Endlich hat Simi hat sein eigenes Gärtchen erhalten. Wochenlang hatte er gebettelt und gequengelt, geschmollt und das Blaue vom Himmel versprochen. Nein, er war NICHT zu klein für ein eigenes Gärtchen – schliesslich war er doch schon fünfeinhalb! Und jetzt hat die Mutter also nachgegeben. Mehr noch: Sie und Papi haben ihm geholfen, sein eigenes Gärtchen anzulegen. Zuerst suchten sie am Fluss Steine. Damit sollte Simi sein Gärtchen abgrenzen. Dann grub Papa einen grossen Teil des Gartens um, zeigte auf eine Ecke und bestimmte: «Hier legen wir dein Gärtchen an.»
Simi begann sofort damit, mit seinen Steinen ein etwa fünf mal fünf Meter grosses Quadrat zu legen. «Mooooooooment!», stoppte ihn sein Vater. «Dein Gärtchen wird, wenn du es richtig pflegst, mit dir mitwachsen. Anfangen kannst du mit einem Beet, das genauso lang und breit ist, wie du gross bist.» Simi schaute etwas verdutzt, aber seine Mutter lachte: «DU hast doch die ganze Zeit behauptet, du seist gross genug für ein Gärtchen!» – Ganz so war das ja nicht gemeint gewesen, aber Simi wagte nicht zu widersprechen. «Und jetzt?»
«Jetzt legst du dich hier auf den Boden, am äusseren Rand des Teils, den ich umgegraben habe. Mami wird dort, wo die äusserste Haarspitze hinreicht, ein paar Steine als Grenze hinlegen – die markieren die Länge deines Gartens. Dann legst du dich quer hin, mit den Füssen auf die eben gelegten Steine. Dort, wo dein Kopf diesmal zu liegen kommt, markiert Mama mit ein paar Steinen eine Ecke – das zeigt die Breite des Gartens an. Dann müssen wir die Grenzsteine nur noch miteinander verbinden, und die zweite Linie ziehen wir von der Ecke bis an den Rand.»
Das liess sich Simi nicht zweimal sagen: Er legte sich hin und machte sich ganz, ganz lang, damit sein Gärtchen möglichst gross würde! Dann drehte er sich um und wiederholte das Ganze. Am Ende reihten sie Stein an Stein, bis das Quadrat perfekt war. Hübsch sah das aus! Simi war ganz stolz.
«Und jetzt will ich pflanzen!», drängelte der Bub. «Was denn?», fragten die Eltern. Aus Simi sprudelte es heraus: «Rüebli und Erdbeeren, Radieschen und Cherrytomaten, Löwenmäulchen und Rosen, Zuckermais und …» – «Stopp!» ging der Vater dazwischen. «So viel Platz hast du doch gar nicht!» Simis Unterlippe begann gefährlich zu zittern. Jetzt nur nicht weinen! Sonst hiess es wieder, er sei eben doch zu klein für ein eigenes Gärtchen. Er riss sich zusammen. «Aber Blumen will ich. Und Rüebli und Radieschen.» Damit waren die Eltern einverstanden, und sie gingen zusammen Samen kaufen.
Anschliessend zeigte der Vater, wie Simi sein Gärtchen ansäen sollte: «Hinten die hohen Pflanzen, vorne die kleinen.» Danach zogen die beiden mit einem Besenstil tiefe Rillen in den Boden. Da hinein legte Simi die kostbaren Samen, mit genügend Abstand dazwischen, damit die Pflanzen auch Platz hatten zum Wachsen – das hatte der Vater ihm erklärt. Und zum Schluss schaufelten sie vorsichtig die lockere Erde darüber. «Jetzt noch giessen, dann hast du es fürs Erste geschafft», sagte der Vater. «Wie ein richtiger Gärtner», lobte die Mutter. «Nun musst du nur noch warten, bis die Pflänzchen wachsen …»
Vor dem Nachtessen sah Simi noch einmal nach seinem Garten, aber der schaute immer noch aus wie am Nachmittag. Was hatten die Eltern gesagt? «Geduld haben … Und fleissig giessen … » Entschlossen holte er die Kanne und war schon am Giessen, als seine Mutter ihn aufhielt: «Halt! Die Samen wachsen nass nicht schneller – die verfaulen nur. Aber komm», fügte sie hinzu, «wir haben etwas vorbereitet, das richtig schnell wächst – das können wir in einer Woche schon essen!»
Simi sah sie zweifelnd an, aber in der Küche wartete Papa schon mit einem weiteren Samentütchen auf sie: «Schau! Das ist Kresse – der kannst du richtig zusehen, wie sie wächst.» Gespannt verfolgte Simi, wie die Eltern eine flache Schale mit Watte füllten und etwas Wasser dazu gossen – gerade so viel, dass die Watte sich vollsaugen konnte. Darüber streuten sie die Kressesamen. «So, und jetzt stellen wir die Schale ans Licht und halten die Watte immer schön feucht. Schon morgen Abend wirst du erste Pflänzchen sehen. Und in einer Woche essen wir den Salat.»
«Ohj ja», strahlte Simi nun wieder, «zusammen mit meinen Rüebli und Radieschen!» Seine Eltern lachten. Der Kleine würde noch früh genug merken, dass er etwas länger warten müsste. Wie gut, dass sie genügend Kressesamen gekauft hatten! Aber irgendwann würde es auch Rüebli und Radieschen aus Simis Gärtchen geben. Jedenfalls, wenn ihr ungeduldiger Gärtner die zarten Pflänzchen nicht vorher ausriss, um zu sehen, ob da schon etwas gedieh …
Simi, der ungeduldige Gärtner
Die aktuelle Gute-Nacht-Geschichte über Rüebli und Erdbeeren, Radieschen und Cherrytomaten, die leider nicht so schnell aus der Erde spriessen.


























