Lange Zeit galt sie als verstaubt und altmodisch. Jetzt erlebt die Hortensie eine Renaissance. Ihre prächtigen Blütenbälle verschönern Gärten, Terrassen, aber auch Wohnungen.

Das Wichtigste im Überblick

So gefällt es der Hortensie

Standort:
Bis auf die Rispenhortensie (Hydrangea paniculata), die volle Sonne verträgt, gedeihen Hortensien am besten im Halbschatten und ohne Mittagssonne. Ideal ist die Ostseite des Hauses. Der Boden sollte locker und humos sein, schwere Lehmböden mögen sie nicht. Hortensien lieben es feucht, aber ohne Staunässe. In Trockenzeiten brauchen sie viel Wasser. Und im Frühling Nährstoffe wie Azaleenoder Rhododendrondünger. Am besten in Form von Langzeitdünger.


Rückschnitt:
Bis auf die Rispenhortensie und einige neue Sorten blühen Hortensien am alten Holz und sollten möglichst wenig geschnitten werden. Da die Knospen schon vorgebildet sind, schneidet man Ende Februar die Blütenstände bis zur nächsten dicken Knospe zurück. Die Knospen schützen die Pflanze vor dem Erfrieren. Nur schwache oder abgestorbene Triebe werden bodeneben entfernt.


Rispenhortensien blühen am einjährigen Holz. Man kann sie stark zurückschneiden.


Hortensien in Kübeln wollen im Halbschatten stehen, in genügend grossen Behältern. Sie brauchen viel Wasser, je kleiner der Kübel, desto mehr. Man pflanzt sie in Rhododendron- oder Azaleenerde. In kalkhaltiger Erde gehen sie ein. Deshalb auf kalkfreies Giesswasser achten. Kübelpflanzen Ende Oktober zum Überwintern an einen kühlen, frostfreien Ort stellen. Der Ballen darf nie ganz austrocknen.


Zimmerhortensien kommen im Frühjahr in den Garten oder in einen grossen Kübel auf die Terrasse oder den Balkon. Anfangs gegen Sonne schützen und viel Wasser geben.


In der Vase halten sich Hortensienblüten über zwei Wochen. Will man sie als Trockensträusse halten, kommen sie in etwas Wasser. So bleiben die Stängel standfest, und die Blüten behalten ihre Form. Die Blüten des Spätherbstes stellt man ohne Wasser in die Vase.

Hortensie. Welch schöner Name. Schön wie die Blüte der Pflanze. Schön wie die zahlreichen menschlichen Trägerinnen des Namens Hortense. 

Menschliche Schönheiten sind Geschmackssache, unterliegen dem Zeitgeist. Blumige ebenfalls. Wenn auch seltener. Die Hortensie jedoch ist eine unbestrittene, von jeher heiss begehrte Schönheit. Vor allem in ihrem Herkunftsland Japan. Dort wird die Hydrangea, so die botanische Bezeichnung, seit Jahrhunderten kultiviert. Und eifersüchtig überwacht; 1587 verbot der japanische Herrscher Hideyoshi ihre Verbreitung. Nur in den kaiserlichen Gärten durften sie kultiviert werden. Schliesslich aber kam sie gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf verschlungenen Wegen doch nach Europa. Klarer gesagt: Sogenannte Pflanzenjäger raubten sie.

1775 kam Carl Peter Thunberg, ein Schüler von Linné, auf die Insel Deshima bei Nagasaki und beschrieb fünf Hydrangea-Arten. Die ersten Pflanzen nach Europa aber brachte Philipp Franz Balthasar von Siebold (1796–1866), bayerischer Arzt, Botaniker, Sammler und Japanforscher. Er schaffte um 1850 viele asiatische Gartenpflanzen nach Europa, darunter auch Hortensien. Rund zehn Jahre später brachte ein russischer Botaniker im Auftrag des Zaren, wieder unter anderen, Hortensien nach Sankt Petersburg.

Buntes Blütenmeer der Bauernhortensie
Die Bauernhortensie ist der Klassiker in unseren Gärten und wird bis zu zwei Meter hoch.
Ein Weidenkorb mit einem rot-blauen Arrangement der Bauernhortensie.
Farbenprächtiges Arrangement mit den Blüten-kugeln der Bauernhortensie.
Kleine dunkle Blüten der Berghortensie.
Die Teller- oder Berghortensie ist etwas kleiner als die Bauernhortensie und wird meist etwa einen Meter hoch.

Die Reise der Hortensie

Die Verbreitung in Europa aber ist den Engländern, den Vorreitern aller Kultivierung exotischer Pflanzen, zu verdanken. Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden dort die ersten Hortensien gezogen. Deutschland zog nach und präsentierte 1829 an der Blumenausstellung im Palais des Grossen Gartens in Dresden blühende Hortensien.

Bald darauf kam die Hortensie in die Schweiz, wurde zur «Blume aus dem Bauerngarten» und galt schon nach kurzer Zeit, obwohl eingewandert, als einheimisch. Heute gibt es von ihr zahleiche Neuzüchtungen mit immer grösseren Blütenbällen.

Der Name Hortensie soll auf Hortense de Nassau, die Tochter des Prinzen von Nassau, eines Teilnehmers einer Expedition des französischen Botanikers Philibert Commerson (1727–1773), zurückgehen. Der botanische Name der durstigen Pflanze dagegen ist sachlicher: «Hydrangea» wird aus den griechischen Wörtern «hydro» (Wasser) und «angeion» (Gefäss) zusammengesetzt.

Die umständlichen, jahrelangen Reisen der Hortensie haben sich für jeden Gartenbesitzer gelohnt. Ist sie doch, vorneweg die pralle Bauernhortensie mit ihren Blütenbällen von bis zu zwanzig Zentimeter Durchmesser, nicht nur schön: Sie braucht wenig Pflege, kennt kaum Krankheiten und blüht von Juni bis September. Zudem: Welcher Blütenstrauch wechselt im Lauf der Gartensaison so oft die Farbe? Weisslich bis blassgrün sind die aufgehenden Blüten der Bauernhortensie im Frühling. Im Sommer färben sich die runden, dicken, fast fussballgrossen Blütenkugeln in Rosa, Rot oder Blau. Im Herbst werden sie ockerfarben. Selbst im Winter, wenn ihre Blüten längst verwelkt sind, schaffen sie ein wenig Farbe, ein morbides Lilabraun.

Die Kletterhortensie hat sich über eine hölzerne Gartenhütte ausgebreitet.
Die Kletterhortensie ist ein kletternder Strauch, der in seiner asiatischen Heimat bis in die Kronen von Bäumen hineinwächst.
Die Rispenhortensie blüht gelblich-weiss im Sonnenlicht.
Die Rispenhortensie mit weissen bis gelblich-weissen Blüten kann je nach Schnitt als kleiner Busch oder als kleiner Baum gezogen werden.
Die weissen Dolden der Samthortensie.
Die Samthortensie oder Raue Hortensie wird bis zwei Meter hoch und die Blüten erscheinen in flachen weissen Dolden von 10 bis 30 cm Durchmesser.

Die Erde bestimmt die Farbe

Warum nun aber blühen manche Hortensien rosa und andere blau? Und warum produziert eine blau gekaufte bald rosa Blüten? Weil die Erde die Blütenfarbe bestimmt. Weist die Erde wenig Kalk auf, gilt sie als sauer, genauer: Hat sie einen Säurewert, genannt pH-Wert, unter 5,5, blühen die Hortensien blau. Ist die Erde kalkhaltig, genauer: hat sie einen pH-Wert über 6, blühen die Blumen rosa. Unsere Böden sind im Allgemeinen eher kalkhaltig.

Doch für Liebhaber von blauen Hortensien, wie sie in der französischen Bretagne so herrlich blühen, gibt es einen Trick: Man gebe im Frühjahr und Herbst rosa blühenden Hortensien drei- bis viermal einen Löffel Ammoniakalaun, Aluminium-Kalium-Sulfat oder «Hortensienblau» ins Giesswasser. Und schon verwandeln sich rosa Hortensien in blaue. Grossmutters Tipp, rostige Nägel oder zerschnittene Kupferblätze um die Pflanze in die Erde zu stecken, hat – bei mir jedenfalls – nicht funktioniert. Auch bleiben weisse Hortensien, wie die Rispenhortensie, trotz aller Farbumwandlungsbemühungen weiss. 

So beliebt die Blüten der Hortensie auch sind, botanisch handelt es sich nur um Scheinblüten, blütenartige, farbige Kelchblätter, mit der Aufgabe, Insekten anzulocken. Die echten Blüten sitzen klein und unscheinbar in der Mitte der Kelchblätter.

Den Schriftsteller Rainer Maria Rilke schien das und auch die Farbe der asiatischen Schönheit nicht zu kümmern. Er widmete beiden ein Gedicht. In der blauen Hortensie sieht man «ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen». Der rosafarbenen gedenkt er mit: «Wer nahm das Rosa an? Wer wusste auch, dass es sich sammelte in diesen Dolden?» Nachzulesen sind die Gedichte unter www.rilke.de.

Zum guten Schluss: Hortensien werden weit älter als unsereins: Die berühmte Pillnitzer Hortensie in Dresden wurde hundertachtzig Jahre alt. Ob es die neuen Züchtungen auch so lange aushalten werden?