Lamatrekking bedeutet: Viel Spass für die ganze Familie sowie ein Hauch von Abenteuer. Und wenn das Mittagessen über dem Feuer brutzelt, geniessen auch die Vierbeiner eine kleine Pause ...

Das Wichtigste im Überblick

Diverse Anbieter
Unter den Stichworten «Lama» und «Lamatrekking» finden sich im Internet diverse Anbieter für Touren mit Lamas. Die meisten stellen die Tour nach den Wünschen der Gäste zusammen. So ist ein Lamatrekking beispielsweise ein beliebtes Programm für Kindergeburtstage.

Allgemeine Auskünfte:
Tel. +41 (0)41 675 25 77
www.lamatrekking.ch

Es ist Liebe auf den ersten Blick. «Das ist meiner», ruft Fay und zeigt auf den Weissen mit den blauen Augen. «Er sieht so kuschelig aus und freundlich.» Lama Zeus scheint von der Aufregung meiner Tochter nichts mitzubekommen. Er steht stoisch am Wegesrand neben seinen vier langhalsigen Artgenossen Aaron, Luano, Rio und Santos und bewegt seinen Kiefer mit grossen, mahlenden Bewegungen hin und her.



Vier Lamas stehen in der Wiese.
Freundlich und gwundrig: Einige der Trekking-Lamas der Familie Ambauen.
Das Gepäck auf dem Rücken eines der Lamas.
Gut festgezurrt: Das Gepäck auf dem Rücken eines der Lamas.
Die Würste brutzeln auf dem Grill.
Die Würste brutzeln am Lagerfeuer.

Sie grasen alles ab

Fay, 9, und ich sind mit meiner Freundin Su und deren Töchtern Jayun, 10, und Jia, 5, nach Giswil gereist, um mit den fünf Lamas einen Ausflug zu machen. Vom Halbtagestrekking über Vollmondtouren bis zum Klassenlager – alles ist möglich bei Marléne Ambauen. «Hauptsache, die Gäste haben Spass», sagt sie. Früher begleitete sie einen Bekannten, der Trekkings anbot, als Helferin. «Die Liebe zu den Lamas packte mich vom Fleck weg.»


Heute leben auf dem Hof von Marléne und Ernst Ambauen neben Schafen auch elf Lamas. Für Landwirte seien diese Nutztiere praktisch, sagt die Bäuerin. «Sie ersetzen die Mähmaschine, weil sie alles abgrasen, sie machen keine Sauerei, weil sie ihren Haufen konsequent an derselben Stelle hinterlassen, und sie brauchen nicht viel zusätzliches Futter.»

Meine Freundin Su, die in einem ehemaligen Bauernhaus wohnt, denkt nach. Dann sagt sie: «Bei mir würden sich ein paar Lamas auch ganz gut machen – die sehen nicht nur schön aus, sondern erledigen offenbar auch die mühsame Arbeit auf der Wiese.» Fay hakt sofort nach: «Ja, gute Idee, du könntest Zeus nehmen, das wäre prima, dann würde ich ihn jeden Tag sehen.»

Die Kinder spazieren mit den Lamas über die Brücke.
Unterwegs: In Reih und Glied über die Laui.
Rast mit den Tourleitern.
Speis und Trank: Rast mit den Tourleitern Ernst und Marléne Ambauen.

Der Chef geht vor

Fay steht inzwischen neben dem weissen Lama, in der Hand die Leine, den Kopf an seinen Hals geschmiegt. «Herrlich, wie ein Kuscheltier.» Auch wir anderen haben uns ein Lama ausgesucht. Sogar Jia, unsere Jüngste. Sie reicht Santos, dem Lama, das auch unsere Rucksäcke trägt, nicht einmal bis zum Rücken. Und doch gehorcht ihr das 9-jährige Tier, als sie an der Leine zieht und losmarschiert.

Ich führe Aaron. Der 8-Jährige ist der Chef unter Ambauens Lamas. «Mit ihm musst du zuvorderst gehen», sagt die Expertin. «Sonst gibt es Unruhe in der Gruppe.» 

Eine fast schon meditative Ruhe kommt auf.

So marschieren wir los, eine hinter der anderen mit ihrem Lama. Der Laui entlang, die in ihrem felsigen Bett vor sich hin plätschert. Eine fast schon meditative Ruhe kommt auf. Ab und zu ist ein Stöhnen aus den langen Hälsen zu hören. «Keine Sorge, denen tut nichts weh», beruhigt Marléne Ambauen. «So kommunizieren Lamas.»

Hin und wieder gibt es eine Pinkelpause. «Die pinkeln manchmal bis sieben Minuten lang», sagt Marléne Ambauen. «Währenddessen dürfen auch die anderen Pause machen und Gras und Blätter fressen.»
Um die Mittagszeit meldet sich bei uns der Hunger. Am Ufer der Laui machen wir Rast. Die Lamas binden wir einzeln an einen Baum. Während die Würste über dem Feuer braten, kämmen die Mädchen ihre Tiere mit speziellen Bürsten und geben ihnen Leckerli, die Marlène Ambauen mitgebracht hat. Danach machen die Tiere Siesta und setzen sich ins Gras. Die Kinder suchen eine neue Beschäftigung. Und finden sie sogleich. Unten im zum grossen Teil ausgetrockneten Flussbett bauen sie Steinmännchen und stauen kleine Wasserläufe.
Als wir am Nachmittag den Rückweg antreten, wird Fays Liebe zu Zeus auf eine kleine Probe gestellt. Der Weisse zeigt seiner Führerin, dass er seinen eigenen Kopf hat. Mitten auf dem Weg geht er nicht mehr weiter, legt sich stattdessen auf den Boden und wälzt sich im Sand. «Er ist halt ein eigenwilliges Tier», sagt Marlène Ambauen und lacht. Fay nimmt es gelassen. Sie lacht auch. «Mami, bei mir ist es mit Zeus wie bei dir mit Papi», sagt sie dann ernst. «Ich liebe ihn mit all seinen Macken, und darum – einfach, dass du das gleich weisst – muss ich ihn möglichst bald wiedersehen.»