Zwischen Thur und Töss finden Wanderer Romantik, Fernsicht und Gaststätten, die zum Bleiben verführen. Unvergleichlich schön und ein Muss für Wandervögel! Und wer lieber Velo fährt: Unsere Variante für Radler ist ebenfalls einmalig.

Das Wichtigste im Überblick

Anreise:

Die Station Lütisburg liegt an der Bahnlinie Wil–Wattwil.

www.sbb.ch


Route:

Lütisburg Station – Grämigen – Dreien – Mühlrüti – Roten – Schnebelhorn – Tierhag – retour bis zum Abzweiger Roten-Steg Bahnhof. Dauer: 7 Stunden. 990 Meter aufwärts, 900 abwärts.


Dauer:
7 Stunden, 990  Meter aufwärts, 900 abwärts


Wanderkarte:

226 T, Rapperswil, 1:50 000.


Verpflegung:

«Post», Dreien oder «Tierhag» am Schnebelhorn (keine Webseiten).



Blumenwiesen. Die Felsbänder des Speer am dunstigen Horizont. Gratbäume, die sich in der Bröckelmolasse festkrallen: Das sind Bilder, die mir von dieser Wanderung bleiben. Und doch sind es nicht die Farben, durch die der Frühling und der Frühsommer sich am stärksten vom Winter abheben. Es sind die Gerüche. Unser Tag roch so gut. Nach Flieder, Harz, Bergkräutern, frisch geschnittenem Gras. Und am Nachmittag nach Heu.

Es war ein hemmungslos romantisches Szenario.

Ich und meine Wanderfreunde starteten bei der Station Lütisburg im Toggenburg. Von dort bis zur Mühlrüti brauchten wir etwas über 2½ Stunden. Jeder Meter lohnte sich. Fast mühelos gingen wir leicht aufwärts, erreichten die Terrasse von Grämigen, erblickten zur Rechten das gewaltige Hammertobel. Weiter oben, nach Winklen, wurde der Gonzenbach zugänglich, wir wanderten am Wasser durch die Auen, es war ein hemmungslos romantisches Szenario.

Dann das Miniweilerchen Dreien mit der Wirtschaft Post. Die Nussgipfel waren gut, der Wirt gab jedem die Hand, wir setzten uns ins Säli mit Bühne und 150 Sitzplätzen – hey, Manager oder Sozialbehördler oder Schulpolitiker oder was auch immer, macht mal in diesem Holzsäli eine Retraite statt im öden Seminarhotel mit Normteppich und Flipchart!

Nach einer Hangpassage auf einem Strässchen waren wir schon in Mühlrüti, einem kleinen Dorf mit einer Riesenkirche und einem Laden. Hier änderten wir, um noch mehr Freude zu tanken, den Plan: statt zum Passrestaurant der von Töfffahrern umschwirrten Hulftegg zum ruhigeren Schnebelhorn. Freilich bedeutete das, dass dies eine 7-stündige Wanderung werden würde. Wenn jetzt ein Leser findet, dass ihm diese Unternehmung zu viel wäre – kein Problem! Die Etappe bis zur Mühlrüti, von wo man mit dem Bus wieder talwärts reisen kann, ist in sich eine vollwertige Route.

Vom Gipfel sieht man den Zürichsee. Den Säntis. Den Alpenkranz im Süden.

Wir kamen zu einem brutalen Stutz, ich war froh um meine Stöcke. Oben beim Älpli waren wir vollends im Land der Kämme und Grate und bleckenden Nagelfluh, hatten Weitblick, erreichten schliesslich nach munterem Auf und Ab das Schnebelhorn.

Vom Gipfel sieht man den Zürichsee. Den Säntis. Den Alpenkranz im Süden. Gleich unterhalb schmiegt sich der Tierhag an die Bergflanke. Wir kehrten ein, ich ass eine Schweinsbratwurst. Und weil wir nun verschiedene Fortsetzungen zur Auswahl hatten, fragten wir den Wirt: «Sie, welches ist der schönste Weg hinab ins Tösstal?» Er antwortete: «Es gibt keine schönen Wanderwege. Schön ist es, bei mir hocken zu bleiben.»

Das war natürlich Witzelei. Er empfahl uns eine Route. Diese begann hinter dem Haus, wo der Wegweiser die Richtung zur Hirzegg zeigte. Unterhalb des Schnebelhorn-Gipfels hielten wir retour, langten bald beim Weg an, auf dem wir gekommen waren, folgten ihm 20 Minuten bis zum Hügel Roten.

Dort zweigten wir ab nach Steg. Es folgte ein schmaler Horizontalpfad durch einen fast senkrecht abfallenden Hang; der dichte Wald bannte den Schwindel. Irr fanden wir die Biker, die vorbeiratterten, doch hat halt jeder seine eigene Idee von Freizeitspass. Unten in Steg waren wir uns einig: Diese Route ist ein Monument an Schönheit. Sie ist ein Wander-Muss.

Apropos Töss

57 Kilometer lang ist die Töss – und wenn man von ihren wilden Anfängen im stotzigen Bergland nah dem Tössstock absieht, radelt es sich ihr entlang wunderbar leicht. Vier Stunden dauert die Velofahrt von Fischenthal bis zur Tössegg bei Teufen, wo der Fluss im Rhein endet.

«Wo ist denn nun aber die Töss?», fragt man sich auf den ersten Velominuten nach dem Bahnhof Fischenthal. Bei Steg kommt sie rechts aus den Hügeln geschossen und ist hernach ganz für die Touristen da. Des Öftern möchte und kann man absteigen, ein wenig ans Wasser hocken nah einem Nagelfluhfelsen und die Füsse baden.

Es lohnt sich, zur Kyburg aufzusteigen.

Und der Sehenswürdigkeiten am Veloweg sind viele. Im Weiler Lipperschwendi (Bauma) wirkt ein Alters- und Pflegeheim mit weisser Fassade und Veranda wie eine Pflanzerresidenz in den amerikanischen Südstaaten; 1894 öffnete hier die erste Trinkerinnenheilanstalt der Schweiz. Kurz nach Bauma gibt es einen historischen Schwemmsteg zu besichtigen; Drehgelenke machen es möglich, dass er dem Wasser nachgibt, wenn dieses zu heftig kommt.

Nah Sennhof lohnt es sich, zur Kyburg aufzusteigen und weit übers Land zu blicken. Und nach Winterthur gibt es viele alte Industrieliegenschaften zu sehen. Am Schluss, bei der Tössegg, fühlt man sich bereichert. Der idyllische Flecken mit dem Ausflugsrestaurant ist das letzte vieler Geschenke auf diesem Veloausflug.