In der muffigen Schwimmhalle am Stadtrand. Er macht keinen Spass. Und Anna ist auch dieses Mal ein bisschen genervt. Das ist jetzt schon das dritte Mal, dass sie von Frau Stöhri gezwungen wird, auf dem Rücken zu liegen und irgendwie über Wasser zu bleiben. Solange bis Frau Stöhri zufrieden nickt, sich einem anderen Mädchen am Beckenrand zuwendet und es ins Wasser befiehlt. Anna kann dann nur noch schauen, wie sie irgendwie wieder aus dem Wasser kommt, um sich zu ihrer Freundin Lea zu setzen.

Lea mag den Schwimmunterricht auch nicht. Und beiden ist inzwischen kalt, denn das Wasser ist nicht so schön warm wie in der Badewanne. Leider will Mama, dass Anna diesen Kurs besucht und sich nicht von der Wassertemperatur, der Schwimmhalle und Frau Stöhri abhalten lässt. Da kann man nicht mit ihr verhandeln. Anna seufzt und schluckt dabei ein bisschen Chlorwasser. Das auch noch, jetzt muss sie husten. Gleich wird sie den Beckenrand mit der linken Hand fassen können.

Frau Stöhri nennt sich «Schwimmlehrerin», Anna glaubt dennoch fest daran, dass Frau Stöhri eigentlich nur allen beim Schwimmen dreinredet. Ständig hat sie etwas auszusetzen. Aber noch keines der Mädchen hat sie selbst auch nur einen Meter im Wasser schwimmen gesehen. Beim ersten Versuch würde sie wahrscheinlich einfach untergehen wie ein Stein. Dann wäre sie wenigstens einmal ruhig, denkt sich Anna und stellt sich vor, wie Frau Stöhri im quietsch bunten Badeanzug auf dem Boden des Nichtschwimmerbeckens liegt und sich den Rest der Schwimmstunde von da nicht mehr wegbewegt.

Richtig wütend ist Anna auf sie, das hilft zumindest bei den letzten Schwimmzügen, die sie jetzt machen muss, um sich danach aus dem Becken zu hieven. Lea winkt schon, aber gerade als Anna sich am Rand nach oben ziehen will, taucht rechts neben ihr im Wasser ein schwarzes Ding auf. Neugierig bleibt sie im Wasser und schwimmt bis auf Nasenlänge an das Stück Metall heran, das nicht grösser ist als Papas Handy. Es sieht eigentlich genauso aus, mit einem Unterschied: Bei Papas liebstem Spielzeug hat Anna noch nie eine Luke entdeckt. Dieses Ding öffnet sich genau da knapp über der Wasseroberfläche, und zuerst kommt eine kleine weisse Mütze zum Vorschein. Dann lugt ein bärtiges Männchen mit einer Pfeife im Mund heraus, das Anna anschaut, die nur ein paar Zentimeter von ihm entfernt mit grossen Augen aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.

«Moin-Moin» spricht das Männchen da. Was sind denn das für Wörter, die hat Anna noch nie gehört. Das heisst: doch, einmal schon, als die Eltern so eine merkwürdige Sendung schauten, über Inseln im Norden von Deutschland. Das hat Anna aber nicht so interessiert. Und nun spricht der Kleine da vor ihr so und schaut sie sehr freundlich an – soweit Anna das erkennen kann.

«Moin-Moin, wou is denn hia die Noadsee?» Offensichtlich hat sich da jemand verfahren und ist in die Wasseranlage einer Schweizer Schwimmhalle geraten. Anna hat in der Schule sehr gut aufgepasst, als es um Flüsse und das Meer ging. Vor allem deshalb, weil sie noch nie am Meer war und gerne einmal dorthin in die Ferien möchte. Also ist ihr klar, dass dieses Ding vor ihr vermutlich ein kleines verirrtes U-Boot mit einem netten Norddeutschen an Bord ist, der auf dem Rhein bei Basel in die falsche Richtung abgebogen sein musste und nun ein Problem hat.

Anna will gerade antworten, als hinter ihrem Rücken eine sehr energische Stimme ruft: «Anna, gosch usä, bitte!» Frau Stöhri ... Anna seufzt und klettert aus dem Becken, nicht ohne schnell ins Wasser zu greifen und die kleine, nette Überraschung aus Metall an Land zu ziehen. Lea hat das gesehen und kommt schnell herübergelaufen. Während Frau Stöhri gerade anfängt, die weinerliche Agathe zum Rückenschwimmen zu zwingen. Das kann nun eh dauern, bis wieder andere Mädchen dran sind.

«Wa hesch?», fragt Lea, und statt einer Antwort von Anna hört auch sie die leise, aber freundliche Stimme aus der Luke sagen: «Moin-Moin, wou is denn hia die Noadsee?»

Lea ist genauso verdutzt wie ihre Freundin, aber sie fängt sich schnell und deutet wortlos mit ihrem Finger in die Richtung der Liegewiese vor der Schwimmhalle. Das ist zwar falsch, da liegen nur Graubünden und die Skiferien von vergangenem Jahr. Aber das ist jetzt nicht so wichtig. «Dunner Deubel, so’n Ding!» Der Kapitän des U-Boots scheint wütend zu sein. Die beiden Mädchen können hören, wie er sehr energisch etwas von «Steuermann» und «kieken» in die Luke brüllt, sich verabschiedet und die Luke dann schliesst. Da liegt das schwarze Metallding nun auf dem Boden und setzt zwei kleine Schräublein und ein Seitenruder in Bewegung. Aber nichts passiert. Ohne Wasser war da ja auch nichts zu erwarten gewesen. Anna kichert.

Dann hebt sie das U-Boot auf, holt ein paar Schritte Anlauf und wirft es in hohem Bogen ins Schwimmerbecken zurück. Lea applaudiert, ruft «Braaaavooo!», und Frau Stöhri schaute irritiert auf. Sie lässt sogar für einen kurzen Moment die heulende Agathe untergehen. Das Zappeln an ihrer Hand reisst sie aber wieder herum und lässt sie das arme Mädchen wieder an die Wasseroberfläche ziehen.

Wenigstens ist diese Schwimmstunde lustig. Nur schade, dass man nicht mit dem U-Boot mitfahren kann. Anna und Lea werden wohl auch heute den Bus nach Hause nehmen müssen.

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