Bei prachtvollem Wetter fanden sich rund 5000 Menschen zum Nationalen Wandertag der «Schweizer Familie» im zürcherischen Wald ein – zum Wandern, Verweilen und Schmausen auf dem Festgelände.

Es zeichnete sich bereits in den frühen Morgenstunden ab: Der neunte Nationale Wandertag der Schweizer Familie wird ein Erfolg. Schon um acht Uhr, pünktlich auf die Eröffnung des Festgeländes, strömten am vergangenen Samstag Menschen aus der ganzen Schweiz nach Wald im Zürcher Oberland. Rund 5000 Leute besuchten das Festgelände, knapp die Hälfte von ihnen wanderte mit. Am Informationsstand ging es entsprechend turbulent zu und her: «Wo befinden sich die Toiletten?» «Sind die Routen markiert?» Und vor allem: «Wann starten die Wanderungen mit den prominenten Begleitern?» gehörten zu den häufigsten Fragen der Besucher.

Auf drei verschiedenen Touren wanderten entweder Musikerin Melanie Oesch, Fernsehmoderatorin Susanne Kunz oder Schauspieler Erich Vock mit. Vor allem Melanie Oesch scharte eine Gruppe eingefleischter Fans um sich. Mit einem Jauchzer gab sie das Startsignal für die Familienroute. Aber nur langsam setzte sich die Gruppe von rund 300 Menschen in Bewegung. Zuerst wollten sie die 28-jährige Jodlerin persönlich begrüssen und um ein Bild oder Autogramm bitten. Als «grösster Melanie-Fan» bezeichnete sich der 15-jährige Tim. Der Knabe mit Down-Syndrom fackelte nicht lange und griff nach der Hand von seinem Star. Nun konnte der Marsch beginnen.

Eine Gruppe wandert bei Sonnenschein.
Das Wandern ist des Schweizers Lust: Gross und Klein zog über Hügel und Felder im Zürcher Oberland.
Wandergruppe wandert auf einem steinigen Weg mit einem Esel.
Ideal für Familien: Die einfachste der drei Routen führte über den Panoramaweg zu einem Bauernhof mit vielen Tieren.

Der eineinhalbstündige Rundgang führte über den Panoramaweg zu einem Bauernhof, wo sich die Wanderer mit Süssmost und Sirup stärkten und die Kinder Geissen und Kühe streicheln konnten. Mit von der Partie war auch die 27-jährige Martina Gerber. Sie ist erst vor kurzem ins Zürcher Oberland gezogen. «Den Wandertag nutze ich, um die Gegend besser kennenzulernen.» Ursi und Albert Weber war das Wandergebiet bereits bestens bekannt. Sie leben ganz in der Nähe von Wald, in Rüti. «Bei solchem Prachtwetter fühlen wir uns hier aber noch immer wie in den Ferien», sagte das Ehepaar.

Viel Zeit, die Aussicht auf die Glarner Alpen zu geniessen, blieb Melanie Oesch nicht. Unermüdlich beantwortete sie Fragen, posierte für Erinnerungsbilder und unterschrieb auf T-Shirts und Sonnenhüten. Ihre Mutter Annemarie, die ebenfalls mitwanderte, liess sich hingegen von einem Ortskundigen erklären, welche Berge zu sehen sind.

Mutter und Tochter wandern beide gerne. «Wir gingen in meiner Kindheit jedoch selten als Familie wandern – die Musik beanspruchte zu viel Zeit», sagte Melanie Oesch. Erst vor sechs Jahren habe sie den Volkssport für sich entdeckt. Seither geht sie an freien Tagen häufig in die Berge. Am liebsten alleine. «Für mich ist Wandern ein wunderbarer Kontrast zum Leben auf der Bühne und im Tourbus.» Obwohl sie normalerweise in der Natur die Ruhe sucht, genoss sie es, ihren Fans für einmal in einer anderen Umgebung zu begegnen.

Festgelände mit Bänken und Ständen von oben.
Ein schöner Fleck: Festgelände im Bleiche- Areal in Wald.
Junge wandert neben junger Frau.
«Ich bin ihr grösster Fan»: Tim, 15, wanderte mit Jodlerin Melanie Oesch.

Durch den Bachtelspalt 

Deutlich ruhiger zu und her ging es auf der Wanderung mit Erich Vock. Kein Wunder: Er marschierte auf der längsten Route mit, die auch durch den 50 Meter langen Bachtelspalt führte und mit einem steilen Anstieg begann. Im Nachhinein sagte der Volksschauspieler zwar: «Es war nicht so anstrengend, wie ich es mir vorgestellt habe.» Aber es seien schon alle ganz schön ins Schnaufen gekommen. «Daher haben wir uns nicht gerade unsere ganzen Lebensgeschichten erzählt.» Auf dem Gipfel angekommen, liess es sich Erich Vock nicht nehmen, auch noch den Bachtelturm zu erklimmen. Flink stieg er die 159 Treppenstufen zur Aussichtsplattform hoch, um dort nicht nur das Panorama, sondern auch ein Gipfeli zu geniessen.

Ein Mädchen turnt auf den Beinen der beiden Kinder.
Kleine grosse Akrobaten: Workshop des Kinderzirkus Pipistrello.
Zwei Männer stehen auf einem Aussichtsturm mit einem Croissant in der Hand.
Ein Gipfeli auf dem Gipfel: Erich Vock (l.) und sein Manager Rico Fischer auf dem Bachtel.
Zwei Jungen schwingen im Sägemehl.
Früh übt sich: Junge Schwinger auf dem Sägemehl.

Rätseln mit Susanne Kunz 

Fernsehmoderatorin Susanne Kunz begleitete die mittlere Wanderung, die knapp drei Stunden dauerte. Sie war froh, führte diese grösstenteils dem Schatten entlang – vorbei an Wasserfällen und dem Wäbereggweiher. Von ihr wollten die Wanderer wissen, wie man denn Kandidat in ihrer Sendung «1 gegen 100» wird. Quizfragen seien ihr aber keine gestellt worden. Rätseln musste sie trotzdem: Und zwar darüber, welches der richtige Weg ist. «An einer Stelle teilte sich unsere Gruppe», erzählte Susanne Kunz. Zwar sei die Route gekennzeichnet gewesen, sie hätten die Schilder jedoch falsch interpretiert. «Zum Glück fanden wir uns nach kurzer Zeit wieder.» Am lokalen Likör Rosoli kann die Fehlinterpretation jedenfalls nicht gelegen haben: «Ich habe bis jetzt noch keinen Schluck getrunken », sagte die Moderatorin.

Auf dem Festplatz warteten dann auch weitere regionale Spezialitäten auf die Wanderer. Etwa der Ochs am Spiess von der Dorfmetzg Laupen. Das 275 Kilo schwere Tier wurde am Vorabend über das Feuer gehängt. Zwei Männer bewachten es die ganze Nacht und sorgten dafür, dass seine Kerntemperatur stets 60 Grad betrug. Ebenfalls beliebt war der Baumerfladen der Bäckerei Voland. Sie verkaufte ganze Fladen. Zudem erhielten die Besucher des Wandertags zum Abschied ein Stück der feinen Spezialität. Der Baumerfladen ist eine Art Lebkuchen mit Haselnussfüllung. Das Rezept ist geheim – nur Bäcker- und Konditormeister René Schweizer kennt es.

Ein Geheimnis lüftete dafür Daniel Dunkel, Chefredaktor der «Schweizer Familie»: Er gab den Austragungsort des nächsten Nationalen Wandertages bekannt. Dieser wird Ermatingen im Kanton Thurgau sein. Zuerst bedankte sich Daniel Dunkel aber bei Michael Dubach, dem OK-Präsidenten des aktuellen Wandertages, und seinem gesamten Team: «Dies war der vielfältigste Wandertag, den wir je hatten.» Den 350 freiwilligen Helfern sprach er seinen Respekt aus. «Ohne eine Bevölkerung, die mitanpackt, kämen solche Anlässe nicht zustande.» Auch Michael Dubach zeigte sich zufrieden: «Wir verkündeten letztes Jahr, wir werden den grössten Wandertag aller Zeiten organisieren. Ich glaube, das ist uns gelungen.»
Auf Daniel Dunkels Frage, wie Ermatingen diesen Wandertag toppen wolle, sagte Martin Stuber, Gemeindepräsident von Ermatingen: «Wir Thurgauer sind bescheiden, wir sagen nicht im Voraus, wir seien die Grössten und Besten – vielleicht werden wir es aber im Nachhinein sein.» Die Wanderfreunde lockte er mit der selbstbewussten Aussage: «Bleibt lange. In Ermatingen haben wir die schönsten Sonnenuntergänge der Welt.»

Aber auch in Wald lohnte es sich, lange zu bleiben. Bis in den späten Nachmittag konnten die Kleinen an Workshops des Kinderzirkus Pipistrello Kunststücke üben oder versuchen, den Kletterturm von Mammut zu bezwingen. Die Erwachsenen gönnten sich derweil eine Shiatsu-Massage im Helsana-Zelt und schlenderten durch die verschiedenen Marktstände. Am Abend sorgten Oesch’s die Dritten gleich mit zwei Sets für Stimmung. Ausserdem standen die Bands Josh und Les Sauterelles auf der Bühne. Deren Frontmann Toni Vescoli hatte ein Heimspiel: Er lebt seit einigen Jahren in Wald.

Zwei Frauen singen auf einer Bühne, im Hintergrund die Menschenmenge.
Sie sorgten im Festzelt für Stimmung: Oesch’s die Dritten.
Kinder umringen zwei Ferkel.
Die Säuli sind los: Kinder freuten sich über die herzigen Tiere.