Opa und der lästige Anrufer

Das aktuelle Bettmümpfeli über ein Telefon, das bei Opa immer wieder klingelt. Ein anonymer Anrufer wird vermutet. Kann Opa den Störenfried ausfindig machen?

  • Opa und sein klingelndes Handy.

Der verfl...ixte Idiot hat schon wieder angerufen (na ja, das Wort, das Opa gebrauchte, klang etwas anders, aber wenn Sabrina DIESES Wort je gebrauchen würde, gäbe es Ärger). Jedenfalls war Opa mächtig sauer – und das nicht zum ersten Mal:

Seit sieben Wochen kam er jeden Sonntag wutschnaubend zu ihnen herüber, fuchtelte mit seinem Telefon rum und ärgerte sich lauthals. Sabrina hatte lange Zeit nicht kapiert, was los war, aber ihre Mutter hatte es ihr erklärt:

Jeden Sonntag, immer um dieselbe Zeit, nämlich dann, wenn Opa und Oma beim Nachtessen sassen, klingelte das Telefon. Und wenn Opa ran ging, hängte der Anrufer gleich wieder auf. Seine Nummer hatte der Anrufer zerdrückt oder so – jedenfalls sagte Opa, er habe keine Telefonnummer sehen könne. Zerdrückte Nummer? Das verstand Sabrina nicht: Opas Telefon sah doch ganz normal aus, nicht kaputt oder so. Als sie das sagte, lachten die Erwachsenen erst, aber dann zeigten sie ihr, was damit gemeint war:

Sabrina durfte mit Mutters Telefon ihren Bruder Nicki anrufen, der mit seinem Handy im Nachbarzimmer sass. Sobald es klingelte, gab sie das Telefon ihrer Mutter, raste zu Nicki und sah auf dessen Handybildschirm ihre eigene Telefonnummer. So schlau: Das Handy wusste also genau, wer gerade anrief.

Dann ging sie wieder zu Mutter in die Stube, und zusammen wählten sie auf dem Telefon eine andere Einstellung: Rufnummer unterdrücken. Unterdrücken, erklärte die Mutter, sei in diesem Fall wie verstecken. Wieder liessen sie es bei Nicki klingeln, wieder raste Sabrina ins Nebenzimmer, aber jetzt stand auf dem Bildschirm: «Anrufer unbekannt». «Frag, wer dran ist!», stupste sie ihren Bruder. Der verwuschelte ihr Haar: «Du natürlich! Du hast mich ja angerufen!» Ach so – Sabrina musste lachen. Aber Opa lachte nicht – er ärgerte sich. Denn sein Anrufer sagte ihm weder, wer er sei, noch weshalb er anrufe, da machte es nur nur: piep – piep – piep. Weil der – ihr wisst schon – Idiot bereits wieder aufgehängt hatte …

«Dann lass es doch einfach klingeln!», hatte ihre Mutter vor drei Wochen geraten. Das hatte Opa auch gemacht. Vierzehn Mal hat dieser  – ihr wisst schon – es klingeln lassen. VIERZEHN! MAL! Opa war immer noch entsetzt. Aber eben:
Er wusste ja nicht, wer ihn anrief – sonst hätte er schon längst zurückgerufen und dem Kerl mal so richtig die Meinung gesagt!

Letzten Sonntag hatte Opa plötzlich Nicki in Verdacht gehabt: «Wenn der Bengel mich ärgern will, kriegt er es mit mir zu tun!» Das liess Nicki nicht auf sich sitzen. Er holte sein Handy und zeigte Opa sämtliche Nummern, die er in den letzten zehn Tagen angerufen hatte – die waren alle gespeichert. Sabrina war ganz beeindruckt davon, was so ein kleines Telefon alles kann. Und Opa musste mit Blick auf Nickis Handy grummelnd zugeben, dass keine der Nummern seine war … Nicki war also unschuldig.

Aber wer war dann der unbekannte Anrufer? Um das herauszufinden, rief Opa bei Swisscom an – die Firma, die seine Telefongespräche ermöglichte. Auch das musste die Mutter Sabrina erst erklären:
Ein Telefon oder Handy allein kann nicht telefonieren – es braucht eine Firma, welche die Gespräche von einem Gerät aufs andere schickt.

Aber Opas Firma erklärte ihm, dass sie ihm nicht einfach sagen dürfe, wer der lästige Anrufer ist. Wenn er sich belästigt fühle, müsse er eine Anzeige bei der Polizei machen. Diese könne dann wiederum bei der Swisscom anfragen, wer in der fraglichen Zeit auf Opas Telefon angerufen hatte. Kompliziert, fand Sabrina, aber das sei eben das Gesetz, sagten Opa und Mutter fast gleichzeitig.

Also hat sich Opa diese Woche wieder geärgert. Und wollte zur Polizei gehen. Gerade als er Mutter dies mitteilte, kam Nicki nach Hause. «Hat dich der Typ  wieder genervt?» Und bevor Opa antworten konnte, fügte er hinzu: «Darf ich das Telefon mal kurz haben? Mir ist da was eingefallen …»

Opa, sichtlich genervt, warf es ihm zu: «Von mir aus kannst du das Teil behalten!» Mutter strich ihm besänftigend über die Schulter. «Komm, trink einen Kaffee!» Doch noch bevor die beiden in die Küche verschwinden konnten, begann Nicki lauthals zu lachen. «Schau, Opa!», gluckste er, «hier ist dein lästiger Anrufer!»

Er hielt Opa und seiner Mutter das Telefon hin. Auf dem Bildschirm stand: «Sonntag, 18 Uhr: Termin» und dahinter war ein kleiner Wecker abgebildet. Opa schaute Nicki verständnislos an, aber die Mutter verstand sofort:

«Tja, moderne Telefone kann man auch als Wecker gebrauchen!» «Eben!», grinste Nicki. «Und wenn du nicht immer so schnell das Telefon abgenommen hättest, hättest du das auch lesen können.»
Opa schaute immer noch etwas verdutzt drein, aber Nicki drückte ein paar Knöpfe, und der Eintrag verschwand. «Nächsten Sonntag ruft er nicht mehr an, dein lästiger Anrufer – versprochen!»

Und so war es auch …

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